Perus „Rebellen-Überbleibsel“ zunehmend in Drogenhandel verwickelt

Bild: © n.v. -

Ein kürzlicher Angriff der peruanischen Shining Path Guerrillas auf eine Militärbasis war vermutlich ein Racheakt für die Beschlagnahmung einer großen Kokain-Ladung durch peruanische Behörden im vergangenen Monat. Dies wirft Fragen darüber auf, welche Ziele die maoistische Rebellengruppe mittlerweile verfolgt. Die Drogen wurden in einem Gebiet abgefangen, in dem der Großteil der peruanischen Koka-Produktion abgewickelt wird und das ein Rückzugsgebiet einer Splittergruppe der Shining Path-Rebellen darstellt. Die nationale Zeitung La Republica geht von einem direkten Zusammenhang zwischen dem Angriff auf die Militärbasis und der Sicherstellung der Drogen aus. Immer wenn den peruanischen Behörden in der jüngeren Vergangenheit ein erfolgreicher Schlag gegen die Drogenhändler gelang, wurde dies mit einem Gegenangriff der Shining Path-Rebellen vergolten. Bereits früher hatten die Rebellen schon für die Drogenhändler Koka-Plantagen geschützt, indem sie mehrere Male Beamte ermordeten, die die Plantagen zerstören sollten. Es sieht danach aus, als ob die Rebellen mittlerweile zu einer Art „Vollstreckungsbehörde“ für die Drogenhändler geworden sind.

Diese Art von Entwicklung ist in Kolumbien bereits beobachtet worden. Den revolutionären Gruppierungen, wie beispielsweise die FARC oder die ELN, wird schon lange eine Abkehr von ihren ursprünglichen politischen Zielen und Beweggründen unterstellt. Dennoch bestehen Unterschiede zwischen den peruanischen und den kolumbianischen Rebellen: In Peru wird lediglich die Koka-Base hergestellt, diese aber nicht weiterverarbeitet und zu Kokain veredelt. Dies liegt vor allem an den fehlenden Kontakten zu Großkäufern, welche die Drogen in großem Stile ins Ausland ausführen würden. So geht die Koka-Base in Peru lediglich zu lokalen Zwischenhändlern, um dann von dort aus, in veredelter Form, an internationale Ziele weitergeleitet zu werden.

Obwohl die peruanischen Guerrilla-Bewegungen noch nicht so tief in den Drogenhandel verwickelt sind wie ihre kolumbianischen „Kollegen“, ist diese Entwicklung bedenklich. Je mehr die politischen Ziele in den Hintergrund geraten, desto schwieriger wird es für die Regierung, zu einer diplomatischen Lösung im Land zu kommen. Gleichzeitig wächst durch die Teilnahme am Drogenhandel und den damit verbundenen Einnahmen der Einfluss der Rebellen und gibt ihnen mehr Möglichkeiten, sich besser mit Waffen und sonstiger Ausrüstung zu verstärken.

Link zum Artikel (Englisch)

Friesendorf, Cornelius: Drogen, Krieg und Drogenkrieg

Über christian / earthlink

Projektmitarbeiter, zuständig für die Entwicklung und Durchführung von Projekten bzw. Kampagnen, Fundraising, Einarbeitung und Betreuung von Praktikanten und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Aktuelle Projekte: Aktiv gegen Kinderarbeit, Drogen Macht Welt Schmerz, Fluchtgrund
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.