
Myanmar (Burma) ist mit 610 Tonnen in 2011 laut UNODC, nach Afghanistan, der zweitgrößte Opiumproduzent der Welt. Die Anbaufläche für Mohn hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Nun möchte das Land, welches fast ein halbes Jahrhundert unter Militärherrschaft stand, diesen Trend umkehren. Seit ihrer Machtübernahme vor gut einem Jahr, brachte die zivile Regierung von Präsident Thein eine Reihe von politischen und wirtschaftlichen Reformen auf den Weg. So beschleunigte sie auch eine Kampagne zur Vernichtung von Mohnfeldern dramatisch. “Jedes Jahr gibt die internationale Gemeinschaft Millionen von Dollar [für Anti-Drogen-Initiativen] in Ländern wie Afghanistan und Kolumbien aus, ohne befriedigendes Ergebnis,“ so Sit Aye, Hauptberater von Präsident Thein Sein. “Hier garantieren wir, mit internationaler Hilfe, das Opium-Problem bis 2014 auszumerzen.”
Das ist ein sehr ambitioniertes Ziel. Immerhin haben Polizei, Soldaten und Dorfbewohner laut Myanmars Zentralkomitee für Drogenmissbrauchskontrolle (CCDAC) seit September schon 21256 Hektar Mohnfelder zerstört, mehr als dreimal so viel wie in der letzten Saison. Damit kommen laut UNODC 30 Tonnen Heroin weniger auf den Weltmarkt. Jedoch relativiert sich das Ergebnis ein Stück weit, da vor der Vernichtung noch einige Felder abgeerntet wurden und die Anbaufläche laut UNODC letztes Jahr um zehn Prozent wuchs. So erscheinen Myanmars Ziele mit oder ohne internationale Hilfe äußerst unrealistisch, besonders da nach wie vor das Militär und die Drogenprofiteure viel Macht in Myanmar besitzen. Zudem sind in dem wirtschaftsschwachen Land um die 256000 Haushalte in des Mohnanbau verwickelt.
Das auf einem Hektar geerntete Opium ist ca. 3000 Dollar wert, eine hohe Summe in einem Land, in dem ein Drittel der Bevölkerung von nur einem Dollar am Tag lebt. “Die schnelle Vernichtung des Schlafmohns führt für die betroffenen Haushalte zu ernsten Problemen,“ erklärte Jason Eligh, UNODC-Landesbeauftragter für Myanmar. “Es gibt Leute, die ihre Ernte nicht einlagern konnten, die überhaupt kein Geld haben und die nächsten fünf bis sechs Monate mit so gut wie nichts überleben müssen.” Alternative Nutzpflanzen können erst wieder zur Regenzeit im Juni oder Juli gepflanzt werden. “Wir haben ein sehr enges Zeitfenster,“ fuhr Eligh fort. “Falls sie in dieser Zeit keine Hilfe bekommen, besteht eine hohe Gefahr, dass sie wieder auf den Mohnanbau zurückgreifen.” Um alternative Lebensgrundlagen für Schlafmohnbauern entwickeln zu können, bittet das CCDAC die Internationale Gemeinschaft um 524,48 Millionen Dollar. Die Genehmigung dieser Mittel dürfte angesichts der durch Sanktionen äußerst geringen humanitären Hilfe allerdings äußerst schwierig werden.








