Drogen im Gottesstaat – ein Problem mit vielen Gesichtern

Bild: © n.v. -

Das iranische Regime als größter Drogenschmuggler weltweit? In einem Land in dem ein Schuss Heroin billiger ist als ein Liter Milch wäre dies nicht verwunderlich.1

Hinrichtungen, Suchtkranke und Korruption – die Drogenproblematik im Iran zieht weite Kreise. Allein im Jahr 2011 wurden mindestens 488 Menschen wegen Drogenvergehen zum Tode verurteilt und hingerichtet. Offiziell gibt es mehr als drei Millionen Abhängige. Falls die Dunkelziffer von zehn Millionen stimmt, wäre dies ein trauriger Weltrekord. Daneben wurden 2009 fast die gesamten Opiate, die weltweit sichergestellt werden (89%), im Iran beschlagnahmt.2

Die besondere Brisanz dieser Zahlen: die iranische Revolutionsgarde soll mittlerweile eine Schlüsselrolle im Drogenhandel spielen. Wie US-Depeschen der amerikanischen Botschaft in Aserbaidschan nahelegen, sind staatliche Stellen am Handel maßgeblich beteiligt und erschließen sich somit neue Finanzquellen. Die geheimen Dokumente wurden vergangenes Jahr auf der Internetplattform Wikileaks veröffentlicht.3

Die Depeschen berichten über den rasanten Anstieg des Drogenschmuggels. Auch im Weltdrogenbericht von 2011 wird der Iran als einer der Hauptumschlagplätze für Opiate aus Afghanistan und Pakistan genannt. Außerdem liegt das Land auf den Handelsrouten für Drogen nach Europa: der Seidenroute und der Balkanroute.

Iran ist Hauptumschlagplatz für afghanische und pakistanische Opiate: Experten schätzen, dass mindestens 40% des afghanischen Opiums nach Iran gelangen, der Löwenanteil davon (rund 40%) bleibt für den Eigenkonsum im Land. Manch einem mag beim Gedanken hieran unwohl sein, denn Iran ist ein junges Land: Drei Viertel der Bevölkerung der rund 75 Millionen Einwohner sind unter 30 Jahren. Und was es für die wirtschaftliche, politische und soziale Zukunft eines Landes bedeutet, wenn das Opium für das Volk vor allem die Jüngeren erreicht, ist nur schwer vorherzusehen.4

Aus den Informationen in den Depeschen kann man schlussfolgern, worum es eigentlich geht: zum einen ist es eine Machtfrage. Denn derjenige, der die Nachfolge des betagten Revolutionsführers Ayatollah Chamenei in der Zukunft übernehmen wird, braucht finanzielle Mittel. Und Geld aus Drogengeschäften ist unabhängig von staatlichen Strukturen und somit im Zweifelsfall besser. Zum anderen ist es auch möglich, dass das iranische Regime aufgrund der Wirtschaftssanktionen über den Drogenhandel versucht an Geld zu kommen. Falls die Vermutungen tatsächlich stimmen, würde dies bedeuten, dass die europäischen Drogenabhängigen das iranische Regime finanzieren.5

  1. paperblog: Iran: Der zugedröhnte Gottesstaat – 16.10.2014 []
  2. UNODC World Drug Report 2011 (auf Englisch) []
  3. Welt Online: Wikileaks: Iran ist einer der weltweit größten Heroinhändler (21.01.2011) []
  4. U.S. Department of State: 2012 International Narcotics Control Strategy Report (INCSR) (auf Englisch) []
  5. Welt Online: Wikileaks: Iran ist einer der weltweit größten Heroinhändler (21.01.2011) []

Über lisaK / earthlink

Praktikantin bei EarthLink / Studiert Politikwissenschaft und VWL an der LMU München
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