Nigeria – an der Schwelle zum Drogenkartell

Bild: © n.v. -

In Lagos, der größten Stadt Nigerias, haben Beamte der „National Drug Law Enforcement Agency“ (NDLEA) eine Fabrik entdeckt, welche illegal Drogen herstellte. Es handelte sich dabei fast ausschließlich um sogenannte „harte“ Drogen, wie z.B. Crystal Meth. Laut Angaben der NDLEA häufen sich Enthüllungen dieser Art, vor allem in Lagos und anderen südöstlichen Bundesstaaten Nigerias. Die Drogen aus der Fabrik waren höchstwahrscheinlich für den Export bestimmt.

Diese Tatsache ist beunruhigend, denn sie zeigt auf, dass Nigeria immer mehr in den gefährlichen Handel mit „harten“ Drogen verwickelt ist. Die Tendenzen zeigen, dass das Land Gefahr läuft, neben beispielsweise Mexiko oder Kolumbien eines der nächsten Länder zu werden, welche für ihren Drogenanbau und -handel berüchtigt sind. Nigeria bietet hierfür ideale Voraussetzungen: die Polizei geht ihrer Arbeit nicht gewissenhaft nach und Gesetze werden nicht eingehalten. Dadurch ist es bei den Drogenbossen aus Lateinamerika sehr beliebt, zumal Nigeria bis jetzt international noch nicht sehr bekannt für Drogendelikte ist.

Die Fabrik wurde u.a. von ein paar Bolivianern betrieben. Drogenbosse aus Lateinamerika spüren bereits die ersten Auswirkungen des sogenannten „War on Drugs“, der in der Region zunehmend in Fahrt kommt. Deshalb sehen sie sich nun nach alternativen Orten um. Nigeria wird dabei als Transit- und Herstellerland zunehmend attraktiver.1

In den afrikanischen Ländern wird generell eher Cannabis hergestellt und vertrieben. Jedoch wurde in den letzten Jahren festgestellt, dass immer mehr Methamphetamine von Westafrika (vor allem von Nigeria) nach Asien verschifft wurden. Es wird befürchtet, dass sich dort eine verstärkte und professionellere Herstellung von Amphetamin-Drogen entwickelt. Zudem wird Afrika vermehrt als Umschlagplatz für Kokain genutzt, das von Südamerika nach Europa transportiert wird, wie eine klare Tendenz der letzten Jahre zeigt.2

Es ist besorgniserregend, dass Nigeria sowohl Produzentenstaat als auch Umschlagplatz für harte Drogen werden könnte. Sollte dies wirklich geschehen, könnte das den bereits instabilen innenpolitischen Frieden im Land gefährden und auch schwere sozioökonomische Folgen für die Bevölkerung nach sich ziehen.1

Erst im Januar hatte Nigeria eine schwere Krise erschüttert, als die staatlichen Subventionen der Benzinpreise von der Regierung aufgehoben wurden und die radikal-islamistische Gruppe Boko Haram das Land mit Terroranschlägen heimsuchte. Die Aufhebung der Subventionen hatte eine drastische Erhöhung der Preise zur Folge, wodurch der Transport und die Lebensmittel für die Bevölkerung nahezu unerschwinglich wurden. Gleichzeitig streiften seit ca. 6 Monaten bewaffnete Anhänger Boko Harams durch das Land und verübten Anschläge auf Gebäude, Autos und Zivilisten, vornehmlich Christen. Die Lage spitzte sich im Januar zu und viele befürchteten, ein Bürgerkrieg stehe bevor.3

Damit sich in Nigeria kein Markt für harte Drogen etabliert und somit den innenpolitischen Frieden gefährdet, ist es Aufgabe der Regierung Nigerias, dem ansteigenden Drogenproblem entgegen zu wirken. Die EU hat ihr aus diesem Grund vor drei Tagen 98 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um erfolgreicher gegen Drogenhandel und Korruption vorgehen zu können, sowie das Justizsystem zu verbessern. 36 Millionen davon sind ausschließlich für den Kampf gegen den Drogenhandel und die damit verbundene Kriminalität vorgesehen. Diese Mittel sollen u.a. für die Verbesserung der Drogengesetzgebung, Drogenprävention und der Effektivität der Strafverfolgungsbehörden eingesetzt werden.4

  1. All Africa, 22.03.12 (englisch) [] []
  2. UNODC World Drug Report 2011 []
  3. Tagesspiegel, 12.01.12 []
  4. UNODC, 19.03.12 (englisch) []
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