Wenn ein Mensch zum „Maultier“ wird: Über Bodypacking und Körperschmuggel in Lateinamerika

Bild: © n.v. -

Die 17-jährige Maria ist eine gutaussehende, junge Frau und arbeitet in einer Blumenfabrik in einem ländlichen Gebiet Kolumbiens. Sie wohnt gemeinsam mit ihrer Großmutter, ihrer älteren Schwester Diana und deren krankem Baby. Ihr Gehalt ist das einzig sichere Einkommen der Familie und die alleinige Möglichkeit, teure Medikamente für Dianas Kind zu bezahlen. Nach einer Affäre mit ihrem Arbeitskollegen Juan wird Maria schwanger, verliert ihre Anstellung und sieht die Lösung für ihre finanziellen Probleme in der Hauptstadt Bogotá. Über eine Bekanntschaft lernt sie dort den Drogenschmuggler Javier kennen, der ihr einen lukrativen Job als „Maultier“ anbietet: Maria soll Drogenpäckchen schlucken und diese in ihrem Körper nach New Jersey schmuggeln.

Bodypacking und Körperschmuggel ist ein Thema, das zum Nachdenken anregt.  Der im Jahr 2004 erschienene Film „Maria voll der Gnade“ des Regisseurs Joshua Marston erzählt die Beweggründe, die auch junge Frauen dazu veranlassen, als Mulas (dt. Maultiere) – also Körperschmuggler – zu arbeiten.

Gleichzeitig verdeutlicht der Film, dass die jungen Frauen, die als Körperschmuggler arbeiten, damit nicht nur ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, sondern mit ihrem eigenen Leben spielen. Das sogenannte Bodypacking ist mit vielerlei Gefahren verbunden, die der Film eindrücklich schildert: 24 Stunden vor ihrem Flug nach New Jersey soll Maria nichts mehr essen, um Platz in ihrem Magen für die mit Rauschgift gefüllten Päckchen zu schaffen. Von den Plastikkapseln oder Kondomen, gefüllt mit Kokain oder Heroin, soll sie zwischen 60 und 70 Stück in mühsamer Weise schlucken. Falls eine solche Drogenkapsel während des Fluges platzt, riskieren die Mulas ihr Leben.

Der Film gewann zahlreiche Preise. Die Schauspielerin Catalina Sandino Moreno wurde für ihre Rolle als Maria für den Oscar nominiert und auf den Internationalen Filmfestspielen 2004 in Berlin mit dem Silbernen Bären als Beste Darstellerin ausgezeichnet.

Doch auch aktuelle Geschehnisse verdeutlichen, dass die Vorkommnisse noch immer die traurige Realität widerspiegeln:

Vergangene Woche ist ein 25-jähriger Mann aus Jamaika kurz nach seinem Flug in die USA in einer Gefängniszelle von Halifax, Kanada, verstorben. Ihm wurde Drogenbesitz und Drogenschmuggel vorgeworfen. Die Polizisten fanden in einer Spezialtoilette zwei Päckchen Kokain, die der Mann zuvor vermutlich geschluckt hatte. Er hatte insgesamt 300 g Kokain in seinem Verdauungstrakt nach Kanada transportiert.1

Auch der 14-jährige Mexikaner Luis hat schon mehr erlebt als manch Erwachsener. Der Jugendliche aus Tijuana lernte seinen Vater nie kennen. Bereits als Kind arbeitete er und wurde von einer Straßenbande als Drogendealer angeheuert, bevor er selbst drogensüchtig wurde. Auch er war in der Vergangenheit Körperschmuggler, bevor er seine Therapie begann. Für 90% der jugendlichen Abhängigen in Tijuana sind Methamphetamine, dort bekannt als criloco, die am häufigsten konsumierte Droge. Luis ist ein Beispiel dafür, wie zunehmend auch Jugendliche gezielt als Körperschmuggler für Drogen eingesetzt werden. Laut der US-amerikanischen Immigrations- und Zollbehörde verzehnfachte sich die Zahl der festgenommenen minderjährigen Drogenschmuggler an der mexikanisch-amerikanischen Grenze zwischen Tijuana und San Diego von 19 Festnahmen im Jahr 2008 auf 190 im Jahr 2010. Die meisten der jungen Drogenkuriere versteckten die Drogen in ihren Körpern oder in einem Fahrzeug.2

 

Mehr Informationen:

  1. Herald News: Suspected drug mule found dead in cell – nicht mehr verfügbar []
  2. Fox News: Children Hired to Work as ‚Mules‘ by Mexican Drug Gangs (14.03.2012, auf Englisch) []

Über lisaK / earthlink

Praktikantin bei EarthLink / Studiert Politikwissenschaft und VWL an der LMU München
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