Die Verflechtung von Terrorismus und Drogenhandel: Afghanistan seit 2001 (Teil 2)

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Während der gestern veröffentlichte erste Artikel der Reihe „Die Verflechtung von Terrorismus und Drogenhandel“ einen kurzen historischen Überblick über Afghanistans Drogenproblematik darstellte, soll im zweiten Teil Afghanistans die Situation seit dem Einmarsch der Amerikaner im Jahr 2001 beleuchtet werden.

Mit Beginn des Einsatzes in Afghanistan nahmen die westlichen Staaten an, dass sich mit der Vertreibung der Taliban auch das Drogenproblem regeln würde. Allerdings handelte es sich bei dieser Annahme um einen Irrglauben. Aufgrund der fehlenden Kontrolle seitens der Taliban war es den „Warlords“ möglich, ungestört ihre Opiumproduktion zu steigern.1 Die USA ließen sie dabei gewähren, da sie den Krieg den lokalen Milizen überlassen wollten.2

Die afghanische Regierung unter Hamid Karsai ist bis heute nicht in der Lage, der Drogenproblematik entgegen zu wirken. Zwar hat Karsai den Mohnanbau verurteilt und eine schärfere Strafverfolgung angekündigt, allerdings hapert es an der Umsetzung, da hochrangige Polizisten und Politiker und Geistliche am Drogenhandel beteiligt sind.1 Z.B. Wali Karsai, Halbbruder von Hamid und mittlerweile einem Attentat zum Opfer gefallen, war in den Drogenhandel verstrickt.3 Hamid Karsais Stellung ist zusätzlich dadurch geschwächt, dass er lediglich als Marionette der Amerikaner betrachtet wird, seitdem er 2005 den USA im Rahmen eines Vertrages umfangreiche Handlungsfreiheiten gestattete.2 Folglich ist es nicht verwunderlich, dass durchaus sinnvolle Ansätze wie der Anbau alternativer Produkte bereits daran scheitern, dass die Bauern weder die versprochenen günstigen Kredite, noch das ebenfalls angekündigte Saatgut vom Staat erhielten. So treibt die afghanische Regierung die Bauern förmlich zurück in die Arme der „Warlords“, die neben dem Argument des 20-30-fach höheren Erlös auch durch Gewaltanwendung zu überzeugen wissen.1 Ein Zehntel der afghanischen Bevölkerung ist mittlerweile in den Drogenhandel verwickelt.4

Aufgrund all dieser Versäumnisse und Fehlplanungen ist es nicht verwunderlich, dass die Anbaufläche für Schlafmohn in Afghanistan weiter erheblich steigt. Auch wenn 2012 im Vergleich zu 2011 die Opiumproduktion aufgrund von Pflanzenkrankheiten von 5.800 Tonnen auf 3.700 Tonnen sank, ist die Tatsache, dass die Anbaufläche um 18 % gewachsen ist, weitaus beunruhigender.5 Diese glückliche Fügung kann aufgrund eines reichhaltigen Vorrats vieler Tausend Tonnen Opium jedoch mühelos kompensiert werden. Schätzungsweise kommen fast 90% des weltweiten Opiums aus Afghanistan.6 Erschwert wird der Kampf gegen den Mohnanbau durch die breit verstreuten Felder, die zumeist zwischen Weizenfeldern versteckt und in schwer zugänglichen Tälern oder Bergregionen liegen.3

Nun mag man einwenden, dass die „Warlords“ mittlerweile zwar Drogenbarone sind, aber nicht zwangsläufig Terroristen. Allerdings sind die Taliban trotz ihrer Vertreibung von der Regierung weiterhin in den Drogenhandel involviert. 2009, also mitten während des ISAF-Einsatzes, erschien ein schockierender Bericht der UN, der offenbarte, dass die Taliban inzwischen sogar deutlich mehr Geld mit dem Drogenhandel verdienen würden als in Zeiten ihrer Herrschaft.6 Die Taliban finanzieren so einen Großteil ihrer Waffen1, die sie direkt wieder einsetzen, um die Opiumfelder, teilweise sogar mit Mineneinsatz, gegen das Militär zu verteidigen.3

Aufgrund dieser enormen Gefahren bei Razzien vermeiden die ISAF-Truppen eine vehemente Bekämpfung der Drogenproblematik. Welcher Staatschef verkündet schon gerne Todesmeldungen eigener Soldaten?1 So ist der bereits in die Wege geleitete Abzug der ausländischen Truppen nur nachvollziehbar. Die Afghanen bereiten sich darauf auf ganz spezielle Weise vor. Die dringend benötigte Entwicklungshilfe für Afghanistan nimmt bereits ab, das generelle Interesse des Westens wird auch aufgrund von Syrien und anderen Konfliktherden vermutlich weiter sinken, sodass der Aufbau von Strukturen und Alternativen zum Drogenhandel fast zum Erliegen kommen wird. Die Bauern versuchen deshalb, derzeit noch möglichst viel Geld zu verdienen, solange ihre Sicherheit zumindest eingeschränkt gewährleistet wird. So steigt der Anbau von Schlafmohn weiter.4

  1. Afghanistan Überblick – Uni Halle – Seite nicht mehr aufrufbar [] [] [] [] []
  2. Krieg „outsourcen“ – TAZ – aufgerufen am 05.09.13 [] []
  3. Wali Karsai – Deutschland Radio – aufgerufen am 04.09.13 [] [] []
  4. Rekordernte – SPIEGEL ONLINE – aufgerufen am 05.09.13 [] []
  5. Opiumanbau – ZEIT – aufgerufen am 03.09.13 []
  6. Taliban Drogenanbau – ZEIT – aufgerufen am 05.09.13 [] []

Über Johannes / earthlink

Ich absolviere derzeit ein zweimonatiges Praktikum bei earthlink. Ansonsten studiere ich den B.A. Staatswissenschaften in Passau.
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