Die Verflechtung von Terrorismus und Drogenhandel: Nur die halbe Wahrheit? (Teil 5)

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Bild: © United States federal government [Public Domain] - Wikimedia Commons

Nachdem ich in den vergangenen vier Teilen der Blogreihe „Die Verflechtung von Terrorismus und Drogenhandel“ die Verbindungen der Taliban, den Nusra-Rebellen und von Al-Qaida zueinander und deren Verstrickung in den Drogenhandel begutachtet habe, steht abschließend noch die bereits angedeutete Verwicklung der USA im Vordergrund.

Bereits im ersten Teil der Reihe wird deutlich, dass die CIA während des Afghanisch-Sowjetischen-Krieges die afghanischen Kämpfer nicht nur finanziell und mit Waffen unterstützte, sondern dass die USA auch für die Einführung des Opiumanbaus verantwortlich waren.1 Ebenfalls wurde schon dargestellt, dass Afghanistan seit Einmarsch der Amerikaner 2001 zum weltweit mit Abstand größten Opiumproduzenten aufgestiegen ist.2 So wird in Afghanistan ca. 90 % des weltweiten Opiums produziert, um anschließend fast die komplette Ernte zu Heroin weiterzuverarbeiten. Fast die Hälfte der 2009 hergestellten 80 Tonnen Heroin findet einen Weg nach Russland und anschließend deutlich minimiert nach China. In Anbetracht dieser gigantischen Menge an Drogen wundert es nicht, dass die beiden Staaten, von den Gefahren für die Wirtschaft und die innenpolitische Stabilität abgesehen, die Gesundheit ihres ganzen Volkes bedroht sehen. So sollen allein in Russland jährlich 30.000 bis 40.000 Menschen an einer Überdosis Heroin sterben. Dazu summieren sich nach Angaben des russischen Gesundheitsdienstes noch 70.000 Tote in Folge von Begleitkrankheiten wie AIDS.3

Im Angesicht dieser Entwicklung scheint ein Vergleich mit den Opiumkriegen des 19. Jahrhunderts nicht besonders gewagt. So besteht durchaus die Möglichkeit, dass die USA den Drogenkampf in Afghanistan bewusst höchstens halbherzig bestreiten, um Russland und China zu schwächen und gleichzeitig eigene geostrategische und energiepolitische Ziele zu verfolgen. Unterstützt wird diese These dadurch, dass die USA auf den Vorschlag von russischer Seite, zumindest 25 % der Mohnanbauflächen zu zerstören, mit Ablehnung reagierten, da diese die einzige Einkommensquelle für die Bauern darstellen würden.4 Bedenkt man jedoch, dass der Anbau alternativer Produkte u.a. an nicht eingehaltenen Saatgutlieferungen der Regierung scheiterte5 , wirkt diese Erklärung reichlich sarkastisch. Aufgrund dieses zumindest zweifelhaften Verhaltens erscheint die Erklärung, dass das Scheitern des Afghanistan-Einsatzes inszeniert sei, um weitere Aufstände in Zentralasien zu forcieren, die weitere „Friedenseinsätze“ und damit die Anwesenheit Amerikas vor Ort legitimieren würden6 , zumindest nicht mehr vollkommen absurd. Dieser Erklärungsansatz erfährt des Weiteren dadurch Zuspruch, dass die Vereinigten Staaten Saudi-Arabiens Haltung, Al-Qaida maßgeblich zu finanzieren, aufgrund der Erdölvorkommen tolerieren.7 Der maßgebliche Einfluss der USA auf die Politik in Afghanistan zeigt sich auch darin, dass dem afghanischen Präsident Hamid Karzai nicht nur nachgesagt wird, eine Marionette der USA zu sein, sondern auch darin, dass er trotz Wahlfälschung während der Präsidentschaftswahlen 2009 weiterhin im Amt ist.8 Die Verbindungen seines Halbbruders Ahmed Wali Karzai zu den USA sprechen zudem deutlich für eine Verwicklung in den Drogenhandel. Wali Karzai, der bis zu seinem Tod im Verdacht stand, in den Drogenhandel verwickelt zu sein, wurde jahrelang von der CIA bezahlt, eine afghanische paramilitärische Streitmacht aufzubauen, die jedoch für die CIA im Süden Afghanistans, der Opiumhochburg, agieren sollte.9

Man mag eventuell einwenden, dass Teile der verwendeten Quellen von kaum etablierten Medien wie dem Kopp-Verlag oder gar von „Verschwörungstheoretikern“ stammen würden. Dabei sollte aber berücksichtigt werden, dass viele Artikel aus dem Fundus von renommierte Persönlichkeiten wie dem ehemaligen deutschen Bundestagsabgeordneten Jürgen Todenhöfer oder dem kanadischen Politologen Peter Dale Scott sind. Zieht man die Objektivität dieser dennoch in Zweifel, sollte bedacht werden, dass die bereits angesprochenen Verbindungen Ahmed Wali Karzais zur CIA auch im SPIEGEL und der New York Times Beachtung fanden. Hinweise auf berechtigte Zweifel an der immer beschworenen Verwicklung Al-Qaidas in den Drogenhandel finden sich sogar im „9/11 Commission Report“:

„[…] While the drug trade was a source of income for the Taliban, it did not serve the same purpose for al Queda, and there is no reliable evidence that Bin Ladin was involved in or made his money through drug trafficking. […]”10

Die Bedenken und Zweifel rund um das Erstarken der Taliban und die rasante Zunahme der Opiumproduktion werden durch das Verhalten der USA alles andere als zerstreut. Stattdessen erscheint eine Verwicklung der USA wahrscheinlich, da zum Beispiel der Abzug im kommenden Jahr in Anbetracht der aktuellen Situation zumindest arg übereilt wirkt.2  Dennoch sollte dabei die Erkenntnis, dass diverse Terrorzellen, sich durchaus über den Drogenhandel finanzieren, nicht vergessen werden.

  1. Drogen Macht Welt Schmerz: Verflechtung von Terrorismus und Drogenhandel – Teil 1 – aufgerufen am 10.09.13 []
  2. Drogen Macht Welt Schmerz: Verflechtung von Terrorismus und Drogenhandel – Teil 2 – aufgerufen am 10.09.13 [] []
  3. Neue Rheinische Zeitung: Dritter Opiumkrieg – aufgerufen am 10.09.13 []
  4. Neue Rheinische Zeitung: Dritter Opiumkrieg – aufgerufen am 10.09.13 []
  5. Drogen Macht Welt Schmerz: Verflechtung von Terrorismus und Drogenhandel – Teil 2 – aufgerufen am 10.09.13 []
  6. Kopp-Verlag: Warum Afghanistan? – nicht mehr verfügbar []
  7. Frankfurter Rundschau: Al-Qaida in Mali und Syrien – aufgerufen am 10.09.13 []
  8. Wikipedia: Hamid Karzai – aufgerufen am 10.09.13 []
  9. The New York Times: Brother of Afghan Leader Said to Be Paid by C.I.A. – aufgerufen am 10.09.13 []
  10. 9/11 Commission: 9/11 Commission Report – aufgerufen am 10.09.13 []

Über Johannes / earthlink

Ich absolviere derzeit ein zweimonatiges Praktikum bei earthlink. Ansonsten studiere ich den B.A. Staatswissenschaften in Passau.
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