Legalisierung als Alternative? Neuseeland startet das Experiment!

Bild: © Octavio L. - Wikimedia Commons

Es ist weltweit bekannt: Der Kampf gegen Drogen ist gescheitert. Sogar Forscher haben bereits bestätigt, dass der nun schon über 40 Jahre andauernde Krieg zur Bekämpfung der Drogen aussichtslos ist. Im Zuge dessen, werden immer mehr Stimmen laut, die die Legalisierung von Drogen fordern. Uruguay gilt als Vorreiterland Lateinamerikas, das Parlament hat sich für die Legalisierung ausgesprochen, in Mexiko gewinnt das Thema in letzter Zeit immer mehr an politischer Bedeutung. In fast allen Ländern wurde es zwischenzeitlich schon Diskussionsthema.1

Neuseeland hat den Schritt gewagt: Eine Liste mit allen Drogenherstellern und Dealern des Landes, mit ihren vollständigen Namen und Adressen – die meisten Polizeikräfte können davon nur träumen. Im Land der Kiwis ist es seit kurzem Realität. Seit ein paar Wochen wurde dort ein Gesetz verabschiedet, um synthetische Modedrogen zu legalisieren. Drogen wie Kokain und Heroin sind in Neuseeland nicht stark verbreitet, weil sich der lange Seeweg nicht lohnt. Dafür werden ständig neue Partydrogen „erfunden“. Sobald eine Droge auf die schwarze Liste gesetzt wurde, taucht schon eine neue auf dem Markt auf. Bevor sie entdeckt und verboten werden kann, ist sie erst einmal für lange Zeit als so genannte „legal high“ im Umlauf. Ist sie dann endlich verboten, gibt es etliche neue. Die Regierung kam nicht mehr nach. Ihre Alternative: Die Legalisierung. 2

Unternehmen, die so genannte “legal highs”, produzieren und verkaufen, können sich jetzt für eine Lizenz bewerben. Die Drogen werden über 18 Monate auf Toxizität geprüft, sind sie risikoarm, werden sie erlaubt. Drogen, die bereits international verboten sind, wie Cannabis und Kokain, kommen nicht in Frage.

Das Gesundheitsministerium hat Listen mit den Herstellern und Händlern, die sich für eine solche Lizenz beworben haben, veröffentlicht. Sie erschaffen einen Einblick in das sonst so düstere Geschäft.

Weil Namen wie “Blueberry Crush”, “Jungle Juice” oder “Fu_kd up” und “POW” oftmals irreführend sind, wird in chemischer Fachsprache angegeben welche Wirkstoffe enthalten sind und welche Konzentration diese haben.

Bisher war dieses Phänomen undenkbar. Fraglich ist, dass Drogenhändler und Hersteller einer Liste angehören, als würden sie normale Medikamente anbieten.

Konsumenten können jedoch genau wissen was sie zu sich nehmen wenn sie beispielsweise “Illusion Connoisseur” mit dem Wirkstoff PB22-5F in einer Konzentration von 45 mg pro Gramm nehmen. Ist ihnen die Dosis zu hoch, können sie sich für „illusion Massif“ entscheiden, eine Droge mit demselben Wirkstoff, die jedoch niedriger dosiert ist. Dies mag sich alles vorerst etwas eigenartig anhören. Die Situation erscheint in einem anderen Licht, wenn man sie mit der Welt der illegalen Drogen vergleicht, in denen man nicht wissen kann, was genau man konsumiert, bevor es zu spät ist.

Argumentiert wird außerdem, dass das Drogengeschäft durch die Legalisierung kontrolliert werden kann. Es ist keineswegs so, dass der Markt nun offen für Drogen geworden ist und diese uneingeschränkt gehandelt werden dürfen. Es gibt Sicherheitsnormen und Gesetze, wie beispielsweise das Verbot an Minderjährige zu verkaufen oder Werbung zu machen. Somit werden die Konsumenten durch die Legalisierung geschützt.3

Übrig bleibt zu definieren, welche Drogen als risko”arm” gelten. Wird das Limit zu hoch gesetzt, ist das Gesetz überflüssig, zu niedrig, würde bedeuten, dass man die Bürger zu hohen Gefahren aussetzt. Eine weitere Frage ist die Höhe der Steuern, die erhoben werden muss, ohne den Schwarzmarkt zu begünstigen.

Während Neuseeland und Uruguay über solche Themen diskutieren, überlassen andere Länder diese Entscheidungen lieber Drogenhändlern und Kartellen.

In Lateinamerika dreht sich die Legalisierungsdebatte um pflanzliche Drogen, wobei der Fokus auf Cannabis liegt. Dort spielen außerdem die traditionelle und medizinische Verwendung eine Rolle. Nichts desto trotz kann das in Neuseeland gestartete Experiment interessant für den Rest der Welt werden. Werden sich die Visionen der Regierung erfüllen und das Drogengeschäft ab jetzt kontrolliert verlaufen? Können die Gefahren somit reduziert werden? Und was bedeutet die Legalisierung für den Konsum? Man sollte ein Auge darauf behalten.

 

  1. Spiegel: Parlament stimmt für Legalisierung von Marihuana -abgerufen am 23.10.2013 []
  2. Huffingtonpost: Horrifying New Drugs! Does New Zealand’s New Synthetic Drug Law Offer a Safer Way Forward? -abgerufen am 22.10.2013 []
  3. economist: New Zealands plan to regulate designer drugs is better than trying to ban them and failing -abgerufen am 22.10.2013 []

Über inka / earthlink

Ich studiere zur Zeit Ethnologie und Kultur/Sozialanthropologie an der Philippsuni in Marburg. Jetzt mache ich ein 6-wöchiges Praktikum hier bei Earthlink um mal einen Einblick in die journalistische Entwicklungszusammenarbeit und das harte Berufsleben zu bekommen.
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1 Antwort zu Legalisierung als Alternative? Neuseeland startet das Experiment!

  1. Andi sagt:

    Zitat:
    „“Unternehmen, die so genannte “legal highs”, produzieren und verkaufen, können sich jetzt für eine Lizenz bewerben. Die Drogen werden über 18 Monate auf Toxizität geprüft, sind sie risikoarm, werden sie erlaubt. Drogen, die bereits international verboten sind, wie Cannabis und Kokain, kommen nicht in Frage.““

    Das finde ich nicht wirklich fortschrittlich, „bewährte“ Drogen mit einigermaßen bekannten Risiken wie Cannabis, LSD, MDMA bleiben verboten, aber neue Drogen werden nach Experimenten (an wem?) zugelassen? Ich finde das keine sinnvolle Drogenpolitik, auch wenn man damit einen Teil der Probleme umgeht den wir mit Legal Highs haben. Auch ist die Frage, ob man nach 18 Monaten Suchtpotenzial und Langzeitschäden beurteilen kann.
    Und wie wird verhindert, dass die Substanzen als „nicht zum Verzehr geeignetes Badesalz“ verkauft werden?
    Wirklich fortschrittlich ist es nicht, aber es ist ein kleiner Beitrag Richtung Konsumentenschutz.

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