US-Drogenpolitik: Werkzeug des Rassismus?

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Harry Jacob Anslinger als einen eingefleischten Rassisten zu bezeichnen, wäre nicht übertrieben. Der ehemalige Vorsitzende des Federal Bureau of Narcotics und das Ex-Mitglied der Drogenkommission der Vereinten Nationen ließ sich gerne mit Kommentaren wie „Reefer (dt. Joint) makes darkies (dt. Neger) think they‘re as good as white men“ zitieren.

Rassisten gab und gibt es viele, doch Anslinger – strikter Anhänger der Prohibition – war der Mann, auf den sich das bis heute in den USA geltende Verbot des Konsums von Cannabis beruft. In den 30er Jahren hatte er mit seinem guten Freund – dem Medienmogul und radikal Rechten William Randolph Hearst – eine bis dahin beispiellose Hetzkampagne gestartet: Afroamerikaner und anderer Minderheiten wurden von Behörden und Boulevardpresse gezielt als Schwerverbrecher stigmatisiert, die angeblich, mit Hilfe der sogenannten „mexikanischen Mörderdroge“ Marihuana, unschuldige weiße Frauen vergewaltigen und die stolze amerikanische Zivilisation in ihren Grundfesten bedrohen würden. Unvergessen ist auch das berüchtigte Video „Reefer Madness“, indem weiße Highschool-Jungs unter Cannabis Einfluss ihre Mütter erschlagen – alles natürlich vollkommener Unsinn und doch verfehlte die Gehirnwäsche ihre Wirkung nicht: die weiße Mittelschicht war verängstigt und Harry Anslinger konnte sein Ziel durchsetzen: eine härtere und vor allem selektivere Drogenstrafgesetzgebung.1

Der weitreichende Einfluss des Rassismus auf Teile der früheren Drogenpolitik ist in den Vereinigten Staaten also kaum in Frage zu stellen. Doch wie ist die Situation heute? Einige Bürgerrechtler, wie Michelle Alexander in ihrem Buch „The  New Jim Crow“, vermuten, dass auch der seit über 40 Jahren geführte Drogenkrieg einen ganz bewussten Mechanismus des Rassismus darstellt. Durch den Konflikt haben die USA mittlerweile die weltweit höchste Inhaftierungsrate – und von dieser scheint besonders die schwarze Bevölkerungsschicht betroffen zu sein: Afroamerikaner stellen lediglich 13% der US-Bevölkerung,  machen aber fast 2/3 der Häftlinge aus, die wegen Drogendelikten im Strafvollzug sitzen. Und das, obwohl sie insgesamt betrachtet, weniger Drogen konsumieren als Weiße – entgegen der weitläufigen Meinung der Öffentlichkeit. 2

Ob dies nun tatsächlich etwas mit einem von Rassismus geprägten Justizsystem zu tun hat, sei zunächst einmal dahingestellt. Denn die Viertel vieler Minderheiten befinden sich oft nun mal in den am dichtesten besiedelten Gebieten der Großstädte, wo sich vieles auf offener Straße abspielt. Hier lassen sich leichter und schneller Erfolge im Kampf gegen die Drogen erzielen, als in den verschlossenen Vorstädten der weißen Mittelschicht. Doch Fakt ist auch, dass einige Gesetze im Zuge des Drogenkriegs tatsächlich auf Minderheiten abzuzielen scheinen. Als Anfang der 80er an der Westküste der USA das erste Mal die Droge „Crack“ auftauchte, entwickelte sich das äußerst billige und rauchbare Kokain bald zum Rauschgift der Armen. Kurz darauf kursierten in den Medien die ersten Bilder von Schwarzen, die, anscheinend unter dem Einfluss der Droge, die grauenvollsten Verbrechen begingen. Das Volk war empört und der damalige Präsident Reagan reagierte und beschloss das Strafmaß von Kokain und der neuen „Teufelsdroge“ auf ein Verhältnis von 1:100 festzulegen. Wer also 50 Gramm Crack mit sich führte, den erwartete die gleiche Strafe wie denjenigen, der mit fünf Kilo Kokain erwischt wurde. Von Anfang an stieß dies auf Kritik, da es zum einen jeglicher wissenschaftlicher Grundlagen entbehrte und zum anderen normales Kokain zu verharmlosen schien. Dass Kokain als die Droge der weißen Mittel- und Oberschicht schlechthin gilt, muss man nicht weiter erwähnen.3

Die Vorgehensweise in den 80ern schien also eine ähnliche zu sein, wie die von Harry Jacob Anslinger. In letzter Zeit sorgte deshalb der Historiker Richard Lawrence Miller für Aufsehen. Miller behauptete, dass die US-Drogenpolitik der letzten 200 Jahre nur ein Ziel hatte: nämlich die systematische Zerstörung ganzer Bevölkerungsschichten. Drogengesetze schienen sich immer dann zu verschärfen, wenn dafür eine möglichst hohe Anzahl an Migranten belangt werden konnte: das Verbot des Opiumkonsums nach der großen Einwanderungswelle der Chinesen im 19 Jahrhundert, das Verbot von Cannabis zu Zeiten lateinamerikanischer Immigration Anfang des 20. Jahrhunderts – und zuletzt eben die Verteufelung von Crack und dessen schwere entwicklungspolitische Folgen für die afroamerikanische Gemeinschaft. Es scheint also, als ob die Vereinigten Staaten immer ein „Anderes“ brauchen, etwas, von dem es sich abzugrenzen gilt und das immer wieder mit Hilfe restriktiver Drogenpolitik und dem Vorwand des moralischen und gesundheitlichen Schutzes der Mehrheitsgesellschaft dämonisiert und kriminalisiert werden kann. (( Hanfjournal: Rassismus – 11.10.2013 ))4

Mittlerweile zeichnet sich in den USA aber ein neuer Trend ab, denn von der Öffentlichkeit ist bereits die Mörderdroge des 21. Jahrhunderts ausgemacht: das in der Tat äußerst schädliche „Crystal Meth“. Diesmal sind aber nicht Schwarze, Mexikaner oder Chinesen die Hauptbetroffenen, sondern vor allem der von der Wirtschaftskrise gebeutelte und verarmte weiße Bevölkerungsansteil (oft einfach nur „White Trash“ genannt). Infolge des von George W. Bush initiierten „Combat Meth Act“ wurde die Strafgesetzgebung für Besitz und Betrieb von Amphetaminen bereits teilweise drastisch verschärft.

  1. Hanfjournal: Rassismus – 11.10.2013 []
  2. Sentencing Project: Racism Crime – 11.10.2013 []
  3. Heise: Gefängnisindustrie -11.10.2013 []
  4. taz: Krieg gegen die Unterschicht – 11.10.2013 []

Über Fritz / earthlink

Ich bin 23 Jahre alt und studiere Politikwissenschaft und Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Zwecks Berufsorientierung absolviere ich gerade ein 6-wöchiges Praktikum bei Earthlink e.V.
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