TV-Doku: Einblick in die brutale Realität „Hinter fremden Gittern“

Gefängnis | Bild: © n.v. - Morgue File

Knapp 3000 Deutsche sitzen momentan in Gefängnissen irgendwo im Ausland. Die meisten davon wegen Drogendelikten.1

Vor kurzem lief auf Kabel Eins eine Dokumentation, die das Schicksal einiger dieser Gefangenen zeigte. Das Kamerateam filmte in einigen der gefährlichsten Gefängnisse, unter anderem in Panama, Ecuador, Peru und Chile. Im Vergleich zu den Verhältnissen dort beschreibt ein Insasse deutsche Gefängnisse als 5 Sterne Hotels. Schon allein um hineinzukommen, muss man beispielsweise in Lima 150 Euro an den „Chef“-Gefangenen zahlen und weitere 2500 für einen Platz in einer überfüllten Zelle.2

Dies ist in Lateinamerika keine Ausnahme. Ohne Geld hat man dort hinter Gittern wenig Chance zu überleben. Oft sind es eigenständige Städte mit eigenen Läden, Zahnarzt, Wäscherei, Bibliothek, Schreinerei oder Drogenlaboren. Im San Pedro Gefängnis in La Paz, Bolivien, wird angeblich sogar das billigste und reinste Kokain produziert. Eigentlich nicht besonders verwunderlich, wenn man bedenkt, dass dort einige der größten Drogenproduzenten des Landes sitzen. Kokablätter werden an den Wächtern vorbei, oder sogar von ihnen hineingeschmuggelt, sie sind allesamt selbst hochgradig korrupt. Innerhalb der Mauern herrscht Anarchie, Gangs haben das Sagen. Die Jugendlichen sind dabei besonders brutal. Die meisten von ihnen sind in den Elendsgebieten der lateinamerikanischen Millionenstädte aufgewachsen, wo sie für wenig Geld Leute abstechen. Auch im Gefängnis kommt es immer wieder zu Morden. Ein Jugendlicher zeigt stolz eine lange Narbe, die sich über seinen gesamten Bauch zieht. Was mit seinem Gegner passiert sei, wolle er nicht sagen. Die bewundernden Jugendlichen um ihn herum meinen, er sei gestorben.

Fast alle Insassen sind drogenabhängig, dies fördert zusätzlich die Gewalt. Doch Kokain und Marihuana sind oft billiger als Brot, lenken vom Hunger ab und bieten eine Fluchtmöglichkeit aus der brutalen Realität. Die Gefängnisse sind hoffnungslos überfüllt, oft verbüßen dort viermal mehr Menschen ihre Strafe als vorgesehen.2 Größere Unruhen und Aufstände sind keine Seltenheit, nur noch Militärtruppen schaffen es dann, die Lage zu beruhigen.

Die Gefahr beim Drogenschmuggel wird oft unterschätzt. Doch in den meisten Ländern Lateinamerikas drohen lange Haftstrafen, wenn man dabei erwischt wird. In Indonesien und Singapur reichen bereits 500 Gramm Marihuana, um zum Tode verurteilt zu werden.3 Im Jahr 2012 wurden insgesamt 248 Drogenkuriere am Flughafen in Lima, der Hauptstadt Perus abgefangen. Insgesamt beschlagnahmte die Polizei mehr als 1600 Kilogramm Kokain.4

Erst im August wurden dort wieder zwei 20-jährige Britinnen festgenommen. Melissa und Michaella wollten 11 Kilo Kokain im Wert von 1,8 Millionen Euro in ihren Koffern nach Spanien bringen. Sie erwartet nun eine Haftstrafe von mindestens sechs Jahren und acht Monaten, in einer Zelle mit 38 weiteren Gefangenen.5

Immer mehr Drogenschmuggler werden am Flughafen in Lima rausgefischt. Dies ist aber Experten zufolge keineswegs ein Zeichen, dass der Krieg gegen die Drogen in dieser Form Wirkung zeigt. Es wird angenommen, dass ebenso viele Schmuggler ungehindert durch die Kontrollen gelangen und das weiße Gold ins Ausland bringen. Über 1000 Ausländer sitzen deswegen momentan in Perus Gefängnissen. Für die großen Drogenbosse und Banden sind die Kuriere austauschbar, kleine, ersetzbare Bausteine in einem Geschäft, in dem es um Milliarden von Dollar geht.6

 

Link zur Dokumentation „Hinter fremden Gittern

Biographie eines britischen Insassen des berüchtigten San Pedro Gefängnisses in La Paz: Marching Powder: die erbarmungslose Wirklichkeit eines bolivianischen Gefängnisses

  1. Borlife: Hinter fremden Gittern auf Kabel 1: Gefängnis-Doku aus Chile, Panama und Peru – nicht mehr verfügbar []
  2. Daily Record: Peru drug arrests: Freed Scot tells of his two-year hell in Peruvian prison after friend was caught with cocaine [] []
  3. Focus: Gesetze im Ausland: Was Urlauber ins Gefängnis bringt []
  4. Sky News: Peru Drug Pair Transferred To Notorious Prison []
  5. Daily Mail: ‚It’s made Melissa feel like my baby daughter again‘: Peru drug mule mother makes first jail visit ‚just so I can hold her‘ []
  6. BBC News: Peru drugs: Strain shows as UK women admit smuggling []

Über barbara / earthlink

Ich bin 21 Jahre alt und studiere im 5. Semester Geographie mit Schwerpunkt Tourismus in Eichstätt. In meinem Praktikum will ich erste Erfahrungen im Bereich der Entwicklungspolitik sammeln.
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1 Antwort zu TV-Doku: Einblick in die brutale Realität „Hinter fremden Gittern“

  1. Demuth sagt:

    Mich interessiert mich das!

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