Drogenhandel zerstört Regenwald in Zentralamerika

Bild: © Haakon S. Krohn - Wikimedia Commons

Zentralamerika bietet ein atemberaubendes Naturerlebnis. Prägend für das spannungsreiche Landschaftsbild ist neben den zahlreichen Seen, Bergen, oder dem feinen Sandstrand am Meer auch der dichte tropische Regenwald. Mit seiner spektakulären Arten- und Pflanzenvielfalt steht er zu großen Teilen unter Naturschutz.1 Zu Recht – immer wieder machen Naturschutzorganisationen auf die rücksichtslose Zerstörung der Tropenwälder aufmerksam.

Nun legt ein kürzlich in der Zeitung Science veröffentlichter Bericht dar, wie stark insbesondere der Drogenhandel den Regenwald in Zentralamerika bedroht. Sieben Forscher sammelten im Namen verschiedener Universitäten in den betroffenen Regionen Erfahrungen, die den Zusammenhang zwischen der Drogenwirtschaft und der rapide gestiegenen Abholzungsrate des zentralamerikanischen Regenwalds aufzeigen.2 Betroffen seien vor allem Honduras, Guatemala und Nicaragua.3

„Die Abholzungsrate in dieser Region lag bei ca. 20 km² im Jahr“, berichtet Dr. Kendra McSweeney von der Ohio State University, „Unter den Auswirkungen des Drogenhandels sind es 60 km² im Jahr. Mancherorts in Guatemala ist die Rate sogar höher.“4 Die Wissenschaftler haben keine Beweise für einen direkten Zusammenhang zur Drogenwirtschaft – aber deutliche Indizien.5 Beispiel Honduras: Dort vervierfachte sich zwischen 2006 und 2011 die Abholzungsrate pro Jahr – zur selben Zeit, als auch der Drogenhandel im Land stark anstieg.6 Als dort 2012 verschärft gegen die Drogenwirtschaft vorgegangen wurde, verlagerten sich sowohl der Handel als auch die Abholzung nach Nicaragua.7

Die Regenwaldflächen – oft in geschützten Regionen – benutzen die Händler, um Flugzeuglandebahnen oder Straßen für Drogentransporte zu errichten. Außerdem betreiben sie Geldwäsche durch die Umwandlung von Wald zu Agrarflächen.8 Aufgrund der Anzahl der für den Drogenhandel konstruierten Landebahnen benannte die UNESCO das Biosphärenreservat Rio Platano 2011 zu einem „Welterbe in Gefahr“.

Die lokale Bevölkerung ist oftmals zu eingeschüchtert, um offen gegen die Abholzung zu protestieren. In Honduras ist die Mordrate die höchste der Welt – die Menschen werden zum Schweigen gebracht.6 Verantwortliche würden laut dem Bericht bestochen und die eigentlichen Naturschutzvorgaben nicht konsequent genug überwacht.5

Durch Zentralamerika führen seit Jahrzehnten wichtige Routen für den Drogentransport von Kokain oder Marihuana. Die Länder in der Mitte Amerikas liegen auf dem direkten Weg von Produzentenstaaten wie Kolumbien in den größten Absatzmarkt USA. Ihre Bedeutung als Transitstaaten verstärkte sich, als der ehemalige Präsident Calderón 2006 die Maßnahmen gegen den Drogenhandel in Mexiko massiv verschärfte.6 Dadurch waren die Kartelle gezwungen ihre Aktivitäten in Länder wie Guatemala, Nicaragua oder Honduras zu verlagern – mit Folgen für die dortige Biosphäre. „Als die Drogenhändler einzogen, brachten sie die Umweltzerstörung mit sich“, so Dr. McSweeney.9

Die Wissenschaftler sehen deshalb eine Teilschuld im Drogenkrieg. Durch ihn würden die Händler in nicht nur entfernte, biodiverse Gegenden gedrängt, sondern auch größere Gebiete und somit mehr Menschen involviert und die Profite sogar gesteigert, da die Kartelle auf ihre Drogen einen Risikoaufschlag berechnen können.10 Die Drogenpolitik müsse dringend reformiert werden, um der Abholzung entgegen zu wirken.9 „Durch die Fokussierung einer militärischen, angebotsorientierten Drogenpolitik und der Ausrottung der Drogenernte“, so Dr. McSweeney, „hat die US-Amerikanische Drogenpolitik ein enormes Maß an menschlichem und ökologischem Elend in die Länder in unserem Süden gebracht“.11

 

Foto: Haakon S. Krohn

  1. Zentralamerika.net: Traumhafte Kusten und tropische Regenwalder in Zentralamerika; Link nicht mehr aufrufbar: 17.03.2014 []
  2. Newswise.com: Drug-trafficking leads to deforestation in central america; aufgerufen am 03.02.2014 []
  3. Planetsave.com: drug trafficking drives deforestation, drug-use us drives deforestation central-america – nicht mehr verfügbar []
  4. BBC: Drug trafficking is speeding deforestation in Central America; aufgerufen am 03.02.2014 []
  5. Süddeutsche.de: Drogenhandel: Wie Kokain den Regenwald zerstört; aufgerufen am 03.02.2014 [] []
  6. BBC: Drug trafficking is speeding deforestation in Central America; aufgerufen am 03.02.2014 [] [] []
  7. Süddeutsche.de: Drogenhandel: Wie Kokain den Regenwald zerstört; aufgerufen am 03.02.2014 []
  8. Süddeutsche.de: Drogenhandel: Wie Kokain den Regenwald zerstör; aufgerufen am 03.02.2014 []
  9. Newswise.com: Drug-trafficking leads to deforestation in central america; aufgerufen am 03.02.2014 [] []
  10. BBC: Drug trafficking is speeding deforestation in Central America; aufgerufen am 03.02.2014 []
  11. Nationalgeographic.com: Drug Trafficking Poses Surprising Threats to Rain Forests, Scientists Find; aufgerufen am 03.02.2014 []

Über anila / earthlink

Im Sommer 2013 habe ich mein Abitur gemacht. Vor meinem Studium leiste ich meinen Bundesfreiwilligendienst bei EarthLink. :)
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