Mexikanischer Reporter sitzt 1100 Tage unschuldig im Gefängnis

Bild: © n.v. - wikimedia commons

Es hört sich an, als wäre es die Handlung eines Hollywood-Streifens: Jesús Lemus, ein mexikanischer Lokaljournalist, sitzt 1100 Tage lang unschuldig im größten Sicherheitsgefängnis Mexikos. Während seiner Haftzeit foltert man ihn, schüchtert ihn ein und droht seiner Familie. Am 11. Mai 2011 kommt er nach 1100 Tagen Haft frei. Nun erhebt er schwere Vorwürfe gegen die Regierung Calderón, die ihn damals aus heiterem Himmel beschuldigte und ins Gefängnis warf.12

Jesús arbeitet 2008 als Lokalreporter im mexikanischen Bundesstaat Michoacán, den der Drogenhandel und seine verheerenden Folgen bereits seit knapp 20 Jahren fest im Griff haben.3 Eines Abends wird Jesús unter dem Vorwand wichtiger Informationen von einem Kommandanten der Polizei an einen bestimmten Ort gerufen. Dort wird er plötzlich von maskierten Männern festgenommen. Man zieht ihm eine Plastiktüte über den Kopf und verschleppt ihn an einen unbekannten Ort. Zwei Tage lang foltert man ihn, so wie er sich in seinen kühnsten Träumen niemals hätte vorstellen können. Dann verlegt man ihn in Mexikos berühmt-berüchtigtes Hochsicherheitsgefängnis „Puente Grande“. Die Anklage lautet: Drogenhandel und Mitgliedschaft in einem Drogenkartell.4

Drei Jahre später ist Jesús wieder frei. Bis heute hat die mexikanische Staatsanwaltschaft keinen einzigen Beweis für seine Schuld erbracht. Für Jesús ist der Fall klar. Im Rahmen seiner Arbeit berichtete er immer wieder über die Verstrickungen von Lokalpolitikern mit den Drogenkartellen, beispielsweise über den Bürgermeister seines Wohnorts, La Piedad. Deswegen wurde er „zum Schweigen“ gebracht. Obwohl die Vorgängerregierung, die konservative PAN von Vicente Fox, als sehr pressefeindlich galt, sei es den Pressevertretern unter der Regierung Calderóns noch viel schlechter gegangen. „…er war intolerant und dünnhäutig. In Mexiko haben die Mächtigen die Justiz immer dafür benutzt, persönliche Rechnungen zu begleichen…“, so Jesús.1

Es ist mittlerweile hinlänglich bekannt, dass Journalisten in Mexiko gefährlich leben. Vor allem die Drogenkartelle trugen in der Vergangenheit mit ihren Einschüchterungen maßgeblich dazu bei. In den vergangenen zehn Jahren rutschte Mexiko im Pressfreiheits-Ranking von Reporter ohne Grenzen von Rang 74 auf 154.5 Nun tritt durch den Fall „Jesús Lemus Barajas“ ein weiteres, ernsthaftes Problem zutage: Mexikos Politik und Behörden sind in hohem Maße korrupt und in den Drogenhandel involviert. Wer unbequeme Fragen stellt bzw. unbequeme Wahrheiten ans Licht bringt, dem kann es passieren, dass er kurzerhand „mundtot“ gemacht oder als Verbrecher abgestempelt und weggesperrt wird.6

  1. Spiegel Online: Mexikanischer Reporter als Justizopfer [] []
  2. Reporteros sin fronteras: En libertad Jesús Lamas Barajas tras tres anos de encarcelamiento sin pruebas []
  3. El Economista: Michoacán, dos décadas anidando al narcotráfico – nicht mehr verfügbar []
  4. La Jornada de Oriente: Jesús Lemus el periodista que sobrevivió a Calderón []
  5. Der Tagesspiegel: Mexiko: Pressefreiheit im freien Fall []
  6. Reporters Without Borders: Mexico []

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