Das Leid der Indigenen Lateinamerikas

Grenzgebiet zwischen Mexiko und den USA / Copyright: GNU Free Documentation License / Quelle: Wikimedia Creative Commons | Bild: © GNU Free Documentation License - Wikimedia Creative Commons

Von Drogenanbau, Schmuggel über die Grenzen in benachbarte Länder, Massenmorden und blutigen Kämpfen hört man öfter aus Lateinamerika. Es sind die ständig gleichen Berichte, in denen einige der Hauptleidtragenden fast nie Beachtung finden. Es gibt nicht viele Gewinner in diesem Spiel – die indigenen Gruppen in Süd- und Mittelamerika sind es ganz sicher nicht.

Die Drogenkartelle breiten sich immer weiter ins Landsinnere – in die Regenwälder – aus und ziehen sich immer mehr in die Gebiete indigener Stämme zurück. Hier können sie sich dem Einfluss der Regierungsinterventionen entziehen und ungestört agieren. Für die Indigenen, die in diesen Gebieten beheimatet sind und bis dahin oftmals kaum Kontakt zur Außenwelt hatten, stellt dies einen brisanten Eingriff in ihr Leben da. Die Nukak-Maku in Kolumbien etwa werden zunehmend an den Rand der Städte vertrieben. Denn das eigentlich nomadisch lebende Volk sieht sein Land zunehmend von Kokabauern besetzt. Hinzu kommt die Gewalt des Bürgerkriegs. Die Nukak-Maku flohen in die Außenbezirke von San Jose del Guaviare, ohne realistische Aussicht auf Arbeit und ohne Chance, einem Leben in Armut zu entgehen.1

Indigene Gruppen geraten zudem oft ins Kreuzfeuer von Paramilitärs, Guerilla-Gruppen und der regulären Armee. So wurden die Indigenen aus der Sierra Nevada von Koka-Bauern, die am Berg ihre Felder anbauen, zunehmend von ihrem Gebiet auf dem Hochplateau ins Tal verdrängt. Oft werden sie mit Gewalt vertrieben und geraten dann zwischen die Fronten. Viele Indigene sterben im Drogenkrieg.2 Zunehmend werden sie auch mit Gewalt in die militärischen Gruppen der Drogenkartelle gezwungen und müssen mit dem Narcoparamilitär kämpfen. 3

Auch die Regierung trägt nicht zur Verbesserung der Situation bei. Sie reagiert mit repressiven Maßnahmen und setzt sich die völlige Elimenierung der Drogen zum Ziel, und nimmt dafür auch Verluste in Kauf. In der Sierra Tarahumara werden indigene Stämme von den Drogenkartellen gezwungen, anstelle von traditionellem Mais und Bohnen, Cannabis anzubauen. Die Regierung setzt Herbizide zur Bekämpfung der Drogenpflanzen ein. Da die Pflanzen aber meist auf den ersten Blick nicht von anderen Nutzpflanzen zu unterscheiden sind, werden auch die, ohnehin schon knappen, Anbauflächen der Indigenen verseucht und die Ernte vernichtet. Kommt es besonders schlimm, sickern die Herbizide auch ins Grundwasser und machen es unkonsumierbar.4

Ihrer ohnehin schon unsicheren Existenzgrundlage beraubt, driften gerade junge Menschen oftmals in die Kriminalität ab und in die Hände der Drogenkartelle. In der Sierra Tarahumara werden die Indios seit einiger Zeit als Drogenkuriere missbraucht. Lange lebten sie geschützt von der Landschaft der Sierra Madre, aber mit der Zeit drangen immer mehr Siedler, Minenarbeiter und Holzfäller in ihr Gebiet ein und drängten sie von ihrem Land. Hinzu kam die schlimmste Dürre seit 70 Jahren, die Ernten vernichtete und den Indios ihre Existenzgrundlage entzog. Mit dem Buch „ Born to Run“ von McDouglas wurde dann die Fähigkeit der Indios bekannt, große Strecken ohne viel Wasser zu Fuß zurückzulegen. Die Tempelritter beschlossen, diese Fähigkeit für sich zu nutzen.5

Junge Männer der Tarahumara werden rekrutiert, wenn sie in den Städten Arbeit suchen. Ihnen wird viel Geld versprochen dafür, dass sie Marihuana über die Grenze in die USA bringen. Willigen sie ein, werden sie mit einem Führer nahe an die Grenze gebracht und dort zurück gelassen, jeder mit 10-20 Kilo Marihuana im Gepäck. Die Männer rennen in der Nacht und schlafen am Tag.  Dabei ist sich kaum einer der rechtlichen Konsequenzen bewusst. Denn wird der Trupp von etwa 10 Männern abgefangen, jeder mit 10-20 Kilo Drogen im Gepäck, beträgt das Schmuggelgut insgesamt 100 bis 200 Kilo, für die alle verantwortlich gemacht werden. Sie haben mit harten Bestrafungen in den USA zu rechnen, während die wahren Schuldigen unberührt bleiben.6

  1. survivalinternational.de – Die Nukak-Maku – aufgerufen am 28.03.2014 []
  2. survivalinternational.de – Sierra Nevada – aufgerufen am 28.03.2014 []
  3. npla.de – Indigene Völker und der Drogenhandel – aufgerufen am 28.03.2014 []
  4. culturalsurvival.org – Narco-trafficking in the Sierra Tarahuonara – nicht mehr verfügbar []
  5. newsweek.com – Mexican Drug War`s Next Victims: Tarahumara Indian Runners – aufgerufen am 28.03.2014 []
  6. laht.com – Mexican Cartels Use Indians to Smuggle Drugs into the U.S – aufgerufen am 28.03.2014 []

Über Laura / earthlink

Ich bin 18 Jahre alt und habe im Juni dieses Jahres mein Abitur an der Deutschen Schule Thessaloniki in Griechenland absolviert. Das Praktikum bei earthlink mache ich zur beruflichen Orientierung. Ich bin sowohl im journalistischen, als auch im entwicklungspolitischen Bereich sehr interessiert.
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