Tanganyika & Zanzibar: Drogenboom im Urlaubsparadies?

Boot, Ostafrika, Tanzania | Bild: © Fanny Schertzer - Wikimedia Commons

Der Drogenhandel vor der ostafrikanischen Küste scheint sich auszuweiten. Im Februar 2014 wurde vor der Küste Tanzanias Heroin im Wert von fast 1,4 Milliarden US-$ innerhalb von nur drei Tagen beschlagnahmt. Am 5. und 7. Februar gelangen der HMAS Melbourne der Royal Australian Navy zwei Übergriffe auf andere Schiffe, die 353kg bzw. 190kg Heroin an Bord hatten. Die Drogen wurden beschlagnahmt und vernichtet.1

„[I]t is clear that the African continent is becoming increasingly important and vulnerable in terms of the proliferation of trafficking routes”, so heißt es im World Drug Report 2013.2 So auch der ostafrikanische Küstenstaat Tanzania. Die Drogen, die hier geschmuggelt werden, stammen hauptsächlich aus asiatischen Ländern wie Afghanistan, Pakistan oder Burma.3 Unzureichende Kontrollen an den ostafrikanischen Küstenlinien, Flughäfen und den Grenzen auf dem Festland erleichtern den Schmugglern ihre Aufgabe.4 Der Großteil der Drogen nimmt seinen Weg über die beliebte Urlaubsinsel Zanzibar etwa 40km vor der tanzanischen Küste, von wo aus sie in kleinen Mengen per Schiff in Richtung tanzanisches Festland, also nach Tanganyika, transportiert werden.5 Von dort aus werden die Drogen teilweise weiter in die Nachbarländer Malawi, Mosambik und Sambia geschmuggelt, Teile der Drogenfracht nehmen auch den Weg nach Südafrika oder aber nach Europa sowie in die Vereinigten Staaten.67

Die Rolle des Produzenten nimmt Tanzania lediglich bei Cannabis und Khat ein. So ist es nicht verwunderlich, dass diese beiden Rauschmittel dort bereits seit langem konsumiert werden. Nun, da immer mehr Drogen, darunter eben auch Heroin, durch das Land geschleust werden, steigt auch die Zahl der Heroinkonsumenten und -abhängigen. Rund 25.000 Heroinabhängige gab es 2012 laut offiziellen Statistiken in Tanzania, die Dunkelziffer könnte jedoch noch um einiges höher sein.8 Besonders auf den zu Tanzania gehörenden Inseln, darunter Unguja und Pemba, ist die Dokumentation eher mangelhaft. Der ehemalige Gesundheitsminister Tanzanias, Dr. Hussein Mwinyi, gab die Heroinabhängigen auf Zanzibar 2012 mit 7% an, das entspräche rund 90 000 Einwohnern. Die Droge ist ob des Schmuggels und der daraus resultierenden ständigen Verfügbarkeit vor allem in Stone Town, der Hauptstadt Ungujas, relativ billig. Eine Injektion kostet umgerechnet nicht einmal 1€. Dennoch stürzt die Drogenabhängigkeit viele Tanzanier in den Ruin. Um sich den nächsten Schuss leisten zu können, greifen die Abhängigen zu immer drastischeren Mitteln.3

“I used to sell all […] of my children’s clothes … as well as my own belongings so that I could get money to buy heroin … I wasn’t alone in this … my husband was also using drugs,” erklärt eine Tanzanierin die Folgen ihrer Heroinabhängigkeit. (( Janii Forums: Tanzania home to 25000 heroin addicts; Stand: 20.9.2016 )) Das Zitat zeigt bereits, dass die Drogenabhängigkeit auch für die Mitmenschen zur Belastung wird, in diesem Fall für die Kinder. Ein weiteres Problem im Zusammenhang mit der steigenden Heroinabhängigkeit ist die Ausbreitung von Aids. Für 2012 wurde vom tanzanischen Gesundheitsministerium angegeben, dass etwa die Hälfte der Männer und drei Viertel der Frauen, die Drogen intravenös konsumieren, auch HIV-positiv sind. Durch unsauberes Hantieren und Weitergeben benutzter Nadeln steigt die Infektionsrate drastisch an. So ist sie unter den sich spritzenden Drogenabhängigen etwa fünf mal höher als bei den anderen Rauschmittelkonsumenten. Durch die raschere Ausbreitung des Virus hat der Drogenkonsum nicht nur Auswirkungen auf die Konsumenten selbst, sondern auch auf den Rest der Gesellschaft. (( Janii Forums: Tanzania home to 25000 heroin addicts; Stand: 20.9.2016 )) Auch andere gesundheitliche Probleme, wie zum Beispiel psychische Erkrankungen, stehen mit dem Drogenkonsum in Verbindung. Zwischen 2005 und 2010 hat sich die Zahl der Jugendlichen mit psychischen Problemen infolge von Drogenkonsum aufgrund des ansteigenden Drogenhandels im Staat fast verdoppelt.

Tanzania ist sich dieses Problems durchaus bewusst und versucht, dagegen vorzugehen. Einerseits durch die Bekämpfung des Drogenhandels, andererseits durch die Behandlung der bereits Drogenabhängigen. Laut dem tanzanischen Gesetz ist der Anbau bzw. die Herstellung, der Besitz, der Handel und der Verkauf jeglicher Drogen untersagt. Wer erwischt wird, sieht sich einer Geldstrafe und einer Inhaftierung von bis zu 20 Jahren ausgesetzt.9 Um stärker gegen den illegalen Handel vorgehen zu können, wurden die staatlichen Drogenfahnder in den letzten Jahren zudem mit neuen technischen Hilfsmitteln ausgestattet, welche die Suche nach den Drogen erleichtern. Zusätzlich wurden neue Strukturen innerhalb der staatlichen Behörden geschaffen, sodass die Kooperation unterschiedlicher Organe besser gewährleistet ist. Sieht man sich die Ergebnisse an, so fällt auf, dass Drogenschmuggler in den letzten Jahren immer häufiger geschnappt wurden. Gleichzeitig etabliert sich der Drogenhandel aber dennoch weiter in Tanzania. Die Drogenfahnder haben also Erfolg, scheinen das Problem jedoch nicht im Kern anzugehen.

Für die Abhängigen ist die Hoffnung auf Hilfe meist das Einzige, was ihnen bleibt. Eine Abhängigkeit bedeutet oft den finanziellen Ruin in einem ohnehin sehr armen Land. So auch bei Peter, 32. Er hat keinen Job, keine Familie und kaum noch Freunde. Sein Lebensrhythmus ist fixiert auf die Beschaffung der nächsten Heroindosis.3 Die Einrichtungen, die den Abhängigen helfen sollten, reichen bei weitem nicht aus. Und auch der Wirkstoff Methadon, der zur Behandlung von Heroinabhängigen eingesetzt wird, ist nicht ausreichend vorhanden.

Der Drogenhandel boomt also. Die Regierung versucht zwar dagegen vorzugehen, doch wie in so vielen anderen Entwicklungsländern erschwert die Korruption ein effektives Eingreifen. Die Leidtragenden sind die Einheimischen, die der Versuchung nicht widerstehen konnten: Diejenigen, deren Leben jetzt von der Beschaffung der nächsten Dosis Heroin bestimmt ist. Das scheint naheliegend. Doch leider müssen auch alle anderen, die eigentlich nichts mit den Drogen zu tun haben, durch die verstärkte Ausbreitung von infektiösen Krankheiten und einer steigenden Kriminalität die Folgen tragen.

  1. defenceweb.co.za, 11.02.2014: Australian frigate in massive drug bust off Tanzania; Aufgerufen am 13.03.2014 []
  2. UNODC: World Drug Report 2013, p. ix []
  3. Der Standard, 21.03.2013: Tansania: Im Rhythmus der Sucht nach Heroin; Aufgerufen am 17.03.2014 [] [] []
  4. Mail & Guardian – Africa’s best read, 30.08.2013: Tanzania: The ideal destination for drug gangs; Aufgerufen am 17.03.2014 []
  5. Der Standard, 21.03.2014: Tansania: Im Rhythmus der Sucht nach Heroin; Aufgerufen am 17.03.2014 []
  6. Mail & Guardian – Africa’s best read, 30.08.2013: Tanzania: The ideal destination for drug gangs; Aufgerufen am 17.03.2014 []
  7. UNODC.org: Drug trafficking patterns to and from eastern Africa; Aufgerufen am 13.03.2014 []
  8. Janii Forums: Tanzania home to 25000 heroin addicts; Stand: 20.9.2016 []
  9. Law Reformation Commission of Tanzania: The Drugs and Prevention of Illicit Traffic in Drugs Act, p. 13; Aufgerufen am 18.03.2014 []

Über miriam / earthlink

Ich bin 21 Jahre alt und studiere B.Sc. Geographie und B.A. Geographische Entwicklungsforschung Afrikas an der Uni Bayreuth. Im Rahmen eines achtwöchigen Praktikums hier bei Earthlink möchte ich nun erste praktische Erfahrungen im Bereich der Entwicklungspolitik sammeln.
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