Uruguay: Staatliche Marihuana-Plantagen geplant

Bild: © Vince Alongi - Wikimedia Commons

In sechs Tagen tritt in Uruguay ein neuer Beschluss in Kraft.1 Demnach dürfen Privatpersonen in Zukunft bis zu 40g Cannabis im Monat erwerben oder selbst entsprechende Sträucher züchten. Für eine Person sind dabei bis zu sechs Pflanzen erlaubt, Marihuana-Clubs mit 15-45 Mitgliedern dürfen sogar bis zu 99 Pflanzen anbauen.2

Der Beschluss wurde bereits im Dezember 2013 in einer Abstimmung vom Senat bewilligt. 16 zu 13 Stimmen war das Ergebnis, kein allzu deutlicher Sieg also. Bisher waren nur Konsum und Besitz für den Eigenbedarf erlaubt, Anbau und Handel waren untersagt.2

Maßgeblich an der Idee der Legalisierung beteiligt ist Uruguays Präsident José Mujica. Der 78-jährige fällt mit seiner Art etwas aus der Reihe, wenn man sich die internationalen Staatschefs so ansieht. Mujica wohnt mit seiner Ehefrau auf einer kleinen Farm auf dem Land, wo er als Blumenzüchter tätig ist. Auf jeglichen Schnickschnack verzichtet er: keine Leibwächter, als Auto einen Käfer, Baujahr 87, und außerdem gibt er an, rund 90% seines 12500 Dollar-Gehaltes zu spenden.3

Mujica stand schon immer für seine Meinung ein. Vor rund 50 Jahren war er Mitgründer der Stadtguerilla Tupamaros, die sich gegen die Klassengesellschaft einsetzte. Nach 13 Jahren im Gefängnis wurde er 1985 freigelassen. 10 Jahre später trat er der linksgerichteten Partei Frente Amplio bei, die 2004 ihren ersten Präsidenten, Tabaré Vázquez, stellte. Dieser ernannte ihn zum Landwirtschaftsminister, bevor er 2010 dann selbst für das Amt des Präsidenten gewählt wurde, das er voraussichtlich noch 11 Monate ausüben wird.3

José Mujica hält die Legalisierung von Cannabis für einen wichtigen Schritt im Kampf gegen die Drogen. Wenn Cannabis in Zukunft legal erworben werden könne, dann schrumpfe der illegale Markt, so die Annahme. Um an das Cannabis zu kommen, müssen sich die Konsumenten registrieren lassen. Für Minderjährige und Ausländer ist das nicht möglich, ihnen bleibt der legale Konsum also verwehrt.2

Uruguay nimmt in der aktuellen internationalen Legalisierungsdebatte eine Vorreiterrolle ein. Als erste Nation baut der südamerikanische Staat zukünftig Marihuana an und verkauft dieses. Der Anbau soll auf abgesperrtem Militärgelände stattfinden. Die Gewinne, die durch den Verkauf erzielt werden, sollen zur Prävention und Behandlung von Abhängigen eingesetzt werden. Natürlich müsse man sich in Zukunft auch um das Problem mit Kokain kümmern, das eigentliche Problem, so Mujica, „[a]ber so weit kann ich nicht sehen.“3

Problematisch wird die erste Phase der Umsetzung, wenn die staatlichen Züchtungen noch nicht soweit sind. Um diese Zeit zu überbrücken, seien laut Lucia Topolansky, Senatorin und Präsidentengattin, Importe aus Kanada, wo Cannabis nur für medizinische Zwecke erlaubt ist4, angedacht. Kanada sehe darin aber einige Probleme. „There won’t be any export to Uruguay, or anyone else, any time soon“, so Marc Wayne, Präsident von Bedrodan Canadian Inc., einer der größten Lieferanten Kanadas. Allein finanziell würden sich bei einem entsprechenden Handelsabkommen Probleme ergeben. Uruguay plant den Verkauf für rund 1$ pro g. Kanada verlangt dagegen 4-12$ pro g. Es bleibt also offen, wie Uruguay in die neue Zeit starten wird.1

Die internationale Öffentlichkeit ist bezüglich des Beschlusses geteilter Meinung. Der Economist ernannte Uruguay zum Land des Jahres 2013, deutsche Strafrechtsprofessoren schlagen Mujica für den Friedensnobelpreis vor. Die uruguayische Opposition dagegen ist kritisch: Sie befürchte ein Verkommen des Staates zum „Kiffertreff“.3 Und auch die uruguayische Öffentlichkeit scheint eher skeptisch. Laut einer laufend aktualisierten Umfrage der uruguayischen Zeitung El País sind nur rund 20% im Land tatsächlich für die Legalisierung.2

  1. International Business Times, 21.03.2014: Uruguay eyes Canadian marijuana; Aufgerufen am 25.03.2014 [] []
  2. Süddeutsche Zeitung, 11.12.2013: Uruguay legalisiert Marihuana; Aufgerufen am 25.03.2014 [] [] [] []
  3. Süddeutsche Zeitung Nr. 70 – Die Seite drei, 25.03.2014: Happy [] [] [] []
  4. Wikipedia: Rechtliche Aspekte von Cannabis – Kanada; Aufgerufen am 25.03.2014 []

Über miriam / earthlink

Ich bin 21 Jahre alt und studiere B.Sc. Geographie und B.A. Geographische Entwicklungsforschung Afrikas an der Uni Bayreuth. Im Rahmen eines achtwöchigen Praktikums hier bei Earthlink möchte ich nun erste praktische Erfahrungen im Bereich der Entwicklungspolitik sammeln.
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