Waffen, die musizieren

Bild: © Renaud Philippe - Dreamstime

Das Schlagzeug beginnt zu spielen. Einen Marschrhythmus, kurze und harte Schläge, wie einzelne Pistolenschüsse. Dann setzen die anderen Instrumente ein und die Musik verändert sich. Die Instrumente spielen miteinander, sind lebendig. Das Kriegerische ist verschwunden.1

Ein Cello aus Maschinenpistolen und einem Gewehrlauf als Hals, eine Harfe aus MG-Magazinen. Früher waren die Instrumente Waffen. Revolver, Pistolen, Gewehre, die gegeneinander oder miteinander kämpften. Nun stehen sie, verformt und geplättet, als ein Orchester aus Waffen in einem dunklen Raum und musizieren gemeinsam. Erzählen Geschichten aus dem Drogenkrieg in Mexiko.1

Waffen aus dem mexikanischen Krieg, die zu Musikinstrumenten wurden. Das ist das Konzept des Kunstprojekts „Disarm“ des Künstlers Pedro Reyes. „Ich will verrückte Maschinen bauen, die Musik machen, die sich nicht mit Kugeln, sondern mit Melodien beballern“, sagt der Mexikanische Künstler.2

„Disarm“ ist nicht sein erstes Projekt dieser Art. Bereits für mehrere Projekte verwandelte der Mexikaner todbringende Waffen zu Kunstgegenständen, die dazu dienen, Schönheit in die Welt bringen. Zum Beispiel hatte der Künstler 2007 für sein Projekt „Shovels for Guns“ Waffen zu Schaufeln gegossen, mit denen überall auf der Welt Bäume gepflanzt wurden. 1.527 Waffen wurden zu 1.527 Schaufeln.1

2012 hatte die mexikanische Regierung den Künstler kontaktiert: Waffen, die die mexikanische Armee im Drogenkrieg konfisziert hatte, sollten in der Stadt Ciudad Juarez öffentlich vernichtet werden. Die Stadt ist ein Brennpunkt im mexikanischen Drogenkrieg, jedes Jahr sterben hier tausende Menschen. Zusammen mit einer Kunststiftung in Mexico City, Alumnos 47, begann Reyes nun, aus dem Material der konfiszierten Waffen traditionelle Instrumente zu basteln. Es entstanden Xylophone, Bässe, Gitarren und Saxophone. „Imagine“, nannte Reyes sein Projekt.1

„Imagine“ war der Vorläufer des neuesten Projekts: Auch für „Disarm“ verwendete Reyes Waffen, die im Drogenkrieg konfisziert wurden. Doch dieses Mal ging der Künstler einen Schritt weiter: Die Instrumente wurden mechanisiert, sie können nun über Computer programmiert und betrieben werden. Ein voll automatisiertes Orchester. Es spielt von alleine. Kein Mensch ist mehr nötig, um die Instrumente aus Waffen zu bedienen. Todbringende Gegenstände, die zum Leben erwachten, um gemeinsam zu musizieren.3

„Ich glaube, der Sinn von Kunst ist es, Wege zu finden, die negativsten Instinkte in kreative Instinkte zu verwandeln.“, sagt Reyes. „Ich nehme dieses Stück Metall, das unseren Instinkt repräsentiert, einander zu töten und ich verwandele es in ein Musikinstrument, das die am meisten gehobene Form der Kommunikation auf diesem Planeten ist.“1

Der mexikanische Künstler Reyes ist selbsterklärter Pazifist.2 Doch Gewalt durch Waffen bestimmt in Mexiko den Alltag vieler Menschen. Mexiko befindet sich seit Jahren im Drogenkrieg. Jedes Jahr lassen tausende Menschen in diesem Krieg ihr Leben. Vor diesem Hintergrund ist das Kunstprojekt besonders symbolträchtig: Die Waffen, die das Leben der mexikanischen Bevölkerung mit Gewalt überziehen, verlieren ihre eigentliche Zweckbestimmung und verwandeln sich in Musik, in eine weltweit verstandene Sprache, die Menschen und Völker verbindet.

Vor ihrer Verwandlung nennt der Künstler Pedro Reyes die Waffen „Todesagenten“. Doch „die Musik reinigt das Metall von seinen schlechten Schwingungen und vertreibt die Dämonen“, erklärt er.2 Sein symbolträchtiges Projekt steht wohl für einen friedvollen Kampf gegen die Gewalt in seinem Land. Ein Kampf mit Musik.

Das Video zum Kunstprojekt:

 

  1. Youtube: Turning Weapons Into Instruments | Pedro Reyes ‚Disarm‘ ; hochgeladen am 12.09.2013; aufgerufen am 30.04.2014 [] [] [] [] []
  2. Spiegel Online: Musikinstrumente aus Schusswaffen: Gesang der Gewehre; erschienen am 07.04.2014; aufgerufen am 30.04.2014 [] [] []
  3. Pedro Reyes: Archive; aufgerufen am 30.04.2014 []

Über anila / earthlink

Im Sommer 2013 habe ich mein Abitur gemacht. Vor meinem Studium leiste ich meinen Bundesfreiwilligendienst bei EarthLink. :)
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