Illegaler Drogenhandel bedroht Indigene im Amazonasgebiet

Die Organisation Survival International ermahnt die Regierungen von Peru und Brasilien in einem Aufruf, sich an internationales Recht zu halten und „unkontaktierte“ indigene Völker zu schützen.

Konkreter Anlass war ein Video einer Erstkontaktaufnahme. Es handelt sich dabei nach übereinstimmenden Medienberichten um die Überlebenden eines in Peru durch illegale Drogenhändler verursachten Massakers. Unter den Flüchtlingen befindet sich auch ein Kind.1

Wie Earthlink bereits am 16.08.2013 berichtete2, sind in Peru derzeit fünfzehn indigene Gemeinschaften vom Aussterben bedroht. Da sie sich fernab der Gesellschaft in infrastrukturell nicht erschlossenen Regenwaldgebieten niederlassen, werden ihre Stammesgebiete auch häufig als Operationsbasen für den internationalen Drogenschmuggel missbraucht. Folge sind wiederholt gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Drogenhändlern und der indigenen Bevölkerung. Die zunehmende infrastrukturelle und industrielle Erschließung von Regenwaldgebieten tun ihr übriges, um indigene Stämme zu vertreiben.

Indigene Gruppen werden auch passiv oder aktiv Opfer bewaffneter Auseinandersetzungen. Teilweise wird auf sie Zwang ausgeübt, sich Drogenkartellen anzuschließen. Maßnahmen der Regierungen führen zu ökologischen Beeinträchtigungen – der großflächige Einsatz von chemischen Düngemitteln behindert den Anbau von Nutzpflanzen und gefährdet die Grundwasserversorgung indigener Gebiete. Auch die aggressive Entschlossenheit, mit der Staaten in dem Konflikt den Narcoparamilitärs begegnen, führt zu Kollateralopfern.3

Während sich auf  brasilianischer Seite seit 1967 die Organisation FUNAI für die Rechte indigener Stämme einsetzt, fehlen in Peru Institutionen zum Schutz der indigenen Bevölkerung. Hier werden industrielle Interessen höher gewichtet als die der angestammten Bevölkerung. So werden Unternehmen im Amazonasgebiet umfangreiche Rohstoffförderrechte, auch in Schutzgebieten, eingeräumt. Der mit zunehmendem Wirtschaftswachstum einsetzende Verdrängungsprozess führt zu Fluchtbewegungen über die brasilianische Grenze.4

Weiter fordert Survival International die Schaffung eines umfassenden Gesundheitsprogrammes, um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern.5

Erst Anfang dieser Woche wurde durch die interamerikanische Organisation zum Schutz der Menschenrechte (IACHR) ein Bericht veröffentlicht, demzufolge Krankheiten, Rohstoffgewinnung und Drogenschmuggel die größte Bedrohung für indigene Völker darstellten. Durch den mangelnden Austausch mit der restlichen Bevölkerung können sich vermeintlich harmlose Grippewellen schnell zu tödlichen Epidemien entwickeln. Drastische Maßnahmen wie mehrtägige Quarantäne können erforderlich sein, um eine Rückkehr in Gesundheit zu gewährleisten.6

  1.  terramagazine.terra.com.br: Video von Erstkontakt von unkontaktierten Indigenen, nicht mehr verfügbar []
  2. earthlink.de: Drogenhandel bedroht die indigenen Kulturen Perus, aufgerufen am 5.08.2014 []
  3. culturalsurvival.org: Narco-trafficking in the Sierra Tarahumara, nicht mehr verfügbar []
  4.  Survival International: Indigene berichten von Massaker, Video von Kontakt veröffentlicht, nicht mehr verfügbar []
  5.  Survival International: Indigene berichten von Massaker, Video von Kontakt veröffentlicht, nicht mehr verfügbar  []
  6.  Spiegel Online: Videoaufnahme aus Amazonasbecken: Forscher haben erstmals Kontakt zu isoliert lebenden Ureinwohnern, aufgerufen am 31.07.2014  []

Über Philipp Albrecht / earthlink

Student der Politikwissenschaft, Praktikant bei Earthlink.
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