„Kokain-Coffeeshops“ expandieren in Bolivien

Die Bar Ruta 36, auch bekannt als erste Kokainbar der Welt, existiert seit ca. 2005 in der bolivianischen Stadt La Paz.1 Koka hat in Bolivien eine lange Tradition und wird als „Allheilmittel“ gegen Hunger, Müdigkeit, Höhenkrankheit und Kälte verwendet. Neben Kokatee und Kokabonbons ist es sehr verbreitet, die Kokablätter zu kauen. Doch wie Präsident Evo Morales schon in seinem Wahlslogan „Koka ja, Kokain nein“ darstellte, ist die Produktion von Kokain illegal. Der legale Anbau von Koka ist auf 20.000 ha begrenzt, jedoch findet weiterhin illegaler Anbau statt.2

Seit der Eröffnung wechselt die Bar Ruta 36 im Abstand von mehreren Wochen beziehungsweise Monaten immer wieder den Standort. Die Gründe sind jedoch nicht eindeutig und reichen von Polizeikontrollen bis hin zu Lärmbelästigung.3 Damit der Ort „unbekannt“ bleibt, ist es nicht erlaubt, Fotos zu machen. Aufgrund des häufigen Standortwechsels sind die Besucher auf Mundpropaganda oder eingeweihte Taxifahrer angewiesen. Doch gerade vor den großen Partyhostels warten schon Taxen, die Bescheid wissen, wo sich die Bar im Moment befindet. Bei Ankunft vor einem meist unscheinbaren Haus gehen die Rollladen hoch und die Gäste werden schnell hereingelassen, um direkt nach ihnen wieder die Türen zu verriegeln. Bevor sie aber wirklich ins Innere der Bar gelassen werden, erfolgt eine Passkontrolle, denn Bolivianern wird meist der Zutritt verwährt.4

Nach Getränkebestellung wird die Frage gestellt, für welche die Besucher gekommen sind: „Wie viel Gramm möchtest du?“ Der Preis liegt bei etwa 200 Bolivianos pro Gramm, was in etwa 20 Euro oder 27 Dollar entspricht. Im Vergleich zu 100 Dollar in den USA oder sogar 160 Dollar in London können Konsumenten hier also ein Schnäppchen machen.56

Anfangs war die Bar 24 Stunden an 7 Tagen in der Woche geöffnet, doch nun hat man die Öffnungszeiten auf die Zeit zwischen 9 Uhr abends und 7 Uhr morgens begrenzt.7 Gerade junge Backpacker werden von den günstigen Preisen und der angeblich guten Qualität angelockt. Bis 2009 gab es noch legale Touren durch das berüchtigte Gefängnis San Pedro im Zentrum der Stadt, welche oftmals mit einem illegalen Drogenverkauf endeten.8 Doch seit der Abschaffung dieser Touristentour hat die Bar Ruta 36 in Internetportalen noch mehr Beliebtheit erfahren. Inzwischen soll es auch ein paar Nachahmer geben, wie die Bar Eddie’s Place.6 Ihnen fehlt es zwar noch an Bekanntheit, aber sie vergrößern das Angebot für Touristen, an Kokain zu gelangen.

Warum können diese Bars überleben, obwohl sie illegal sind? Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist Korruption in Bolivien relativ verbreitet und zum anderen herrscht in La Paz die etwas chaotische Einstellung, „dass alles möglich ist“. Evo Morales ist Verfechter der Rechte für Kokabauern, denn er war früher selber Kokabauer und sogar Anführer der Kokabauernbewegung während des Drogenkrieges in den 80ern. Außerdem emigrieren Drogenhändler aus Kolumbien aufgrund von Militärdruck in andere Länder, insbesondere Bolivien.9 Dieses Argument unterstützt das Gerücht, dass der Eigentümer der Bar Ruta 36 ein Kolumbianer ist.10 Ferner ist Kokain in Bolivien im Vergleich zu anderen Ländern relativ leicht zu bekommen, wegen des lokalen Anbaus von Koka.

Der Bürgermeister weiß Bescheid über die Bar und es wurde auch schon mehrmals versucht, sie zu schließen. Doch die Versuche sind fehlgeschlagen. Der Drogentourismus bringt mehrere Probleme mit sich. Erstens schädigt er den Ruf der Stadt und hat eventuell einen Rückgang „normaler“ Touristen zur Folge. Zwar steigt höchstwahrscheinlich die Anzahl der Drogentouristen, doch das Land muss sich die Frage stellen, ob es diesen Anstieg wirklich möchte. Auch andere Probleme wie steigende Kriminalität können mit zunehmendem Drogenkonsum einhergehen. Zweitens verstärkt der Kokaintourismus die Korruption, denn das illegale Handeln soll verborgen bleiben und Eingeweihte wollen dementsprechend entlohnt werden.

Welche Maßnahmen kann die bolivianische Regierung ergreifen, um dieses Problem zu beseitigen? Im Gesetz 1008 ist bereits festgeschrieben, dass sowohl Besitz, Handel und Konsum von Kokain verboten sind.11 Bei Handel droht eine Gefängnisstrafe von 10 bis 25 Jahren.12 Doch wegen mangelnder Beweise scheiterten Verhaftungen in den letzten Jahren. Für die Drogenbekämpfung wurde bei der Polizei extra die Spezialeinheit FELCN (Fuerza Especial de Lucha Contra el Narcotráfico) gegründet.1 Des Weiteren versucht die Regierung, schon am Anfang der Kokaproduktion anzusetzen und arbeitet sehr intensiv mit Kokabauern zusammen. Im Jahr 2013 führte das zu einer Halbierung der illegalen Kultivierung von Koka in Naturschutzgebieten.13 Wenn die Regierung nun noch die Korruption in den eigenen Reihen und innerhalb der Polizei unterbinden könnte, wäre ein großer Schritt in die richtige Richtung gemacht. Ohne das Netz der Korruption und mit verstärkten Kontrollen ist es vielleicht möglich, den Eigentümern der Kokainbars auf die Schliche zu kommen und den Drogentourismus einzudämmen.

  1. Eju: La Paz. Fiscal sospecha que el dueno de Ruta 36 es parte de cartel columbiano – zuletzt aufgerufen am 27.08.2014 [] []
  2. Latinapress: Evo Morales diskutiert weitere Legalisierung von Coka-Anbauflächen – zuletzt aufgerufen am 27.08.2014 []
  3. Geo: Die Kokain-Bar von La Paz – Artikel nicht mehr verfügbar []
  4. Woroni: Route 36: A Bolivian Enigma; Artikel vom 21.03.13 []
  5. El Deber: Ruta 36, la puerta secreta hacia el turismo de cocaína en La Paz – zuletzt aufgerufen am 27.08.2014 – Link nicht mehr abrufbar: 08.10.2014 []
  6. La Razon: Ruta 36 – El ‚bar de la cocaína‘ – zuletzt aufgerufen am 27.08.2014 [] []
  7. La Razon: Ruta 36 – El ‚bar de la cocaína‘ – zuletzt aufgerufen am 27.08.2014 []
  8. Bolivia Bella: What should you know about Bolivia’s prisons? – zuletzt aufgerufen am 27.08.2014 []
  9. The Guardian: The world’s first cocaine bar – zuletzt aufgerufen am 27.08.2014 []
  10. La Razon: El ‚bar de la cocaína‘ – zuletzt aufgerufen am 27.08.2014 []
  11. Tagesanzeiger: Lateinamerika auf dem Weg zum freien Drogenkonsum – zuletzt aufgerufen am 27.08.2014 []
  12. Transnational Institute: Reformas a las leyes de drogas en Bolivia – zuletzt aufgerufen am 27.08.2014 []
  13. Portal Amerika21: UNO bescheinigt Bolivien erfolgreiche Koka-Politik – zuletzt aufgerufen am 27.08.2014 []

Über lena / earthlink

Hey, ich bin die Lena und studiere International Business in Nürnberg. Ich interessiere mich schon lange für Entwicklungspolitik und wollte nun mal in die Arbeit einer kleinen NGO hineinschnuppern. Deswegen mache ich ein 8-wöchiges Praktikum bei Earthlink e.V.
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1 Antwort zu „Kokain-Coffeeshops“ expandieren in Bolivien

  1. getonmylevel sagt:

    1.ich finde es cool das bauern koka anbauen dürfen die pflanze hat auch andere verwendungszwecke zb für medizin.2. Ist deutschland auch extrem korrupt.Und das wird aber ziemlich heftig vertuscht.
    3.ich fände die legale abgabe von kokain an erwachsene gar nicht sooo schlimm, es muss aber strenge regeln geben.3.Den ganzen tag koka kauen ist auch nicht unbedingt gesünder als das klassische koksen.4.Lasst sowas von unvoreingenommenen medizinern und wissenschaftlern entscheiden als von korrupten rassistischen politikern die einfach überhaupt keine Ahnung haben und nur das volk belügen!

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