Drogen-Gipfel in Mexiko – Schließen die Kartelle jetzt Allianz?

Bild: © Public Domain - Wikimedia Commons

Es scheint, als ob einige Anführer der bedeutendsten Drogenkartelle in Mexiko beschlossen haben, die Landschaft der Drogenkriminalität ein wenig umzugestalten.
Berichten der mexikanischen Zeitung Reforma zufolge kamen die Anführer der Drogenkartelle in Piedras Negra, einer Stadt an der US-Grenze im Bundesstaat Coahuila, zusammen. Darunter Omar Trevio Morales, alias „Z40″, von den Zetas, Vicente Carrillo Fuentes, alias “ El Viceroy,“ vom Juarez Kartell sowie die Anführer der Beltran Leyva Organisation (BLO) und des Jalisco Kartells – New Generation (CJNG).1

Der Grund des Treffens war, laut Reforma, über einen Zusammenschluss der einzelnen Kartelle zu beraten. Die Zusammenarbeit soll neue Wege und Möglichkeiten im Drogenhandel erschließen. In der Allianz wären drei der größten Namen im Drogengeschäft involviert, zusammen wären sie in 20 der 31 mexikanischen Bundesstaaten präsent.

Aufgrund der Erfahrungen der einzelnen Kartelle mit dem Sinaloa Kartell besteht auch die Vermutung, die Allianz könnte einen organisierten Anti-Sinaloa-Kurs verfolgen.
Die Zetas waren einst die größte Bedrohung für das Sinaloa Kartell. Interne Machtkämpfe und der Verlust von Anführern führten jedoch zu einer fragmentierten Gewalt, die aus immer mehr unabhängigen Zellen bestand, deren Erlöse sich nur noch auf lokalisierte Verbrechen wie Erpressung und Entführung reduzierten.
Ebenso das Juarez Kartell – auch ein erbitterter Feind der Sinaloas. Ein langer und opferreicher Krieg um die Juarez-Grenze ließ nur noch einen abgeschlagenen Schatten der einst so mächtigen Juarez übrig. Die BLO war im Gegensatz dazu einst sogar Teil der gleichen Vereinigung wie das Sinaloa Kartell. Seit 2008 sind beide Gruppen jedoch in einen unerbittlichen Kampf verwickelt, der schon eine große Verlustziffer im BLO’s Anführerverzeichnis hinterließ.
Vor diesem Hintergrund sieht es fast so aus, als ob es das Schlüsselanliegen der verschiedenen Gruppen wäre, sich ihres gemeinsamen Feindes, des Sinaloa Kartells, anzunehmen.
Welche Gründe auch dahinter stehen, jede der einzelnen Gruppen muss ihren Machtsitz in der sich rasch wandelnden Drogenwelt bestreiten. Keine der Gruppen besitzt jetzt noch die expansive territoriale Präsenz oder die hierarchisch organisierte Kontrolle, die sie einst genossen. Dies erschwert das Drogengeschäft ungemein. Es ist nur eine Reaktion auf die ernüchternen Umstände. Vielleicht werden sie sich auch an dem kolumbianischen Modell des Drogenhandels orientieren. Die Organisationsstruktur der kolumbianischen Drogenhändler ähnelt eher der eines organisierten, transnationalen Konzerns. Ein dezentralisierter Zusammenschluss mit organisierten Abläufen und fließenden Managementhierarchien. Zudem können so auch Großinvestitionen getätigt werden, wie z.B. der Bau eines Drogenlabors, welches den Gewinn beträchtlich steigern würde.2

Die Informationen beziehen sich auf sogenannte „intelligent documents“ (interaktiv arbeitende elektronische Dokumente) aus den USA und Mexiko. Bisher wurden die Berichte aus den Dokumenten nicht bestätigt, darum sollte damit umsichtig umgegangen werden. Sollten die Vermutungen jedoch der Wahrheit entsprechen, könnte diese Allianz eine neue Dimension des organisierten Verbrechens in Mexiko erreichen.

Zum einen könnte sich die Allianzbildung positiv dadurch auswirken, dass ein Großteil der Bandenkriege beendet würde, wodurch auch oft Unschuldige getötet wurden. Allerdings ist es bei einem solchen Zusammenschluss, sollten sich hier wirklich organisierte, dezentralisierte und hierarchische Geschäftsformen entwickeln, auch sehr viel schwieriger, den Machteinfluss zurück zu drängen und die Gruppe zu zerschlagen. Auf jeden Fall würden sich die Machtverhältnisse in der mexikanischen Drogenlandschaft enorm verschieben.

  1. insightcrime: reported-narco-summit-could-herald-upheaval-for-mexico-underworld. zuletzt geöffnet: 10.09.14 []
  2. lateinamerikanachrichten: das-kolumianische-drogenbuisness. zuletzt geöffnet: 10.09.14 []

Über jana / earthlink

Hi! Mein Name ist Jana, ich studiere Politik und Interkulturelle Studien in Regensburg. Um mehr Erfahrung im entwicklungspolitischen Bereich zu sammeln, mache ich derzeit ein Praktikum bei earthlink e.V. :)
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