Mexikos Frauenmorde und die Verbindung zu den Drogenkartellen

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Ciudad Juárez macht nur selten mit erfreulichen Nachrichten Schlagzeilen. Die Stadt am Rio Grande, direkt an der Grenze zu den USA gelegen ist seit Jahren Schauplatz des mexikanischen Drogenkriegs. Seit dem Jahr 2007 kämpfen das Sinaloa-Kartell und das Juarez Kartell um die Vorherrschaft in der Stadt. Doch der Drogenkrieg hat ein weiteres Phänomen in der Grenzstadt fast in Vergessenheit geraten lassen. Seit Anfang der 1990er Jahre wurden in Ciudad Juárez tausende Frauen ermordet. Man spricht von sogenannten Femiziden, da das Geschlecht in vielen Fällen von Bedeutung ist. In wie weit der Drogenkrieg dabei eine Rolle spielt soll im Folgenden dargestellt werden:

Fälle von Femiziden, von denen es Berichte in ganz Mexiko gibt, zeichnen sich häufig durch ihren hohen Grad an Brutalität aus. So wurden die meisten der ermordeten Frauen vor ihrem Tod vergewaltigt. Zudem wiesen sehr viele Leichen Foltermale und Spuren von Verstümmelungen auf. Alarmierend ist zudem der Anstieg solcher Fälle, vor allem in der Region um Ciudad Juárez, die inzwischen als die symbolische Hauptstadt der Frauenmorde gilt. Während die ersten Fälle Anfang der 1990er die Öffentlichkeit noch schockierten, sind sie heute zur traurigen Normalität geworden. Inzwischen wird dort alle 20 Stunden eine Frau ermordet.12

Bezeichnend für viele Fälle von ermordeten Frauen ist das Desinteresse der Behörden und die damit mangelhafte Strafverfolgung. Viele Angehörige von Opfern werfen der Polizei vor, sie hätte Spuren nicht fachgerecht gesichert, genetische Proben unterlassen und Beweisstücke unterschlagen. In einigen Fällen werden den Ermittlern sogar selbst Verwicklungen in die Morde zur Last gelegt. Menschenrechtsgruppen, die sich für die Aufklärung der Morde einsetzen werden zudem massiv eingeschüchtert und bedroht. Auch hier gibt es Indizien dafür, dass die verantwortlichen Banden mit den Strafverfolgern zusammen arbeiten.345

Eines der wichtigsten Motive für Femizide stellt das in großen Teilen der Gesellschaft verbreitete patriarchalische Gedankengut dar. Der Begriff „Macho“ stammt aus Mexiko und prägt das Zusammenleben der Menschen. In einer im Jahr 2005 durchgeführten Studie stimmten 40% der männlichen Befragten der Aussage zu, Frauen sollten einer ihrem Geschlecht angemessenen Arbeit nachgehen. Die extreme Gewalt gegenüber Frauen stellt für Psychologen ein Mittel dar, sich der Modernisierung der weiblichen Rolle in der Gesellschaft entgegen zu stellen. Denn auch in Mexiko hat sich in den vergangenen Jahrzehnten die sexuelle Selbstbestimmung der Frau sowie deren Berufstätigkeit entwickelt. Letzteres ist vor allem in Ciudad Juárez zu beobachten. Mit dem Niedergang des traditionellen Handwerks sind dort viele große Montagebetriebe entstanden, in denen massenhaft Frauen beschäftigt sind. So hat sich dort sichtbar die traditionelle Rolle des Mannes als Hauptversorger der Familie gewandelt und einige von ihnen könnten sich dadurch als „beleidigte machista“ fühlen. Gedankengut dieser Art lässt sich auch bei Beamten in den Behörden feststellen, was das mangelnde Engagement bei der Aufklärung von Frauenmorden zum Teil erklärt.46

Doch welche Rolle spielen dabei die Drogenkartelle? Hierbei müssen Fälle, die direkt durch Mitglieder von Drogenkartellen von solchen, die durch die Präsenz der Banden beeinflusst sind unterschieden werden. So sind einige Experten der Meinung, dass ein Teil der Morde auf das Konto von Mitgliedern der Drogengangs geht. Bei circa 100 untersuchten Fällen passt die Art, mit der die Frauen getötet wurden, in das Schema der Drogenmafia. Ob es sich dabei um ein makaberes Freizeitvergnügen der Narcos oder eine grausame Machtdemonstration handelt, ist schwer zu klären. Jedenfalls kann die mit den Morden verbundene Straflosigkeit als Dominanz der Täter über Justiz und Regierung verstanden werden. Daneben spielt auch die direkte Infiltration der Behörden durch die Drogenkartelle eine entscheidende Rolle. Durch Korruption und Einschüchterung sind lokale Regierungs- und Justizapparate zum Teil nahezu handlungsunfähig. So ist es für manche Täter von Gewaltverbrechen ungefährlicher, ihre Opfer zu ermorden, als sie freizulassen.78

Drogenkartelle spielen mit Sicherheit eine Rolle bei der Ermordung vieler Frauen. Jedoch können sie auch nur einen Teil davon erklären. Femizide beschränken sich nicht nur auf die die Hochburgen des organisierten Verbrechens sondern sind im ganzen Land verbreitet. Deshalb braucht es zum Schutz der Frauen nicht nur eine Beendigung des Drogenkrieges, sondern auch einen entscheidenden Wandel in der kollektiven Einstellung bezüglich der Rolle der Frau in der Gesellschaft.6

  1. The European: Die vergessenen Toten von Juárez – nicht mehr verfügbar []
  2. Heinrich Böll Stiftung: Frauenmorde in Mexiko: Der Kampf gegen eine „Kultur des Schweigens“ – Zuletzt aufgerufen am 10.09.2014 []
  3. Die Welt: Grausige Frauenmorde – Mexiko muss vor Gericht – Zuletzt aufgerufen am 10.09.2014 []
  4. Criminologia: Der Feminizid von Ciudad Juárez – Zuletzt aufgerufen am 10.09.2014 [] []
  5. Amnesty Journal: Die ständige Bedrohung: Seit 1993 wurden in Mexiko über 500 junge Frauen ermordet. – nicht mehr aufrufbar []
  6. Heinrich Böll Stiftung: Frauenmorde in Mexiko: Der Kampf gegen eine „Kultur des Schweigens“ – Zuletzt aufgerufen am 10.09.2014 [] []
  7. Criminologia: Der Feminizid von Ciudad Juárez – Zuletzt aufgerufen am 10.09.2014 []
  8. Internationale Gesellschaft für Menschenrechte: Mexiko: Grauen ohne Grenzen – Zuletzt aufgerufen am 10.09.2014 []

Über Sebastian / earthlink

Hallo, ich bin der Sebastian. Ich komme aus München und habe dort im März mein Bachelorstudium der Volkswirtschaftslehre abgeschlossen. Derzeit engagiere ich mich in einem zweimonatigen Praktikum bei Earthlink.
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