Peruanisches Kokain: Warum das Land in den Anden der größte Produzent des weißen Pulvers ist

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Bereits gestern berichteten wir über die unkonventionellen Methoden der peruanischen Regierung bei der Bekämpfung des Drogenhandels. Spezialeinheiten sind damit beauftragt, Löcher in illegale Start- und Landebahnen zu sprengen um die Ausfuhr von Kokain per Flugzeug zu verhindern. Peru scheint ein ernst zu nehmendes Drogenproblem zu haben. Und dem ist auch so: Im Jahr 2013 hat die UN offiziell bestätigt, dass Peru Kolumbien den Rang als weltweit größter Koka- und Kokainproduzent abgenommen hat. So wurden im Jahr 2012 in Peru auf einer Fläche von 60.400 Hektar Kokapflanzen angebaut und etwa 340 Tonnen Kokain hergestellt. Im gleichen Zeitraum waren es in Kolumbien nur 48.000 Hektar und 309 Tonnen Kokain.

In Wahrheit stellt diese Entwicklung eine Wiederholung vergangener Zeiten dar. Denn bereits im Jahr 1992 war Peru mit einem Marktanteil von 60% der weltweit größte Produzent von Kokain. Damals ging ein großer Teil der Droge in Form von Kokapaste nach Kolumbien, wo der Stoff weiterverarbeitet wurde. Als der damalige peruanische Präsident beschloss, die mit den Kokaprodukten beladenen Flugzeuge in der Luft abzuschießen, änderte sich die Lage. Von nun an begannen die kolumbianischen Kartelle selbst im großen Stil Koka anzubauen. Doch was sind die Gründe für das peruanische Revival in der Kokaproduktion?

Zum einen gibt es große Fortschritte bei der Eradikation von Kokaplantagen in Kolumbien. Mit Unterstützung der USA startete die kolumbianische Regierung im Jahr 1999 den „Plan Colombia“. Dabei wurden Kokaplantagen großflächig mit giftigen Chemikalien besprüht, um sie nachhaltig zu zerstören. Allerdings waren die eingesetzten Giftstoffe nicht nur für Kokapflanzen, sondern für sämtliche Pflanzen schädlich, wodurch viele Bauern den linksgerichteten Rebellen anschlossen. Ein großer Teil der Kokaproduktion verlagerte sich durch die Vernichtung der Felder wiederum nach Peru.

Im Gegensatz zu Kolumbien erlaubt die peruanische Regierung nicht den Einsatz von giftigen Chemikalien zur Zerstörung von Kokaplantagen. So gibt es auch nur wenige Bauern, die sich aus Verzweiflung bewaffneten Rebellengruppen anschließen. Allerdings führt dies auch dazu, dass die Kokaproduktion anders organisiert ist als in Kolumbien, wo marxistische Gruppen wie die FARC große Teile des Drogenanbaus kontrollieren. So agieren die meisten Kokabauern in Peru autonom, was den Behörden die Bekämpfung des Anbaus deutlich erschwert. Gleichzeitig fehlt den Strafverfolgern eine umfassende Strategie um gegen die ausufernden Kokaplantagen vorzugehen. Es gibt zwar Ansätze bei der Vernichtung von Kokaplantagen, allerdings existierte so gut wie keine Förderung von Alternativen zum Drogenanbau sowie Präventionsmaßnahmen.

Ein weiterer Grund für den Anstieg der Kokaproduktion ist die weit verbreitete Korruption in Peru. Auf dem Index von Transparency International, der auf einer Skala von 0-100 die Korruption in einem Land misst, belegt Peru den Rang 38, zusammen mit Liberia und Burkina Faso. So ist es für Kriminelle oft ein leichtes, Polizisten zu bestechen und auch Richter schrecken vor der Annahme von Geldgeschenken nicht zurück. Dazu kommt, dass Strafverfolger oft erst gar nicht die Ermittlungen in komplexen Fällen aufnehmen.

Des Weiteren fassen immer mehr international operierende Drogenkartelle in Peru Fuß. Dazu gehören Gangs aus Mexiko, Kolumbien und auch Russland. Einige hochkarätige Drogenbosse aus Mittelamerika sollen sich durch die in ihren Heimatländern intensivierte Strafverfolgung bereits ganz nach Peru abgesetzt haben. Auch das berüchtigte Sinaloa-Kartell aus Mexiko soll dauerhafte Vertreter im Andenland haben. Durch den großen Absatzmarkt von peruanischem Kokain in Europa verwundert auch die Präsenz von russischen Banden nicht.1

 

  1. Insight Crime: 4 Reasons Why Peru Became World’s Top Cocaine Producer – 24.09.2014 []

Über Sebastian / earthlink

Hallo, ich bin der Sebastian. Ich komme aus München und habe dort im März mein Bachelorstudium der Volkswirtschaftslehre abgeschlossen. Derzeit engagiere ich mich in einem zweimonatigen Praktikum bei Earthlink.
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