Saudi-Arabien: Angestiegener Drogenschmuggel trotz harter Strafen

In Saudi-Arabien drohen demjenigen, der Drogen schmuggelt, konsumiert oder besitzt harte Strafen, im schlimmsten Fall die Todesstrafe.1 2 Erst jüngst in diesem Monat wurden innerhalb von einer Woche fünf Menschen wegen Drogenschmuggels enthauptet. Ein Pakistani wegen des Versuchs Heroin in das Land zu importieren, ein Iraner und drei Syrer wegen des Versuchs Haschisch in das Königreich einzuführen.3

Trotz harter Strafen floriert der Drogenhandel in Saudi-Arabien. Dies zeigen auch die Statistiken. So waren 2007 ein Drittel aller Beschlagnahmungen jener Drogen, die der Gruppe der Amphetamine zugerechnet werden, auf Saudi-Arabien zurückzuführen. Den größten Teil dieser Sicherstellungen machten Captagon-Tabletten aus, eine Droge, die mit Speed vergleichbar ist und ursprünglich in den 60ern und 70ern als Medikament gegen Depression und Narkolepsie verwendet, dann jedoch aufgrund der hohen Suchtgefahr verboten wurde.4 So beschlagnahmte die saudische Polizei im Jahr 2007 13,9 Tonnen Captagon. Dies entspricht ungefähr der Menge aller Beschlagnahmungen amphetaminartiger Stimulanzien in Großbritannien im Zeitraum von 2000 bis 2007.5 Auch in jüngster Zeit konfiszierte die saudische Religionspolizei, Mutawa, immense Captagonmengen. Im letzten Jahr stellte sie fast 60 Millionen dieser Pillen sicher und bereits im Zeitraum von Januar bis August 2014 72 Millionen Pillen. Zu Captagon hinzu kamen zuletzt pro Jahr 45 bis 60 Tonnen Haschisch sowie 50 bis 60 Kilogramm Heroin. Der Gesamtwert der jährlich ermittelten Drogen liegt bei etwa 1,2 Milliarden Euro. Die saudische Polizei schätzt, dass ihr circa zehn Prozent der illegal gehandelten Drogen ins Netz gehen. Dementsprechend vermutet sie, dass Drogen im Wert von insgesamt 12 Millionen Euro illegal gehandelt werden.6  Die große Menge an beschlagnahmten Drogen lässt darauf schließen, dass Saudi-Arabien als Transitstaat durchaus eine Rolle spielt.

Noch schwerwiegender ist allerdings die hohe Anzahl an Konsumenten und Abhängigen im Königreich. Laut Osama Ahmad Alibrahim, Chefarzt des einzigen Suchtkrankenhauses der Hafenstadt Dschidda, steigt der Drogenkonsum im Land seit Jahren, sowohl bei Frauen, als auch bei Männern. Er spricht aus 13-jähriger Erfahrung im Entzug. Nach Schätzung des Innenministeriums gibt es 200.000 Suchtkranke unter den 28 Millionen Einwohnern, wovon ein Viertel Frauen sind. In Wirklichkeit dürften die Zahlen jedoch weit höher liegen. Lange Zeit war Drogensucht ein Tabuthema im Königreich, da Drogen im Islam strengsten verboten sind. In den letzten Jahrzehnten hat das Land jedoch immerhin acht staatliche Therapiezentren mit insgesamt rund 900 Plätzen erbauen lassen. Das Suchtkrankenhaus, wo Osama Ahmad Alibrahim arbeitet, ist eines davon. Zehn weitere staatliche Suchtstationen sollen in den nächsten Jahren folgen. Mehr als 300 Millionen Euro stellt das Gesundheitsministerium pro Jahr für seine Therapieeinrichtungen zur Verfügung, wobei sich die Kosten pro Patient auf 100.000 bis 200.000 Euro belaufen. Behandelt werden nur Saudis, süchtige Migrantenarbeiter werden dagegen verhaftet und abgeschoben. Ein kompletter Entzug dauert bis zu zwei Jahre, wovon der Patient sechs Monate auf Station bleibt. Die restliche Zeit verbringt er entweder in einem therapeutischen Wohnhaus oder er wird durch eine Suchtambulanz betreut. „Beim Drogenentzug gehören wir zu den Pionieren der Golfregion“, sagt Osama Ahmad Alibrahim. Zu der Ausstattung des Krankenhauses in Dschidda gehören neben den sechs Patienten-Bungalows auch eine Turnhalle, Krafträume, Werkstätten, eine Moschee und ein traditionelles Beduinenzelt als Treffpunkt für die Patienten.6

In Dschidda gibt es 221 Plätze, wovon 200 für Manner reserviert sind, 10 für Frauen und 11 für Jugendliche. Obwohl der Frauentrakt wesentlich kleiner ist, stehen die Betten teilweise zur Hälfte leer. Denn anders als bei Männern wird Drogensucht bei Frauen wesentlich stärker tabuisiert. Wenn es der Familie möglich ist, fliegt die kranke Tochter zu einer Therapie außerhalb des Landes oder sie bringen sie in eine der exklusiven Privatkliniken, die pro Tag bis zu 1.000 Euro kosten. Nur wenige Frauen gehen in eine staatliche Klinik. Die Angst ist zu groß, dass etwas herauskommt. Somayya Jabarti, die erste Frau Saudi-Arabiens, die Chefin einer Zeitung ist, sagt: „Die Gesellschaft ist absolut erbarmungslos gegenüber süchtigen Frauen. Und selbst wenn sie ihre Sucht überwinden, bleibt das Urteil unerbittlich.“6  Hier sieht man, dass eine patriarchalische Gesellschaft das Problem der Drogensucht zumindest bei Frauen sogar noch verschärfen kann.

  1. Auswärtiges Amt: Saudi-Arabien: Reise- und Sicherheitshinweise, 24.09.2014 []
  2. Amnesty International: Länderkurzbericht: Saudi-Arabien, 25.09.2014 []
  3. International Business Times: Saudi Arabia beheads 5 in a week for drug trafficking, 2509.2014 []
  4. Middle East Monitor: Is Saudi Arabia loosing the battle to combat substance abuse?; 25.09.2014 []
  5. UNODC World Drug Report 2009, 25.09.2014 []
  6. Zeit: Junkies, die es nicht geben darf, 25.09.2014 [] [] []

Über simone / earthlink

Hi, ich bin die Simone und studiere Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre. Bei Earthlink will ich die Arbeit in der Entwicklungspolitik kennenlernen.
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