Libanon: Haschischbauern profitieren vom Syrienkrieg

Bild: © Vivek Patankar - Wikimedia Commons

12 Tonnen Haschisch hat die libanesische Polizei letzte Woche bei einer Razzia in einem Vorort von Beirut, der Hauptstadt des Libanons, beschlagnahmt. Dazu kamen noch einige großkalibrige Waffen.1 Eigentlich sollte man denken, dass die Behörden diesen Fund als großen Erfolg verbuchen können. Doch aufgrund des Bürgerkriegs im benachbarten Syrien fehlen den Sicherheitsbehörden die Kapazitäten, um flächendeckend gegen den Drogenanbau vorzugehen, wodurch die beschlagnahmte Menge nur wenig Relevanz im Kampf gegen den Cannabisanbau haben dürfte.

Bereits während des libanesischen Bürgerkriegs, der zwischen 1975 und 1990 das Land beherrschte, ist der Cannabisanbau zu einer Industrie angewachsen, die jährlich hunderte Millionen US-Dollar generierte. Zu dieser Zeit lebte mehr als die Hälfte der Bevölkerung direkt oder indirekt vom Geschäft mit den Drogen und die als „Roter Libanese“ bekannte Haschischsorte war eines der wichtigsten Exportprodukte. Anfang der 1990er Jahre begann dann die syrische Armee, die als Besatzungsmacht aus dem Krieg hervorging, auf Druck der amerikanischen Regierung, mit der vollständigen Eradikation der Cannabisplantagen in den libanesischen Anbaugebieten. Erst zu Beginn der 2000er Jahre stieg die Produktion des Haschischs wieder an, weswegen die libanesische Armee von nun an Jahr für Jahr die Felder zerstörte. Dabei kam es teilweise zu heftigen Auseinandersetzungen mit schwerbewaffneten Bauern.23

Als der Bürgerkrieg in Syrien im Jahr 2011 begann, machte sich dieser auch bald im Libanon bemerkbar. In dem Land, das bisher die meisten Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland aufgenommen hat, kam es in den letzten drei Jahren immer wieder zu Bombenanschlägen und kleineren Scharmützeln zwischen Anhängern verschiedener Bevölkerungsgruppen. Inzwischen kommt es auch in Grenznähe immer wieder zu heftigen Gefechten zwischen der Libanesischen Armee und radikalislamischen Milizen, wie der „Al Nusra Front“ und dem „Islamischen Staat“, die versuchen den Bürgerkrieg auf den Libanon auszuweiten.4

Durch den dadurch ständigen Einsatz des Militärs fehlen diesem die Kapazitäten zur Bekämpfung des Drogenanbaus. Schon seit dem Jahr 2012 hat die Armee keine Anstrengungen mehr unternommen, um den Cannabisanbau einzuschränken, wodurch sich dieser immer weiter ausdehnt. Für die Bauern ist der Anbau von Marihuana deutlich lukrativer als der von herkömmlichen Agrarprodukten, wodurch auch immer mehr Flüchtlinge aus Syrien daran beteiligt sind. Den Drogenproduzenten kommt außerdem zugute, dass durch den ständigen Flüchtlingsstrom aus Syrien immer mehr Routen über die Grenze verzeichnet werden, wodurch sich das Haschisch leichter schmuggeln lässt. Syrien gilt inzwischen als ein wichtiger Knotenpunkt für den Schmuggel von Drogen nach Europa und in andere Gebiete. 3

Das UNODC hat den Libanon bereits im Jahr 2011 als einen der weltweit fünf größten Haschischproduzenten aufgezählt. Durch die aktuelle Duldung steigt die produzierte Menge mit jedem Jahr deutlich an. Deshalb fordern inzwischen immer mehr einflussreiche Libanesen eine Legalisierung des Anbaus, um den Bauern einen rechtlichen Rahmen zu verschaffen.5

  1. The Daily Star: Lebanese police arrest five, confiscate 12,000 kg of hashish – 15.10.2014 []
  2. Wikipedia: Roter Libanese – 15.10.2014 []
  3. Huffington Post: In Lebanon, Marijuana Trade Thrives From Chaos Of Syrian Civil War – 15.10.2014 [] []
  4. Deutsche Welle: Syrischer Bürgerkrieg bedroht Libanon – 15.10.2014 []
  5. Reuters: Lebanon’s cannabis farms flourish while army looks away – 15.10.2014 []

Über Sebastian / earthlink

Hallo, ich bin der Sebastian. Ich komme aus München und habe dort im März mein Bachelorstudium der Volkswirtschaftslehre abgeschlossen. Derzeit engagiere ich mich in einem zweimonatigen Praktikum bei Earthlink.
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