Amazonas: Wie der Drogenhandel ein ganzes Gebiet umkrempelt

Bild: © n.v. - Wikimedia Commons

Regenwald, indigene Stämme, Moskitos – das sind klassische Assoziationen, die einem einfallen, wenn man an den Amazonas denkt. Folgt man jüngsten Entwicklungen in der Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates, müssten es eigentlich Kriminalität, Drogenhandel und Bandenkriege sein.

Sicherheitsbehörden ordnen 70 Prozent der Morde in Manaus dem regionalen Drogenhandel zu. Die meisten dieser Morde sind den Bandenkriegen zwischen Primeiro Comando da Capital (PCC) und Familia do Norte (FDN) zuzuschreiben.1 Beide Drogenkartelle kämpfen um die Vormacht in Amazonas. Es sind vor allem zwei Begebenheiten, die dem Drogengeschäft in Manaus die Tür geöffnet haben. Zum einen ist da der gestiegene Kokainkonsum im ganzen Land, der Brasilien gleich nach den USA zum zweitgrößten Abnehmer macht und damit auch den Drogenschmuggel in Amazonas begünstigt. Zum anderen grenzt der Bundesstaat an Peru, Kolumbien und Bolivien und ist aufgrund der durchlässigen Grenzen und der dichten Bewaldung ein ideales Transitgebiet: Von hier aus wird das Kokain über den Atlantik nach Europa verschifft.2

„Jedes Mal, wenn wir einen Drogenhändler schnappen, nimmt ein anderer seinen Platz ein“, beschreibt George Gomes, ein Antidrogenbeauftragter, die Situation.2 Doch selbst wenn ein Drogenboss geschnappt und inhaftiert ist, hindert ihn das nicht daran, weiterhin die Fäden zu ziehen. Die Köpfe von FDN kontrollieren ihre Geschäfte aus dem Gefängnis heraus. Beide Drogenkartelle, PCC und FDN, üben großen Einfluss auf die Gefängnisse in Manaus aus und kontrollieren diese teilweise. Neben Gefängnissen sind auch weitere staatliche Institutionen betroffen. Nachdem man bei einem Polizisten 325 Kilogramm Kokain gefunden hat, wurde er im Bundesstaat Amazonas festgenommen.1

Die Mordrate in Amazonas ist mit mittlerweile 50 Morden pro 100.000 Einwohner doppelt so hoch wie der brasilianische Schnitt und hat in den letzten Jahren um 157 Prozent zugenommen.3 Unter den 16 größten Städten Brasiliens belegt Manaus den letzten Platz, was den Human Development Index der UNO und Statistiken wie Lebenserwartung oder umfassende Wirtschaftsmaßnahmen angeht. „In meiner Jugend war Manaus ein idyllischer Ort“, sagte Milton Hatoum, 62 Jahre, der in Manaus aufwuchs. Heute sei er jedes Mal geschockt, wenn er nach Manaus zurückkehrt.3

Manaus ist heute die größte Metropole in Amazonas und der Hauptumschlagsplatz für Drogen. Bandenkriege, gezieltes Töten von Polizisten und grausame Morde durch Enthauptung oder Zerstückelung haben die Stadt während der letzten Jahre geprägt. Zwar werden in Amazonas kaum Drogen angebaut, der Bundesstaat ist ein klassisches Transitgebiet, und somit dürften die jüngsten Entwicklungen keine direkten Abholzungen zur Folge haben. Trotzdem kommt dem Regenwald Gesetzlosigkeit und Kriminalität auf keinen Fall zugute.

Manaus ist nicht die einzige Stadt, die von Gewalt durch das Drogengeschäft heimgesucht wird. Anders als die USA, hat es Brasilien bisher vermieden große Interventionen in benachbarte Länder, die Kokain produzieren, zu starten. Nichtsdestotrotz wurden die Kontrollen an den Grenzen von der brasilianischen Polizei verstärkt. Sie ist der Hauptakteur im Kampf gegen illegale Drogen.3

  1. Insightcrime: Soccer and security in Brazil: Organized crime in Manaus – 11.12.14 [] []
  2. The New York Times: Drug Trade Transforms an Amazon Outpost – 11.12.14 [] []
  3. The New York Times: Drug Trade Transforms an Amazon Outpost – 11.12.14 [] [] []

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