Illegaler Drogenhandel beschert ein Leben in Saus und Braus – solange es gut geht

Quelle: Wikimedia Commons | Bild: © n.v. -

Heute vor 21 Jahren wurde Pablo Escobar erschossen. Jetzt gewährt Sebastián Marroquín einen Einblick in das Leben des wohl bekanntesten und mächtigsten Drogenbosses aller Zeiten: Ein Anwesen mit Giraffen, Zebras und Nilpferden, das schon mal Zuwachs von einem 1-Millionen-Dollar Ara bekommt, monatliche Ausgaben in Höhe von 2000 Dollar für Gummibänder, um das anfallende Geld in Bündel zu schnüren, Personenschutz durch 40 Leibwächter. Woher Sebastían Marroquín das alles weiß? In Wahrheit heißt er Juan Pablo Escobar und ist der Sohn des kolumbianischen Drogenbosses. Marroquín hat ein Buch veröffentlicht, in dem er seine Kindheit im Hause Escobar schildert («Pablo Escobar: Mi padre»): „Er hat Kolumbien großen Schaden zugefügt, aber uns war er immer ein liebevoller Vater.“1

Wenn man so will, begann alles in den USA der siebziger Jahre: Kokain entwickelte sich zu einer Modedroge, ein Absatzmarkt war geschaffen – und Pablo Escobar wusste ihn zu nutzen. Zu seinen Hochzeiten kontrollierte er zwischen 80 und 100 Prozent des weltweiten Handels mit Kokain und erfand die Massenproduktion dieser Droge.1 1989 wählte das Magazin Forbes ihn zu den sieben reichsten Menschen der Erde.2 1989 war auch das Jahr, das als blutigstes in die Geschichte Kolumbiens eingehen sollte. Pablo Escobar lieferte sich zu dieser Zeit einen heftigen Krieg mit dem kolumbianischen Staat. Er ließ mehrere Spitzenpolitiker umbringen, unter ihnen auch der Präsidentschaftskandidat Luis Carlos Galán, aber auch zahlreiche Unschuldige, die sich zur falschen Zeit am falschen Ort befanden.3 10.000 Morde gehen indirekt oder direkt auf seine Rechnung. Mit seinen Geschäften verbreitete er Terror und Chaos, unter deren Folgen Kolumbien heute noch zu kämpfen hat.1 Trotzdem ist Kolumbiens Verhältnis zu Pablo Escobar gespalten. In Antioquia, seinem Heimatdepartamento, hat Escobar noch viele Verehrer. Ein Grund dafür ist Escobars soziales Engagement: Er finanzierte Kirchen, Sportplätze und Wohnhäuser, man nannte ihn oft „paisa Robin Hood“.4 2012 strahlte ein kolumbianischer Privatsender „Pablo Escobar, der Patron des Bösen“, aus, eine Telenovela über das Leben des Verbrechers. Bei der Premiere lag die Einschaltquote in Kolumbien bei 80 Prozent.5 Pablo Escobar – wie auch immer man zu ihm stehen mag –  ist zu einem kolumbianischen Mythos geworden.

Sein Sohn schmückt sich dennoch nicht mit seinem Namen. Das illegale Drogengeschäft ist brutal und schmutzig und wer sich durchsetzen kann, verschafft sich zwar Ruhm und Respekt, doch vertrauen kann man niemandem. Der Absturz ist nur eine Frage der Zeit. Marroquín beleuchtet in seinem Buch diese Zeit, die Phase nach Zusammenbruch des Escobar-Imperiums. Nach der Ermordung Pablo Escobars konnte seine Familie nicht mehr beschützt werden – vor Gläubigern und Rachsüchtigen – ein Grund weshalb Marroquín seine Identität wechselte. Ein Jahr lang bemühte sich Escobars Familie um Asyl, bis sie schließlich nach Argentinien auswanderte. Marroquín war damals 16. Bis heute leidet er unter dem Schmerz, den sein Vater in vielen Familien verursacht (hat) und ist um Versöhnung bemüht. Anlässlich von Dreharbeiten zu der Dokumentation „Die Sünden meines Vaters“ sprach sich Marroquín mit den Söhnen von Galán aus. Über den illegalen Drogenhandel sagt Marroquín: „Man hat auf lange Sicht keinen Nutzen davon. Das Leben wird zerstört.“2

Mit Pablo Escobar verschwand zwar das Medellín-Kartell, das Drogenproblem ist für Kolumbien damit aber nicht gelöst. Vielmehr ebnete Escobar den Weg für neue, kleinere Kartelle, die die Gewalt im Drogengeschäft weiterführen. Der Kampf gegen illegale Drogen gleicht einem Kampf gegen die Hydra: Zerschlägt man einen Kopf wachsen zwei neue.

Interessant wäre Marroquíns Einstellung zur jüngsten Legalisierungsdebatte in Kolumbien, denn er sieht die Gewalt des Drogenhandels durch dessen Verbot garantiert, genauso wie die damit verbundene Korruption und Rentabilität.1

  1. ABC: El hijo de Pablo Escobar «Mi padre me decía que no probara la droga» – 02.12.14 [] [] [] []
  2. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Ein Leben in Südamerika: Mein Vater, der Drogenboss – 02.12.14 [] []
  3. El Espectador: La caída de un capo – 02.12.14 []
  4. „paisa“ nennt man die Einwohner Antioquias []
  5. Süddeutsche Zeitung: Richtig guter Stoff – 02.12.14 []

Über carolin / earthlink

Die Globalisierung verbindet uns alle. Nur mit Bildung und Aufklärung kann sie sozial und ökologisch verträglich ablaufen. Dafür engagiere ich mich bei earthlink.
Dieser Beitrag wurde unter Fall abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.