Drogenhandel, Korruption und Armut sind Gründe für eine Flucht aus dem Kosovo

Der 17. Februar ist ein wichtiger Tag in der europäischen Geschichte. Heute vor sieben Jahren erklärte sich der Kosovo für unabhängig. Der Staat wurde mit seinen rund 1,8 Millionen Einwohnern von 190 Staaten anerkannt, jedoch von fünf EU-Staaten noch immer nicht. Der Kosovo gilt als eines der ärmsten Länder in Europa.

„Exodus“, so lautet das in den letzten Tagen am häufigsten benutzte Wort in den kosovarischen Medien. In den letzten Monaten haben tausende Kosovaren ihr Land fluchtartig verlassen. Mithilfe von Schleppern konnten sie illegal über die Grenze von Serbien nach Ungarn gebracht werden, um sich dann auf den Weg nach Österreich oder Deutschland zu machen.
Die Normalisierung der Beziehung zwischen Serbien und dem Kosovo durch ein neues Abkommen spielt eine wichtige Rolle. Die Kosovaren dürfen nun mit ihrem Personalausweis die Grenze übertreten.1 In den letzten Jahren sind immer mehr Menschen abgewandert. Der Unterschied ist nun, dass es einfacher ist, die Grenzen zu überschreiten. Das Brüsseler Abkommen zwischen Belgrad und Pristina wurde im April 2013 von Serbien und dem Kosovo nach zweijährigen Verhandlungen zur Normalisierung ihrer Beziehungen unterzeichnet. 2

Somit ist es nun einfacher, in die Stadt Subotica zu kommen, welche nicht weit von der ungarischen Grenze entfernt ist. Von hier bringen Schleuser ganze Familien für 250 bis 500 Euro pro Person über die Grenze nach Ungarn. Durch korrupte Geschäfte mit der serbischen und ungarischen Polizei sind laut Schätzungen bereits 30.000 bis 50.000 Kosovaren seit Jahresbeginn auf dem Weg nach Deutschland.

Die Gründe für die steigenden Zahlen von Migranten an Busbahnhöfen sind eine katastrophale wirtschaftliche Lage, eine Arbeitslosenquote von 40 Prozent und eine damit verbundene hohe Armut. Auch mit einer Festanstellung liegt der Durchschnittslohn nicht über 250 Euro im Monat, somit leben laut Angaben der Weltbank rund ein Drittel der Menschen unter der Armutsgrenze. Eine medizinische Versorgung wird meist nur gegen Bargeld vorgenommen.
Aber nicht nur die Armut treibt die Menschen aus dem Land. Der Kosovo zählt als Dreh- und Angelpunkt für Prostitution, Menschenschmuggel und Korruption sowie Drogen- und Waffenhandel.1

Auch die Tatsache, dass das Land seit Jahren vom Streit zwischen dem Kosovo und Serbien politisch gelähmt ist, hat sich bei den Wahlen im Juni 2014 gezeigt. Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis sich eine Regierungskoalition zusammengefunden hatte. In dieser Zeit herrschte ein Schwebezustand im Land und erst unter Druck der USA wurde eine Koalitionsregierung gebildet. Dies zeigt die politische Instabilität.

Der Kosovo weist eine sehr junge Bevölkerung auf, so ist jeder Zweite jünger als 25 Jahre. Durch den aussichtslosen Karriereweg entwickelte sich die Auswanderungswelle zum Schneeballeffekt. Ohne Beziehungen zu politischen Parteien hat man wenig Chancen auf Karriere.3

Trotz hoher internationaler Finanzhilfe konnte die Korruption noch immer nicht beseitigt und kein Rechtsstaat geschaffen werden. Seit der Unabhängigkeit 2008 hat die Regierung wenig dafür getan, das Klientelsystem abzuschaffen. Ohne eine Verbesserung im Land mit neuer wirtschaftlicher Perspektive wird es schwierig sein, den Exodus aufzuhalten.4

  1. Spiegel.de: Exodus aus dem Kosovo: Flucht aus dem gelähmten Land – Stand 17.02.2015 [] []
  2. Bpb.de: Kosovo – Stand 17.02.2015 []
  3. Derstandard.at: Massenflucht aus Kosovo – Stand 17.02.2015 []
  4. Nzz.ch: Stiller Exodus aus Kosovo – kompletter Artikel mittlerweile kostenpflichtig []

Über Anja / earthlink

Durch mein Studium der Internationalen Entwicklung in Wien, habe ich viel theoretisches Wissen erlernt, welches ich nun durch die praktische Erfahrung bei earthlink erweitern und verfestigen möchte.
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