Höchste Mordrate der Welt – Honduras‘ tragisches Schicksal

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„Libre, Soberana e Independiente“. So lautet der Wahlspruch der Republik Honduras, welches zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas gehört. Frei, souverän und unabhängig, wie der honduranische Wahlspruch besagt, ist das Land jedoch nicht. Honduras gilt inzwischen als gefährlichstes Land Mittelamerikas und nimmt bei der weltweiten Mordrate die traurige Spitzenposition ein. Mit über 90 Morden pro 100.000 Einwohner besitzt das mittelamerikanische Land die höchste Tötungsrate der Welt.1 Vor Ländern wie beispielsweise Kolumbien oder Südafrika, die in der Statistik inzwischen deutlich dahinter liegen.

Frei und unabhängig können in Honduras vor allem Drogenkartelle wirtschaften, die ähnlich wie in Mexiko, von einer ausufernden Korruption in der öffentlichen Verwaltung und im Justizsystem profitieren. Lediglich 20 Prozent der Morde werden aufgeklärt und die Schuldigen zur Rechenschaft gezogen. In Deutschland liegt die Aufklärungsquote zum Vergleich bei über 96 Prozent.2 Einschüchterung, Erpressung und Bestechung von Staatsträgern sind trauriger Alltag in einem Land, das in etwa der Größe von Bayern und Baden-Württemberg entspricht.

Von den Anbaugebieten in Kolumbien bis zu Konsumenten in Nordamerika gilt Honduras als wichtiges Drogentransitland. Schätzungen zufolge passieren jährlich zwischen 140 und 300 Tonnen Kokain das Land. Häufig wird Honduras auch als Zwischenstopp von Drogenkurierflügen zwischen Süd- und Nordamerika genutzt. Dies geschieht mit verheerenden Folgen für die eigene Wirtschaft und die Sicherheitslage. Neben Mord sind Raubüberfälle, Entführungen und Vergewaltigungen an der Tagesordnung. Mächtige Drogenkartelle bieten bei schlechter wirtschaftlicher Lage ein sicheres Einkommen. Häufig reicht der Einfluss mexikanischer Drogenkartelle auch in mittelamerikanische Länder wie Honduras. Auch dort, tausende Kilometer von Mexiko entfernt, terrorisieren Söldner und Kartelle Bürger und unterwandern staatliche Autoritäten.

Honduras‘ politisches System gilt seit dem Militärputsch 2009 als schwer beschädigt. Der damals amtierende Präsident Manuel Zelaya Rosales wurde vom Militär gestürzt, nachdem er per Referendum eine zweite Präsidentenamtszeit erlassen wollte. Als  Konsequenz daraus schlossen mehrere europäische Länder ihre diplomatischen Vertretungen. Die USA verurteilten das Vorgehen des Militärs als Staatsstreich.3Diese politische Instabilität führte zu einem rasanten Anstieg der Kriminalität. Kolumbianische Drogengangs nutzten die Ineffizienz staatlicher Strukturen im mittelamerikanischen Land zu ihren Gunsten. Honduras wurde zu dieser Zeit wichtigstes Transitland auf der Drogenschmuggelroute von Süd- nach Nordamerika, mit verheerenden Auswirkungen auf die Sicherheitslage, auch Jahre später.

Honduras‘ Mordrate liegt dabei deutlich über dem lateinamerikanischen Durchschnitt. Ein Land, das in der gewalttätigsten Region der Welt die traurige Spitzenposition einnimmt. Das Auswärtige Amt bemerkt: „Die Kriminalität in Honduras hat ein alarmierendes Ausmaß erreicht“. Ist das Auswärtige Amt in vielen Fällen nicht gerade für Verharmlosungen bei seinen Reise- und Sicherheitshinweisen bekannt, beschreibt es die aktuelle Lage in diesem Fall nicht nur für Reisende, sondern insbesondere für Einheimische sehr treffend. Libre, Soberana e Independiente entspricht nicht mehr der honduranischen Realität.

  1. insightcrime.org: Honduras: Executive Summary – Stand 3.3.2015 []
  2. statista.com: Entwicklung der polizeilichen Aufklärungsquote bei Mord seit 1994 – Stand 3.3.2015 []
  3. Spiegel Online: Staatsstreich: Militär verhaftet Honduras Präsident Zelaya – Stand 3.3.2015 []

Über Christian B. / earthlink

Wenn ich nicht gerade bei EarthLink ein Praktikum mache oder die Welt bereise, studiere ich an der JMU in Würzburg "Political and Social Studies". Inzwischen schon im 5.Semester. Ich interesse mich insbesondere für fremde Kulturen und entwicklungspolitische Themen. Diese Interessen versuche ich bei EarthLink einzubringen und die Arbeit einer NGO kennenlernen.
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1 Antwort zu Höchste Mordrate der Welt – Honduras‘ tragisches Schicksal

  1. Wilfried Dickes sagt:

    Habe mir den Bericht mehr fach durchgelesen,da ich als Deutscher in Honduras seid 11 Jahren lebe. Hier einige Daten die in Ihrem Bericht nicht vorkommen, President Zelaya wollte nicht nur einmal mehr seine Presidenten zeit verlaengern nein er wollte den Sozialismus ins Land holen und zusammen mit Chaves( Venezuela ) Honduras in ein Komunistisches Land verwandeln. Er hatte gegen das Honduranische Grundgesetz verstossen, daher blieb dem Kongress keine andere Wahl als dem Militaer den Befehl zugeben Zelaya abzusetzen, Hier ok gab es einige sachen die man haette nicht machen sollen, Ihn nach Costa Rica bringen waere nicht notwendig gewesen, aber um grosses Blutvergiessen zu vermeinden hat man dies halt getan. In der Zeit von Zelaya wurde der Drogentransport durch Honduras in richtung USA erst richtig gross, Flugzeuge konnten ohne weiteres hier voll mit Drogen landen, nichts wurde unternommen.
    Heute in der Regierung von President Hernández ist diez fast unmoeglich geworden, man hat zu fast 90 % den Drogen Strom durch Honduras in die USA, verringert. Die neue Polizei und der zusammenschluss von Militaer Polizei usw. FUSINA bringt Ihre fruechte heute am 9.Oktober.2015 ist Honduras nicht mehr unter den 10 Gefaehrlichsten Laendern der Welt, ja es gibt noch viel zu tun, aber Turisten wurden in der vergangenheit und werden auch heute nicht belaestigt, Hier kommen viele Urlauber an und finden Honduras wunderbar, heute kann ich als Deutscher hier lebend sagen es hat sich sehr sehr viel posotiv geaendert in Honduras.

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