Zurückdrängung der Kokainproduktion in Peru nicht geglückt

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Im Jahr 2013 war Peru weltweit der Hauptproduzent von Kokain, danach folgten Kolumbien und Bolivien. Im darauf folgenden Jahr plante die peruanische Regierung ein Substitutionsprogramm für Kokapflanzen in der fruchtbarsten Region des Landes, genannt VRAEM. Geplant war eine Initiative seitens der Regierung, 5.000 Hektar der Kokaplantagen durch andere Nutzpflanzen zu ersetzen. Als Ersatz wurde Kakao, Kaffee oder Ananas vorgeschlagen.12

Der in Peru einheimische Kokastrauch liefert das Alkaloid Kokain, ein süchtig machendes Betäubungsmittel. Das Kauen von Koka- Blättern ist jedoch seit Jahrhunderten in Südamerika verbreitet. Dies soll sehr wirksam gegen die gängige Höhenkrankheit sein. Die Blätter des Kokastrauches enthalten nur ein Prozent des als Kokain bekannten Alkaloids. Erst unter Beimischung von Streckmitteln und in pulverisierter Form findet man es dann als „Koks“ auf dem illegalen Markt. In Peru und anderen Andenregionen ist der „Mate de Coca“, ein Tee aus Kokablättern, als Nationalgetränk bekannt. Die Verarbeitung von Kokablättern zu Tee wird sogar staatlich gefördert. Den Tee gibt es fast überall im Supermarkt zu kaufen, in Deutschland fällt er jedoch unter das Betäubungsmittelgesetz.3

Leider hat Peru es letztes Jahr nicht geschafft, ein einziges Kokablatt in den Regionen Apurimac, Éne und Mantaro River Valley (VRAEM) in alternative Nutzpflanzen umzuwandeln. VRAEM ist Perus produktivste Koka-Anbau-Region. Ungefähr 200 Tonnen Kokain verlassen jährlich das Tal des Flusses. Peru erwirtschaftet damit noch immer ein Viertel der gesamten Kokain Produktion weltweit.1

Perus Landwirtschaftsminister Juan Manuel Benites meinte, es gibt zwei Gründe, dass die Substitution der Pflanzen nicht stattgefunden hat. Ein Grund für die Bauern, weiterhin Koka anzubauen, sei der hohe Preis für Kokablätter im letzten Jahr. Dies sei einfach lukrativer für sie. Würden sie auf alternative Pflanzen umsteigen, verdienten sie weniger Geld. Somit sei es schwierig gewesen, die Bauern von Regierungsseite umzustimmen. Außerdem werden laut Benites die Bauern von kriminellen Rebellengruppen unter Druck gesetzt, damit sie weiterhin Kokapflanzen anbauen und nicht mit der Regierung kooperieren.2

VRAEM Region zeigt die Schwierigkeit von Implementierungen bisheriger Ansätze zur Verminderung von Kokaanbau. Die Bauern wollen aus wirtschaftlichen und Sicherheitsgründen keine alternativen Pflanzen anbauen.

Der traditionelle Regierungsansatz, systematische Drogenvernichtung und der Abbau von Kokapflanzen zeigte keine guten Resultate. Im Juni letzten Jahres hat die Regierung die Maßnahmen zur Drogenvernichtung aufgrund der Sicherheitsbedrohungen seitens der maoistischen Rebellengruppe „Shining Path“ aufgegeben. Schon früher schützten die Guerillas für Drogenhändler die Koka-Plantagen. Regierungsbeamte, welche die Drogenplantagen zerstören wollten, wurden bedroht und oftmals umgebracht. Deshalb änderte 2014 die Regierung plötzlich ihr ursprüngliches Vorhaben: Anstatt 15.000 Hektar Kokaplantagen in der VRAEM Region auszulöschen, wurde nur eine freiwillige Substitution des Anbauguts in 5.000 Hektar von den Bauern verlangt.

Das Scheitern Perus, die Kokaproduktion zu reduzieren, ist ein anhaltendes Problem. Das Fehlen einer etablierten Regierungsstrategie, den Kokaanbau einzudämmen, vor allem in der VRAEM Region, ist hauptverantwortlich für Perus’ Rolle als weltweit größter Kokainproduzent.1

  1. Insightcrime: Peru’s Coca Substitution Program Stalls Before it Starts – Stand 04.03.2015 [] [] []
  2. Elcomercio: En el Vraem aún no se inicia la reconversión de hoja de coca – Stand 04.03.2015 [] []
  3. Drogenring: Kokain, die botanische Seite – Stand 04.03.2015 []

Über Anja / earthlink

Durch mein Studium der Internationalen Entwicklung in Wien, habe ich viel theoretisches Wissen erlernt, welches ich nun durch die praktische Erfahrung bei earthlink erweitern und verfestigen möchte.
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