Erreicht die afrikanische Volksdroge Khat bald Europa?

Khatstrauch

Bild: © World66 - Burao Photo Gallery [CC BY-SA 1.0] - Wikimedia Commons

Lange Zeit hörte man in Europa praktisch nichts von Khat. Doch in letzter Zeit gab es einige Vorkommnisse, die darauf schließen lassen, dass der Handel mit dem Strauch, der eine euphorisierende Wirkung hat , zunimmt. Jüngst wurden auf europäischen Flughäfen mehrere Kilo mit großem Wert auf dem Schwarzmarkt von Zollbeamten konfisziert.

Khat ist eine, vorwiegend im Osten Afrikas sowie im Jemen, konsumierte, zur entspannung benutzte, Alltagsdroge. Allerdings kann sie auch zu anderen Zwecken benutzt werden. Es gibt Berichte, nach denen die Zulus bereits 1879 Khat zu sich nahmen, um sich gegen die übermächtige britische Armee Mut zu verschaffen. Auch heutzutage berauschen sich Soldaten mit der Pflanze, um ihre Ängste zu überwinden. Berichten zufolge benutzen auch die Piraten vor Somalia das Rauschmittel exzessiv, um sich auf ihre gefährlichen Einsätze vorzubereiten.1 Zudem scheint Khat das von Selbstmordattentätern am häufigsten benutzte Narkotikum zu sein.2

Für eine leicht berauschende Wirkung werden die Zweigspitzen und jungen Blätter des Khatstrauches gekaut, zu kleinen Bällchen geformt im Mund gehalten und über einen langen Zeitraum immer wieder ausgesaugt. Durch die Mundschleimhaut werden somit die Wirkstoffe, vorwiegend Cathin, aufgenommen. Die Wirkstoffe entfachen ein euphorisierendes Gefühl und verdrängen Müdigkeit. Bei dauerhafter Einnahme kann es zu Schlaflosigkeit, Nervosität, Herzrasen und Magenproblemen kommen. Eine physische Abhängigkeit konnte noch nicht festgestellt werden, eine psychische allerdings schon.3

Das schlimmste sind jedoch die Langzeitfolgen. Im Jemen herrscht die höchste Rate an Mund, Speiseröhren und Zungenkrebs. Die Verbindung zu Khat ist kaum zu übersehen. Schuld seien laut einem lokalen Arzt die Pestizide, die beim Anbau der Pflanze benutzt werden. Die Bauern selbst achten kaum auf ihre Sicherheit. Außerdem fehlt Fachwissen, das eigentlich nötig wäre, um verantwortungsbewusst mit den Pestiziden umzugehen. Teilweise werden die Stoffe wöchentlich, statt nur einmal alle zwei Monate auf die Felder gespritzt. Viele der vor Ort benutzten Stoffe sind international längst verboten. Schutzkleidung wird so gut wie nicht benutzt. Das führt zu Krebs und Verätzungen an den Händen. Auch die Bevölkerung ignoriert Warnungen von Experten, die tag täglich gegen die Folgen der Droge kämpfen.4

Die Droge und ihre negativen Folgen sind hier schon lange bekannt. Zudem konsumiert kaum jemand in Europa Khat. Abnehmer sind vor allem Afrikaner, die in Großbritannien leben. Doch in letzter Zeit kam es an verschiedenen Orten in Europa zu Kontrollen, bei denen größere Mengen der Pflanze sichergestellt werden konnten. In Basel fanden Beamte Mitte Juli drei herrenlose Koffer. In ihnen waren insgesamt etwa 80 Kilo der Droge in Alufolie gepackt. Die Polizei geht davon aus, dass die Koffer über die Türkei nach Europa gekommen sind.5

Auch am Flughafen Tegel wurden große Mengen des Rauschmittels sichergestellt. Zwei Dänen versuchten, 63 Kilo der Droge an den Zollbeamten vorbei zu schleusen. Die Pflanzen, die in diesem Fall wahrscheinlich aus Äthiopien stammen, erreichen in nordischen Ländern einen Marktwert von 150 bis 250 Euro pro Kilogramm.6

Einen besonders beeindruckenden Fund machten Zollbeamte am Züricher Flughafen im April diesen Jahres. Dort konnten innerhalb von 14 Tagen über vier Tonnen der Droge beschlagnahmt werden. Damit handelt es sich um den größten Drogenfund in der Geschichte des Züricher Flughafens. Die Pflanzen waren als Tee, Henna oder Gewürze deklariert. Nur ein kleiner Teil der Sendungen sollten an schweizer Bürger gehen. Der Rest war an europäische, amerikanische und asiatische Adressen adressiert.7

Die Frage, die die Funde in Kontinentaleuropa aufwerfen ist, ob sich Khat in Europa als Droge etablieren kann. Es hätte bestimmt das Potential Marihuana als Freizeitdroge Konkurrenz zu machen. Interessant wird, wie oft die Pflanze in Europa in Zukunft auftaucht. Wenn europäische Staaten als Transitorte benutzt werden, ist der Weg zum Konsum der Pflanze nicht mehr weit.

  1. Süddeutsche Zeitung: Überleben mit Khat – zuletzt aufgerufen am 11.08.15  []
  2. Times of Malta: Is the khat plant a cultural weed? – zuletzt aufgerufen am 11.08.15 []
  3. Berliner Morgenpost: Drogenfund: Zoll stellt große Mengen des Rauschmittels Khat sicher – zuletzt aufgerufen am 11.08.15 []
  4. Die Zeit: Rauschmittel Khat: Jemens krebserregende Volksdroge – zuletzt aufgerufen am 11.08.15 []
  5. Verlagshaus-Jaumann.de: 80 Kilo Khat in drei Koffern – zuletzt aufgerufen am 11.08.15 []
  6. Berliner Morgenpost: Zoll stellt große Menge des Rauschmittels Khat sicher – zuletzt aufgerufen am 11.08.15 []
  7. Der Standard: Mehr als vier Tonnen Khat auf Züricher Flughafen entdeckt – zuletzt aufgerufen am 11.08.15 []

Über Alexander / earthlink

Ich bin Student der Volkskunde/Europäische Ethnologie und absolviere mein Pflichtpraktikum bei Earthlink um einen Einblick in die Arbeit von NGOs zu erhalten. Wichtig ist mir, dass ich schon während dem Praktikum bei der Aufklärung helfen kann.
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