Ein Jahr nach dem Verschwinden der 43 mexikanischen Studenten aus Iguala

Bild: © Sortica - Wikimedia Commons

Vor einem Jahr in der Nacht vom 26. auf den 27. September sind Studenten aus der pädagogischen Fachhochschule Ayotzinapa angegriffen worden. Die Ausmaße dieses Angriffs werden am nächsten Tag sichtbar. Acht Menschen sind tot, viele verletzt und 43 Studenten sind entführt.

Die Angriffe sollen vom korrupten Bürgermeister der Stadt Iguala angeordnet gewesen sein. Man geht davon aus, dass die örtliche Polizei anschließend den Überfall durchgeführt und die Studenten daraufhin verschleppt hat. Später wurden sie an die kriminelle Organisation Guerreros Unidos, übergeben, die im Bundestaat Guerrero beheimatet ist. Mitglieder der Bande haben mittlerweile bereits zugegeben, die jungen Menschen umgebracht und kremiert zu haben.1

Von diesen 43 Studenten fehlt bis heute jede Spur. Die Überreste eines der Opfer wurden inzwischen jedoch vom forensischen Institut in Innsbruck identifiziert. Anfang des Jahres erklärte die Generalstaatsanwaltschaft in Mexiko die Studenten für tot. Sie sollen alle bis zur Unkenntlichkeit verbrannt worden sein, so Jesús Murillo Karam (Generalstaatsanwalt). Die Familien der betroffenen Studenten bezweifeln jedoch diese offiziellen Aussagen.2

Anfang dieses Monats haben Experten in einem 500 Seiten langen Untersuchungsbericht die offizielle Version der Regierung widerlegt. Nach ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen sei es unmöglich gewesen, die 43 Studenten unter den vorgefundenen Konditionen zu verbrennen. Man bräuchte nämlich 30 Tonnen Holz, zwölf Tonnen Autoreifen und zusätzlich 60 Stunden Zeit, um Menschen bis zur Unkenntlichkeit zu verbrennen.

Desweiteren hat die Experten-Gruppe erhebliche Kritik an der Theorie eines lokalen Verbrechens geäußert. Die Studenten sollen schon am Nachmittag des 26. Septembers von der Bundespolizei und der Armee beobachtet worden sein.

Doch das tragische Ereignis vor einem Jahr ist leider kein Einzelfall. 26.000 Menschen sind in den letzten zehn Jahren in Mexiko verschwunden. Für Museumsdirektor Jorge Gálvez hat das Ganze System und ist ihm schon seit vielen Jahrzehnten bekannt. Früher seien die Themen, die hinter diesen Entführungen standen, andere gewesen, das Motiv jedoch das Selbe.

Seit den 70er Jahren verschwinden Menschen systematisch. In den 80er Jahren ging es dabei um den Kampf gegen den Kommunismus, dann der Terrorismus und heutzutage ist es eben der Kampf gegen die Drogenkartelle. Die Motive, warum die Menschen verschwinden, sind jedoch immer noch die Gleichen. Es sollen Tatsachen verheimlicht werden. Menschen, die kritisch sind und die womöglich kriminelle Machenschaften aufdecken und publik machen wollen, verschwinden. Meist junge Menschen – Studenten.

Das ständige und nicht aufklärbare Verschwinden von Personen verbreitet große Angst. Und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die Entführungen stattfinden. Wer sich in die Angelegenheiten der Drogenmafia mischt, muß mit dem Schlimmsten rechnen. So lautet die Botschaft, die derartige Verbrechen vermitteln sollen. Doch die internationale Aufmerksamkeit, die der Fall der 43 Studenten eregt hat, wird so schnell nicht abklingen. Es bleibt somit zu hoffen, dass dieses Verbrechen eines Tages endgültig aufgeklärt sein wird. Ob sich jedoch die Forderung und Hoffnung der Familien, „Lebend sind sie uns genommen worden, lebend wollen wir sie zurück!“, erfüllen werden, scheint zu diesem Zeitpunkt unwahrscheinlich.3

  1. Tagesschau: Ein Jahr ohne Spur – Artikel nicht verfügbar []
  2. Tagesschau: Alle 43 Studenten für tot erklärt – Artikel nicht verfügbar []
  3. Tagesspiegel: Ein Jahr nach dem Massaker gibt es mehr Fragen als Antworten – aufgerufen am 10.07.2017 []
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