Kommission widerlegt Regierungsbericht über verschwundene mexikanische Studenten

Bild: © (c) Tomloel - Dreamstime.com

Im September 2014 verschwanden in Mexiko 43 Menschen. Die Lehramtsstudenten waren Teil einer Gruppe von Personen, die nach Iguala gereist ist, um gegen diskriminierende Einstellungs- und Bezahlpraxen der mexikanischen Regierung zu protestieren. Nach Auseinandersetzungen mit der Polizei, bei denen sechs Studenten starben, entführte die Polizei die restlichen 43 Studenten und übergab sie laut dem offiziellen Bericht an Kartellmitglieder. Diese sollen die Demonstranten getötet und verbrannt haben. Eine neue, unabhängige Studie zweifelt, fast ein Jahr nach dem Vorfall, die offizielle Version des Skandals an. Ein großer Teil der Mexikaner glaubte der von der Regierung veröffentlichen Version nie.

Als Anfang Dezember, nach über zwei Monaten, die Identifizierung des ersten der 43 Studenten abgeschlossen war, hatte man noch die Hoffnung, dass sich dieser Fall bald klären könnte. Die mexikanische Regierung beantragte extra ausländische Hilfe um dem Verdacht entgegenzuwirken, hier könnte etwas vertuscht werden. So kamen Forensiker aus Argentinien, die die DNA-Proben sicherstellten. Das Gewebe wurde dann in Innsbruck untersucht. Man identifizierte einen der Studenten und erklärte nach Untersuchungen alle für tot. Das offizielle Gutachten geht davon aus, dass die anderen Studenten auf einer Mülldeponie bis zur Unkenntlichkeit verbrannt wurden.1 Trotz der Beteuerungen der Regierung, den Fall lückenlos aufklären zu wollen, zweifelten viele Mexikaner und Mexikanerinnen die Ergebnisse der Ermittlungen an.2  Wie sich kürzlich herausstellte, vielleicht zu Recht.

Ein unlängst veröffentlichter unabhängiger Untersuchungsbericht zweifelt viele der von Regierungsseite veröffentlichten Aussagen an. Einige zentrale Punkte widerlegt er sogar. Die Expertengruppe, die zu diesen Ergebnissen kommt, besteht aus unabhängigen Experten der „Inter-American human rights commission“. Vor allem die Behauptung des offiziellen Berichts, die Studenten seien auf einer Mülldeponie verbrannt worden, widerlegt die Kommission. Bereits Anfang des Jahres zweifelten Physiker die Verbrennung ohne Krematorium an. Eine derartige Verbrennung von so vielen Leichen sei nur in Krematorien, wie sie das Militär als einzige Institution in der Gegend betreibt, möglich.3  Auch bei den Aussagen der beteiligten Polizisten und Bandenmitgliedern, die angeblich an der Ermordung beteiligt gewesen sein sollen, finden sich Widersprüche. Zudem sei die Beweislage nach Ansicht der Kommission zu dünn, um verlässliche Aussagen über den Tathergang machen zu können. Der Vorwurf, das Verfahren möglichst schnell über die Bühne zu bekommen und zu den Akten zu legen, um die Lage zu beruhigen, steht im Raum.4

Die Entführung der Studenten hat zu Aufständen in ganz Mexiko geführt. Die Menschen protestieren seit dem Vorfall gegen die Gewalt, die mit dem War on Drugs im Land Einzug gehalten hat. Außerdem sind viele Mexikaner der Meinung, dass ihre Regierung korrupt ist und mit den Drogenbanden unter einer Decke stecke. Die seit Monaten anhaltenden Proteste haben auch am Image des Präsidenten Enrique Peña Nieto genagt. Dieser galt als Hoffnung für eine Modernisierung Mexikos. Seine Reaktion auf den neuen Bericht war eine Aufforderung an die Behörden, ihre Ermittlungen zu überprüfen.5

  1. Tagesschau.de: Alle 43 Studenten für tot erklärt – Artikel nicht verfügbar []
  2. Neue Züricher Zeitung: Mexikos Gegenwart ist zum Albtraum geworden – zuletzt aufgerufen am 07.09.15 []
  3. Spiegel Online: Verschwundene Studenten in Mexiko: Wahrheit unerwünscht – zuletzt aufgerufen am 07.09.15 []
  4. Spiegel Online: Untersuchungsbericht zu verschwundenen Studenten: Die Lügen der mexikanischen Regierung – zuletzt aufgerufen am 07.09.15 []
  5. The Guardian: Investigation into Mexico’s 43 missing student dismisses official story – zuletzt aufgerufen am 07.09.15 []

Über Alexander / earthlink

Ich bin Student der Volkskunde/Europäische Ethnologie und absolviere mein Pflichtpraktikum bei Earthlink um einen Einblick in die Arbeit von NGOs zu erhalten. Wichtig ist mir, dass ich schon während dem Praktikum bei der Aufklärung helfen kann.
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