Mexikos Kartelle werden kleiner. Das ist jedoch kein Grund zum Jubeln…

Bild: © Wikimedia Commons - golpepolitico

Das organisierte Verbrechen in Mexiko ist einem stetigen Wandel unterworfen. Um überlebensfähig zu sein, und um das Geschäft möglichst ungestört am Laufen zu halten, müssen die Kartelle den staatlichen Behörden stets einen Schritt voraus sein. Das tun diese Gruppen so erfolgreich, dass es in Mexiko eine Vielzahl an Orten gibt, in denen nicht mehr das Gesetz des Staates, sondern das der Kartelle gilt. Seit einiger Zeit ist ein weiterer Trend in der Entwicklung der Drogenbanden zu erkennen. Diese werden immer kleiner, statt zu wachsen.

Laut einem Bericht der Zeitung „La Cronica“ hat die Abteilung für organisiertes Verbrechen der mexikanischen Generalstaatsanwaltschaft sieben neue Kartelle identifizieren können. Sieben Kartelle klingt nach einer großen Zahl, wenn man an Organisationen wie das Sinola Kartell denkt. Der Begriff Kartell kann jedoch sehr irreführend sein. Mit den neuen Gruppen, die von den mexikanischen Behörden identifiziert werden konnten, handelt es sich um relativ kleine Organisationen.

Das liegt daran, dass sich die Struktur des organisierten Verbrechens in Mexiko generell gewandelt hat. Nachdem es der ehemalige mexikanische Präsident Felipe Calderon mit seiner „Kingpin Strategie“ geschafft hatte, viele höher gestellte Drogenbosse entweder umzubringen, oder ins Gefängnis zu stecken, teilten sich die großen Kartelle in viele kleinere Gruppen. Auch das Sinaloa Kartell kann eher als ein loses Bündel verschiedener Organisationen gesehen werden, als eine fest zusammengehörende Gruppe.

Die meisten dieser Banden beschränken sich inzwischen auch auf kleinere, lokale Geschäfte. Nur einige Organisationen sind noch im internationalen Schmuggelmarkt etabliert. Die Hierarchie dieser Banden ist relativ flach. Sie formen Netzwerke und koordinieren sich, wenn ihre Ziele vereinbar sind, oder sie aus der gleichen Übergruppe hervorgegangen sind.1

Diese neue Strategie macht es den Behörden schwer das organisierte Verbrechen zu bekämpfen. Statt wie früher mit einem oder ein paar Schlägen der Organisation den Kopf abzuhauen, hat man nun viele kleine Gruppen, die zerschlagen werden müssen. Durch die geringe Größe der Truppe, kann diese schnell von einem Ersatzmann geführt werden. Sollte dies nicht der Fall sein, und die Gruppe tatsächlich zerschlagen werden, gibt es eine Vielzahl von Organisationen in der unmittelbaren Umgebung, die den Platz der alten einnehmen können. Außerdem sind diese kleinen Gruppen mobiler und nicht so leicht auszumachen wie eine große. Mit dieser neuen Strategie wirken die Gebiete Mexikos wie ein Flickenteppich voll mit krimineller Energie.

Die Behörden sehen jedenfalls relativ hilflos aus. In Mexiko und dem Süden der USA ist es seit längerem fast schon normal, dass sich Bürgerwehren formieren, um dem Drogenschmuggel und der organisierten Kriminalität Einhalt zu gebieten. Besonders eindrucksvoll zeigt das der Film „Cartel Land“ von Mathew Heineman. Dafür begleitete der Filmemacher Bürgerwehren auf beiden Seiten der Grenze. Auf mexikanischer Seite filmte er Menschen, die sich bewaffnen, um gegen die organisierte Kriminalität zu kämpfen. Diese Gruppen haben nicht nur Probleme mit den Kartellen, auch der Regierung sind sie ein Dorn im Auge. Auf Seiten der USA begleitete Heineman eine Gruppe von Amerikanern, die Drogen und Menschenschmuggel unterbinden wollen. Beide Gruppen sind schwer bewaffnet und glauben nicht an das Gewaltmonopol des Staates.2  Dass diese Entwicklung mehr als bedenklich ist, steht außer Frage. Erstens rutschen solche Gruppen oft – trotz bester Vorsätze – selbst in die Kriminalität ab, zweitens gibt es niemanden, der sie kontrollieren kann. Jede Form von Selbstjustiz kann gefährliche Ausmaße annehmen. Und drittens wird die Lage für den Staat immer unübersichtlicher, je mehr Menschen sich diesen Banden anschließen. Zwar ist es schlimm, wenn diese Leute sich selbst überlassen um ihr Leben fürchten müssen. Doch können mehr Waffen und noch mehr Gruppen, die im Schatten des Staates existieren, nicht die Lösung sein.

  1. InSight Crime: Mexico: Land of Cartels? – zuletzt aufgerufen am 01.09.15 []
  2. VoA: „Cartel Land“ Offers Front Row Seat to US-Mexico Drug War – zuletzt aufgerufen am 01.09.15 []

Über Alexander / earthlink

Ich bin Student der Volkskunde/Europäische Ethnologie und absolviere mein Pflichtpraktikum bei Earthlink um einen Einblick in die Arbeit von NGOs zu erhalten. Wichtig ist mir, dass ich schon während dem Praktikum bei der Aufklärung helfen kann.
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