15 Jahre Plan Colombia – Erfolge und Misserfolge des War on Drugs

FARC-Rebellen im kolumbianischen Dschungel. | Bild: © Institute for National Strategic Studies - Wikimedia Commons

Im Jahr 2000 wurde der „Plan Colombia“ gestartet. Nach gut 15 Jahren ist es nun Zeit, eine Bilanz zu ziehen. Welche Erfolge wurden erzielt – und wo wurde Schaden angerichtet?

Unter dem Plan Colombia werden verschiedene Strategien im Kampf gegen den Drogenhandel und für die Stärkung des kolumbianischen Militärs zur Rückeroberung von Guerrilla-Gebieten verstanden. Finanziert wird er von den USA – mit bisher über  zehn Milliarden US-Dollar. Ziel war es, Kolumbien aus dem Griff der Drogenmafia, der Guerrillas und rechter Paramilitärs zu befreien und wirtschaftlich wieder aufzubauen. Dafür wurden einerseits Drogenpflanzen, vornehmlich Koka-Sträucher, massiv mit Herbiziden, darunter Glyphosat, besprüht. Andererseits wurden die Kapazitäten des kolumbianischen Militärs gestärkt. Teilweise wurde darüber hinaus versucht, Koka-Bauern durch gewisse Anreize zum Anbau legaler Landwirtschaftsprodukte zu bewegen.

Heute scheinen sich viele Dinge in Kolumbien zum Besseren gewendet zu haben, verglichen mit den Zuständen zu Beginn der 2000er Jahre: Die Wirtschaft ist eine der stärksten des lateinamerikanischen Kontinents, die Zahl der Gewalttaten ist stark zurückgegangen und das Land steht an der Schwelle zum Frieden: Die Guerrillas der FARC zeigen sich bereit, innerhalb der nächsten Monate einen Friedensvertrag mit der kolumbianischen Regierung zu unterzeichnen, über den seit 2012 verhandelt wird.

Doch es lässt sich nicht abstreiten, dass die Kosten für den Gewinn an Sicherheit und Stabilität hoch waren. Von 2000 bis 2003 wurden über 1,8 Millionen Menschen durch die brutale Gewalt der Paramilitärs oder das Versprühen von Pestiziden vertrieben.1  Die Paramilitärs fungierten als strategische Verbündete der kolumbianischen Regierung, die Menschen, die im Verdacht standen, die Guerilleros zu unterstützen, terrorisierten.2 Doch auch Regierungstruppen waren in Skandale verwickelt: So töteten sie 3000 Zivilisten zwischen 2002 und 2008, die sie als „false positive cases“ ausgaben, also als angebliche Rebellen.3

Hinzu kommt, dass der Kampf gegen den Anbau von Koka nicht zu fruchten scheint: Waren es im Jahr 2013 noch 48.000 Hektar Land, auf dem Koka angebaut wurde, stieg die Zahl UN-Angaben zufolge im Jahr darauf bereits auf 69.000 Hektar.4

Eine rein positive Einschätzung des Plan Colombia, wie sie die amerikanische Regierung vornimmt, ist also keineswegs gerechtfertigt. Vielmehr ist jetzt eine Neuausrichtung des noch laufenden Projekts notwendig: Noch ist der Plan stark auf die Unterstützung des Militärs und den Drogenkrieg ausgerichtet. Doch die aktive Unterstützung des Friedensprozesses in Kolumbien wird nun immer wichtiger. Dies beinhaltet auch die Rückgabe von Ländereien an Vertriebene und die Entschädigung der vielen Opfer des jahrelangen gewaltsamen Konflikts.5

  1. guardian. com: Plan Colombia´s mixed legacy: coca thrives but peace deal may be on horizon – Artikel vom 03.02.2016 []
  2. amerika21.de: 15 Jahre Plan Colombia – eine Bilanz – Artikel vom 09.03.2016 []
  3. washingtonpost.com: Colombian army killed civilians to fake battlefield success, rights group say – Artikel vom 24.06.2015 []
  4. bbc.com: Has Plan Colombia really worked? – Artikel vom 04.02.2016 []
  5. dw.com: Santos hofft auf neuen „Plan Colombia“– Artikel vom 04.02.2016 []
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