Wenn die Heimat nicht mehr sicher ist – Lateinamerikaner auf der Flucht vor Gewalt

Flüchtlinge Zentralamerika

Flüchtlinge in Honduras. | Bild: © Linda Hess Miller - Wikimedia Commons

Die Angst vor Gewalt durch kriminelle Drogenorganisationen ist weit verbreitet in der Bevölkerung Lateinamerikas – und sie treibt Menschen in die Flucht. Das gilt insbesondere für das „Nördliche Dreieck“ Lateinamerikas, also für die Länder El Salvador, Guatemala und Honduras. Dort sind die Mordraten sowie die Zahl der Entführungen besonders hoch. Die Einwohner müssten ständig um ihre Sicherheit bangen. Dies ist – noch vor Armut und Arbeitslosigkeit – der wichtigste Grund, warum sie sich in Richtung der USA aufmachen, auf der Suche nach einem besseren Leben.

Die US-amerikanischen Behörden reagieren auf diese Situation mit einer Strategie der Abschreckung: Sie betonen, wie gefährlich die Flucht durch Zentralamerika sei und wie gering die Chancen stünden, dauerhaft in den USA bleiben zu können, wenn die Flüchtlinge es denn bis dorthin schafften. Doch diese Vorgehensweise scheint nicht zu funktionieren: In der Regel wissen die Migranten sehr gut über die Gefahren Bescheid, in die sie sich begeben. Sie machen sich dennoch auf den Weg. Das zeigt, dass die Angst davor, im Heimatland zu bleiben, stärker ist als die vor der Flucht. Migrationsexperten machen deutlich: „Diejenigen, die Verfolgung und Gewalt erleben, lassen sich nicht durch strikte Grenzkontrollen, Migrationsgesetze oder Abschreckung aufhalten.“ Hinzu kommt, dass Abschiebungen von Migranten oft kontraproduktiv sind: Besonders junge Menschen, die nicht in den USA bleiben können und zurück in die Perspektivlosigkeit geschickt werden, könnten sich Drogengangs anschließen. Nötig wären daher Reintegrationsprogramme, die  Jobs und eine Zukunft abseits der Kriminalität bieten.1

Doch Menschen fliehen nicht nur ins Ausland. Laut dem neuesten Bericht des Norwegian Refugee Council’s Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC) ist die Zahl der Binnenflüchtlinge im Nördlichen Dreieck seit Jahren sehr hoch, in den letzten beiden Jahren ist sie noch einmal gestiegen. Etwa 848.000 Menschen aus dieser Region mussten demnach ihre Heimat verlassen.2  In dem kleinen  Land El Salvador mit sechs Millionen Einwohnern waren es 289.000. Zum Vergleich: Aus Mexiko wird von 287.000 intern Vertriebenen berichtet. Mexiko aber hat 122 Millionen Einwohner.3

Problematisch ist, dass die interne Vertreibung von den Behörden der betroffenen Länder oft kaum wahrgenommen wird – weshalb die Flüchtlinge in der Regel nicht mit Schutz und Unterstützung rechnen können. Die Staaten setzen viel mehr auf Sicherheitsmaßnahmen anstatt auf Opferschutz.2

Dabei wäre der bitter nötig: In El Salvador beispielsweise sind die Mehrheit der Flüchtlinge Frauen und Kinder. Sie leiden am meisten unter Kriminalität, Bedrohung durch Drogengangs und sexueller Gewalt – vor, während und nach der Flucht. Diesem Problem ist mit militärischen Mitteln, wie sie in dem von den USA lancierten War on Drugs in Lateinamerika zum Einsatz kommen, nicht zu begegnen. Stattdessen fordern zivilgesellschaftliche Gruppen staatliche Programme, die Geflüchteten Bildung, Arbeit und ein angemessenes soziales Umfeld bieten – und damit eine echte Perspektive.4

  1. insightcrime.org: Crime, Violence Driving Migration from Central America: Reports – Artikel vom 02.03.2016 []
  2. internal-displacement.org: Global Report On Internal Displacement – Stand: 13.05.2016 [] []
  3. insightcrime.org: Criminal Violence Has Displaced Millions in Latin America: Report – Artikel vom 12.05.2016 []
  4. lawg.org: No Life Here: Internal Displacement in El Salvador – Artikel vom 18.02.2016 []
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