Afghanistan benötigt die militärische Unterstützung der USA im Kampf gegen die Drogengangs

Die Region Helmand in Afghanistan ist bekannt für illegalen Drogenanbau | Bild: © ISAF Headquarters Public Affairs Office [Public domain] - Wikimedia Commons

Ursprünglich wollten die USA den Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan beschleunigen. Bis Ende 2016, so verkündete Präsident Obama stolz, solle der Rückzug vollzogen sein. Aufgrund der katastrophalen Sicherheitslage mussten die Pläne jedoch wieder zurückgenommen werden. Im Oktober 2015 verkündete das Weiße Haus schließlich, dass auch noch im Jahr 2017 über 5.000 Soldaten in Afghanistan stationiert sein werden, um die lokalen Regierung  im Kampf gegen den Terror und bei der Ausbildung von Sicherheitskräften zu unterstützen.1

Die Erstarkung der Taliban stand dabei im direkten Zusammenhang mit der restriktiven Afghanistan-Politik der letzen Jahre. Diese beinhaltete neben der Senkung der Truppenanzahl auch die Einschränkung der Zusammenarbeit mit den afghanischen Sicherheitsdiensten. So musste das amerikanische Militär vor dem Einsatz ihrer Luftwaffe zunächst Politiker und Anwälte im eigenen Land von den  Plänen überzeugen. Infolge des langwierigen bürokratischen Prozesses und der fehlenden Unterstützung durch das amerikanische Militär, erhöhte sich dramatisch die Zahl der toten Soldaten, Polizisten und Zivilisten bei den Einsätzen.1

Vor Ort ist die amerikanische Luftwaffe inzwischen durchaus erwünscht. Die afghanischen Streitkräfte betonen, dass sie ohne die Unterstützung der USA die mit der Taliban kooperierenden Drogenbanden nicht besiegen können. Infolge einer strategischen Änderung  konzentrierte die Terrormiliz ihre Gewalt auf die Gegenden, in denen der Schlafmohn angebaut und verarbeitet wird. Eines dieser Gebiete ist Helmand, wo die aus  Pakistan geschmuggelten Chemikalien in sogenannten portablen Laboren an Ort und Stelle zu Heroin umgewandelt werden können. Ein Drittel der Fläche befindet sich inzwischen schon unter der Kontrolle der Taliban. Um die Region zurückzuerobern, wird die Unterstützung der amerikanischen Luftwaffe dringend benötigt.

Erforderlich war die Beschränkung auf strategisch wichtige Gebiete durch die Taliban insbesondere aufgrund der veränderten Haltung der Bevölkerung gegenüber der Droge. In weiten Teilen des Landes ist das Rauschgift verhasst. Über fünf Prozent der Afghanen sind inzwischen abhängig. Die lokalen Funktionäre kooperieren nicht mit der Mafia, weil sie bei ihrer Familie in Ungnade fallen würden. Dabei ist ihnen der Export der illegalen Droge egal. Sie machen sich ausschließlich Sorgen um die Drogen, die im Inland verkauft werden. (( strategypage.com: Bad News For The Bad Guy – Artikel vom 13. Juni 2016 ))

Auch die regionalen Stammesführer sind  gegen die Taliban aufgebracht. Mehr  als 3.500 afghanische Zivilisten wurden 2015 von Drogengangs getötet. Ausgestattet mit Waffen und schnellen Fahrzeugen der Taliban machen sie die ländlichen Gebiete noch gefährlicher. Für Familien sind die Gegenden fast schon unbewohnbar. Als Antwort darauf haben die Stammesführer eine halbe Million Zivilisten zum Kampf gegen die Drogengangs aufgefordert und auf diese Art die Gewaltspirale weiter beschleunigt. 

Auch wenn die Taliban sich der Haltung der Bevölkerung und Stammesführer bewusst sind, sind sie auf das Geld der Drogengangs angewiesen, um den Kampf gegen die  Regierung zu finanzieren. Die Kooperation sieht vor, dass die Drogenbanden einen großen Anteil ihrer Profite abgeben und im Gegenzug Sicherheitsdienste erhalten. Noch im Jahr 2001 wäre eine Zusammenarbeit mit der Mafia unter diesen Umständen undenkbar gewesen. Damals wurden die Drogenproduzenten gezwungen, annähernd ihre gesamten Produkte zu exportieren. Zuwiderhandlungen wurden mitunter hart bestraft. Erst nach dem Machtverlust kooperierte die islamistische Miliz in veränderter Form mit den Drogenhändlern.2

Mit dem Rückzug der amerikanischen Truppen schien das Modell auch für einige Regierungsmitglieder als mögliche Lösung infrage zu kommen. Durch lokale Kooperation mit den Drogenbanden erhofften sich einige Abgeordnete eine Stabilisierung in den betroffenen Regionen. Diese Maßnahme wäre vor Abzug der US-Truppen nicht möglich gewesen, da die USA drohte, das NATO-Programm zu beenden, falls der Staat in irgendeiner Form mit den Drogenhändlern zusammenarbeite.  Da die Amerikaner nun aber wieder zurückrudern und eine militärische Lösung abzusehen ist, werden die Pläne der Regierung wohl nicht umgesetzt werden.

Hintergrund:

9/11 nahmen die USA zum Anlass, sich militärisch im  Nahen Osten zu engagieren. Damals war es das Ziel, die seit 1996 herrschende Taliban-Regierung zu stürzen und auf diese Art die Terrororganisation al-Qaida zu bekämpfen. Dazu gingen die Vereinigten Staaten in Afghanistan ein Bündnis mit der Anti-Taliban-Allianz ein, deren Truppen mithilfe der US-Luftwaffe  die Hauptstadt Kabul zurückeroberten und einen Interimsregierung unter Präsident Hamid Karzai einsetzten. Zum Schutz dieser Regierung und zur Unterstützung des Wiederaufbaus wurde durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im Dezember 2001 eine von NATO-Staaten und mehreren Partnerländern gestellte Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe (International Security Assistance Force, ISAF) mandatiert. Die ersten ISAF-Soldaten trafen im Januar 2002 in Afghanistan ein. Zunächst beschränkte sich das Einsatzgebiet auf Kabul und Umgebung, wurde ab 2003 aber auf das ganze Land ausgeweitet. Die Einsätze der NATO wurden öffentlich scharf kritisiert, da es immer wieder zu zivilen Opfern kam. Trotz anhaltender Gewalt wurde im November 2010 schließlich der Rückzug aus Afghanistan beschlossen.  Die Verantwortung für die Sicherheit sollte bis Ende 2014 an die einheimischen Sicherheitskräfte übertragen werden.3

Quelle: http://www.strategypage.com/qnd/afghan/20160613.aspx

  1. zeit.de: Obama verzögert Abzug aus Afghanistan – Artikel vom 15. Oktober 2015 [] []
  2. spiegel.de: BND-Bericht: Taliban profitieren von Drogenanbau in Afghanistan – Artikel vom 17. Dezember 2014 []
  3. bpb.de: Das Ende der ISAF Mission in Afghanistan – Artikel vom 16. Dezember 2014 []

Über Marleen / earthlink

Nach meiner Ausbildung zur Investmentfondskauffrau in Frankfurt habe ich mich entschlossen für ein Praktikum die Seiten zu wechseln und entwicklungspolitische Probleme zu untersuchen. Dafür bin ich ins wunderschöne München gereist und unterstütze von nun an für sechs Wochen das Earthlink-Team. Ich freue mich auf spannende Themen und die Analyse internationaler Beziehungen und Konflikte :)
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