Kolumbianische Drogenkartelle auf dem Vormarsch: die organisierte Kriminalität breitet sich immer weiter aus, auch in Europa

Während sich der amerikanische „war on drugs“ auf Mexiko konzentriert, expandieren kolumbianische Kartelle zunehmend nach Europa. Mit den Drogen kommt auch die Gewalt.

In den vergangenen fünf Jahren konnten einige der bekanntesten kolumbianischen Drogendealer festgenommen werden. Dass hochrangige Kriminelle wie Daniel „El Loco“ Barrera und Urabeños  Mitglied Henry „Mi Sancre“ de Jesus Lopez aus dem Verkehr gezogen worden sind, ist natürlich ein Erfolg im Kampf gegen Drogen und Gewalt. Alarmierend ist jedoch, dass einige von ihnen in Ländern aufgegriffen wurden, die bis dahin noch keinen tieferen Bezug zum kolumbianischen Verbrechen zu haben schienen. Das zeigt, wie weit sich die Fänge der kolumbianischen Drogenkartelle in jüngster Zeit ausgebreitet haben. Als Mexiko zu Beginn der 90er Jahre Kolumbien den Rang des lateinamerikanischen Landes mit der stärksten organisierten Kriminalität ablief, richtete sich auch das Augenmerk der US-amerikanischen Behörden auf Mexiko. Im Schatten der mexikanischen Kartelle erweiterte die jüngste Generation krimineller kolumbianischer Gruppen ihr Gewaltnetzwerk kontinuierlich in Lateinamerika und Europa.1

Um hochrangige Bandenmitglieder wie Henry Lopez aus dem Schussfeld der kolumbianischen Polizei zu nehmen, werden sie von ihren Kartellen oft in andere lateinamerikanische Länder wie Argentinien geschickt. Auch wegen des ansteigenden Drogenkonsums der Argentinier ist das Land bei Drogendealern beliebt, denn durch die erhöhte Nachfrage kann der Umsatz der eigenen Drogen gesteigert werden. Das so erwirtschaftete Geld wird in Kokainlieferungen nach Europa investiert, was das eigentlich gewinnbringende Geschäft von Drogenclans wie den Urabeños ist.1

Wie fest das Standbein kolumbianischer Drogenkartelle in Spanien steht, zeigen mehrere Verhaftungen hochrangiger Drogendealer in Spanien. So wurde zum Beispiel „Duque“, der Kopf derUrabeños  in Spanien in der spanischen Stadt Cali festgenommen. Im Auftrag der Urabeños war er dort für die Ausbreitung des Drogennetzwerkes in Europa zuständig. Die Urabeños sind die vielleicht gewaltbereiteste und skrupelloseste Drogenorganisation Kolumbiens und begannen sich nach dem Rückzug des verfeindeten Rastrojos-Syndikates in Spanien auszubreiten.2

Spanien ist für kolumbianische Kartelle das ideale Trittbrett auf dem Weg nach Europa, nicht zuletzt weil in beiden Ländern spanisch gesprochen wird und Ende 2015 die europäische Visumspflicht für Kolumbianer abgeschafft wurde, was die illegale Einfuhr von Drogen erheblich erleichtert.3 Zudem wenden sich kolumbianische Kartelle vorwiegend Europa zu, da der US-amerikanischen Drogenmarkt von mexikanischen Kartellen dominiert wird und bei der Drogeneinfuhr nach Spanien ein geringeres Risiko besteht entdeckt zu werden.4

Mit den Drogen breitet sich auch die Gewalt in Europa aus, denn um die Stellung auf dem Kontinent zu festigen und Verbindungen zu lokalen Gangs herzustellen, werden einige der gefährlichsten und gewaltbereitesten Syndikatsmitglieder aus Kolumbien geschickt. Anfang 2014 konnte der kolumbianische Auftragsmörder Juan Alejandro Roldan Puentes in Madrid verhaftet werden, nachdem er im Auftrag der Rastrojos Kontakt zu den Hells Angels aufgenommen und mehrere Morde begangen hatte. Ihm werden auch Verbindungen zu mexikanischen Kartellen nachgesagt.2

Dass der zunehmende Rauschgifttransport über Spanien auch Auswirkungen auf die örtliche Bevölkerung hat, ist kaum überraschend. So ist der Kokainkonsum junger Erwachsener in Spanien nach Australien der zweithöchste in den westlichen Ländern.5

  1. insightcrime.org: Mapping Colombia’s Drug Trafficking Diaspora; 22. Juni 2016 [] []
  2. insightcrime.org: Colombia Hitman Arrested in Spain Was ‚Rastrojos Europe Link‘; 21. Januar 2014 [] []
  3. latina-press.com: Kolumbien: Keine Visumspflicht für Schweiz und europäischen Schängen-Raum; 1. Dezember 2015 []
  4. insightcrime.org: Colombia Hitman Arrested in Spain Was ‚Rastrojos Europe Link‘: 21. Januar 2014 []
  5. tagesspiegel.de: Spanien: Das Drehkreuz für Drogen; 17. Januar 2013 []
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