Neue Routen nach Europa: Kokainschmuggel über das Meer

Hafen Rotterdam

Etwa 25 bis 50 Prozent des nach Europa verschifften Kokains kommt im Hafen von Rotterdam an. | Bild: © Alpha.prim~commonswiki [Gemeinfrei] - Wikimedia Commons

Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht hat kürzlich ihren neuen Bericht vorgelegt. Darin wird deutlich, wie lateinamerikanische Drogengangs die weltweiten Schiffrouten nutzen, um ihre Ware nach Europa zu schaffen.

Häfen  in Kolumbien, Brasilien und Venezuela gelten dabei als zentrale Ausgangsorte für den Kokaintransport. Dort wird die illegale Ware auf Schiffe und private Yachten geladen. Oft stellt das kein großes Problem dar, denn Korruption ist weit verbreitet und die Sicherheitsbehörden sind meist nicht gut genug ausgestattet, um den Kampf gegen den Drogenhandel auch in den Häfen zu forcieren.

Als wichtigste Transitzonen im Drogenverkehr dienen die Karibik – hier insbesondere die Dominikanische Republik und Jamaica –  sowie Westafrika. Dort spielen vor allem die Bucht von Benin,  Kap Verde und die Kanarischen Inseln eine wichtige Rolle.

Ist das Kokain auf der anderen Seite des Atlantiks angekommen, wird es hauptsächlich nach Süd- und Westeuropa weiter verschifft. In Spanien und Italien werden immer wieder große Mengen Kokain sichergestellt. Aber auch über die großen, weiter nördlich gelegenen Häfen gelangt die Droge auf den Kontinent: Zu nennen sind hier insbesondere Rotterdam in Holland, Antwerpen in  Belgien sowie der Hamburger Hafen.

Doch was genau macht den Schiffverkehr so attraktiv für Drogenhändler? Zum einen können auf diese Weise viele verschiedene Routen nach Europa ausgenutzt werden. Zum anderen können auf Schiffen große Mengen Kokain transportiert werden. Hinzu kommt, dass die Container kaum kontrolliert werden: In Rotterdam beispielsweise werden nur 50.000 der elf Millionen Container, die den Hafen jedes Jahr passieren, überprüft.

Das große Geschäft mit dem Kokainhandel machen vor allem kolumbianische sowie italienische Drogengangs, die mit Gruppen aus den Niederlanden, Großbritannien, Spanien und Nigeria zusammenarbeiten. Dabei machen sie sich unter anderem die sogenannte „Rip-on/Rip-off-Technik“  zunutze: Korrupte Hafenmitarbeiter laden die Drogen in allgemein gebräuchliche Container um, indem sie deren Sicherheitssiegel erst zerstören und dann nachträglich neue Siegel anbringen. So wird es immer schwieriger für die Behörden, das Kokain aufzuspüren.

Das größte Problem ist aber, dass der Schiffsverkehr bisher einfach zu wenig Aufmerksamkeit durch Drogenfahnder bekommt. Dieser Sektor wird im Kampf gegen das organisierte Verbrechen oft übersehen. Das macht es für die Drogenhändler leicht, hier zu operieren.

In dem vorgestellten Bericht wird außerdem deutlich, dass sich diese Entwicklung wohl fortsetzen wird. Denn der europäische Kokainmarkt wirft hohe Margen ab, während die Gewinne auf dem US-Markt momentan eher stagnieren. Für den Handel mit dem weißen Pulver wird Europa immer wichtiger.1

  1. insightcrime.org: New Report Offers Details on Cocaine Traffic to Europe – Artikel vom 02.05.2016 []
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