Zwischenbilanz im mexikanischen „War on Drugs“: steigende Mordrate trotz des Rückzugs von Kartellen

Das mexikanische Militär kämpft gemeinsam mit der Polizei gegen das organisierte Verbrechen. Die Zivielbevölkerung steht dem "War on Drugs" mit gemischten Gefühlen gegenüber.

Das mexikanische Militär kämpft an der Seite der Polizei gegen das organisierte Verbrechen | Bild: © Eneas De Troya [CC BY 2.0] - Flickr

Vergangene Woche wurden im mexikanischen Bundesstaat Guerrero innerhalb von zwölf Stunden acht Morde gemeldet.1 Das ist ein weiterer Hinweis darauf, dass die Kriminalität in dem Land  zunimmt. Dabei bekämpft die mexikanische Regierung Drogenhandel und organisiertes Verbrechen hartnäckiger denn je. Einer US-amerikanischen Studie zufolge zeichnen sich sogar zumindest Teilerfolge ab. Leider hat das lateinamerikanische Land auch immer wieder herbe Rückschläge im „War on Drugs“ zu verkraften.2

 

Die Tötungsrate steigt in Regionen mit starker Kartellpräsenz

Im Mai 2016 stiegen die Morde in Mexiko auf die höchste Zahl der vergangenen vier Jahre. Mindestens 1.746 Menschen verloren gewaltsam ihr Leben. Das ist der höchste Wert seit dem Amtsantritt von Präsident Peña Nieto.1 Als gefährlichste Kartelle gelten „Jalisco New Generation“ (CJNG) und „Sinaloa“. In 15 der 31 Bundesstaaten Mexikos operiert mindestens eine der beiden Organisationen. Am gefährlichsten sind Regionen wie Guerrero, in denen mehrere kriminelle Gruppierungen um die Vormachtstellung konkurrieren. Der Bundesstaat im Süden Mexikos ist der letzte, in dem CJNG und das Sinaloa-Kartell den Drogenhandel untereinander aufteilen müssen. Ein Beleg für die aus dem Konflikt resultierende Gewalt ist die ansteigende Tötungsrate in dem Staat.3 Mit circa 56,5 Morden pro 100.000 Einwohner war sie 2015 die höchste in ganz Mexiko.2 Zum Vergleich: in Lateinamerika ist die Tötungsrate mit 103 in El Salvador am größten, in Chile beträgt sie drei und ist am niedrigsten, während Mexiko mit 13 im Mittelfeld liegt.4

 

Heroinnachfrage und Splittergruppen verschärfen die Situation

Der Anstieg der Gewalt in dem Bundesstaat ist dem andauernden Drogenkrieg Mexikos zuzuschreiben. Vor allem die vermehrte Heroinnachfrage in den USA und die Zersplitterung krimineller Organisationen in kleinere Banden schüren diesen blutigen Konflikt. Denn selten war das Geschäft mit Drogenexporten lukrativer für die zahlreichen konkurrierenden Drogenclans. Diese liefern sich nun blutige Kämpfe um die Vorherrschaft auf dem größer werdenden Opium- und Heroinmarkt in Guerrero. Durch die große Anzahl kleiner Splittergruppen können die Behörden die Lage in der Region kaum erfassen. Guerrero ist das Zentrum des mexikanischen Heroinhandels und somit besonders stark vom steigenden Heroinkonsum in den USA betroffen.1

Eine Maßnahme der Landesregierung gegen die ansteigende Gewalt stellt die Operation „Chilapa“ dar. Seit diesem Jahr sollen Polizei und Militär das Gebiet gemeinsam stabilisieren. Auch in den übrigen Bundesstaaten wird mit erhöhtem Polizei- und Soldatenaufkommen auf Abschreckung gesetzt. Eine nachhaltig wirksame Methode sei das aber nicht, urteilte Alejandro Hope. Er arbeitet als mexikanischer Sicherheitsanalyst und hat beobachtet, dass in Notfallsituationen zwar Sicherheitskräfte in die betreffende Region geschickt werden, aber ebenso schnell wieder abziehen, wenn man sie andernorts braucht. So kommt es zwar zu einem zwischenzeitigen Einbruch der Kriminalitätsrate, nicht aber zu Verbrechensaufklärung und Strafverfolgung und es werden erneut mehr Verbrechen begangen. Eine weitere Strategie der Regierung ist es, Kartelle von oben nach unten zu zerschlagen. So werden vor allem deren Anführer ins Visier genommen und kriminelle Organisationen kopflos gemacht. Dieses Vorgehen hinterlässt das ein oder andere Machtvakuum, welches kleinere Banden füllen wollen. Alejandro Hope sieht die Gefahr dieser kleineren Splittergruppen hauptsächlich in dem so ausgelösten Chaos in der kriminellen Szene. „Auf lange Sicht werden die kleineren Gangs (aber) schwächer und weniger leistungsfähig als die großen Organisationen sein, deren Platz sie einnehmen“, sagte Hope.1

 

Den mexikanischen Behörden gelingen Teilerfolge im „War on Drugs“

Die Regierung Mexikos durfte aber auch Erfolge im Drogenkrieg melden. Laut Daten des „National Center for Planning, Analysis and Information to Combat Organized Crime within the Attorney General’s Office“ konnten in jüngster Zeit drei Bundesstaaten von dem Einfluss der Kartelle befreit werden. Das „Caballeros Templarios“-Kartell verlor zwischen 2014 und 2016 ganze acht seiner neun Einflussgebiete. Auch das CJNG musste sich aus Mexiko City zurückziehen. Außerdem gelang die Festnahme von 100 der 122 meistgesuchten Verdächtigen des Landes. Es gibt also durchaus Grund zur Hoffnung. Jetzt kommt es vor allem darauf an, den Drogenhandel mit nachhaltigen Maßnahmen zu bekämpfen. Wenn die Heroinnachfrage in den USA weiterhin steigt, kann das aber sehr schwer werden.2

  1. businessinsider: Violence is rising in Mexico’s heroin capital, and it’s a sign of how ugly the fight against crime has gotten; 08. Juli 2016 [] [] [] []
  2. InSight Crime: Mapping Mexico’s Current Organized Crime Landscape; 15. Juli 2016 [] [] []
  3. InSight Crime: Rising Homicide Rate in Mexico Wiping Out Recent Gains; 05. April 2016 []
  4. InSight Crime: InSight Crime’s 2015 Latin America Homicide Round-up; 14. Januar 2016 []
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.