Mexiko: Drogenkrieg vertreibt Hollywood Stars – hunderte Menschen werden arbeitslos

Soldaten am Strand in Mexiko

Bild: © zanzibar [CC BY-NC 2.0] - flickr

Einst haben sich am Strand von Acapulco die berühmten Hollywoodstars gesonnt – heute werden hier täglich rund zehn Menschen ermordet. Die Touristenstadt an der mexikanischen Pazifikküste ist gegenwärtig die viertgefährlichste Stadt der Welt. Begonnen hat alles mit der Konkurrenz der Drogenhändler. Heute haben sich mächtige Kartelle herausgebildet, die mit ihren blutigen Kriegen um Drogen eine Schreckensherrschaft leiten. Das Problem: Die Regierung und der Staat handeln kaum.1

Schlagzeilen über Leichenfunde, Entführungen und  Vergewaltigungen dämpfen den Tourismus, die wichtigste Einnahmequelle des Landes, stark ein. Je weniger Urlauber kommen, desto größer werden soziale Probleme, was wiederum Armut und Gewalt erhöht – ein Teufelskreis. Die US-Botschaft und einige europäische Ämter haben sogar eine Reisewarnung für das Gebiet um Acapulco herausgegeben. In letzter Zeit ist die Zahl der Reservierungen bereits auf 60 Prozent gefallen. Es kommen zwar noch einige Besucher, diese verstecken sich jedoch meistens in den All-inklusive Resorts und gehen vor allem abends nicht mehr vor die Haustür. Unter diesem „Verbarrikadieren“ leiden vor allem die in Acapulco ansässigen Unternehmen, die zusätzlich zu sinkenden Besucherzahlen noch von der Drogenmafia mit Schutzgelderpressungen in den Ruin getrieben werden. Laut dem Chef der Handelskammer mussten bereits rund 1.600 Geschäfte schließen und 60 Prozent der im Tourismus beschäftigten Menschen wurden fristlos entlassen. Aktuell sind weitere 15.000 Arbeitsplätze gefährdet. Geschäftsleute bitten zusätzlich den Staat um einen Steuernachlass, da sie sich sonst das Schutzgeld für die Dogenmafia nicht leisten können und bedroht werden. In Mexiko hat die erhöhte Kriminalität indirekte Folgen auf die Wirtschaft. Das Land muss schwerwiegende Verluste der Tourismus- und Fremdenverkehrsbranche hinnehmen. Viele US-Amerikaner verkaufen ihre Ferienwohnungen und unterlassen die sonst gewöhnlichen Tagesausflüge in das Nachbarland.2

Die Drogenbanden bauen in den Gebieten um Acapulco jede Menge Schlafmohn an. Das Heroin sei laut Sicherheitsexperten die „neue Modedroge in den USA“. Die DEA nimmt an, dass sich durch die enorm hohe Nachfrage aus den Vereinigten Staaten die Schlafmohnproduktion in Mexiko innerhalb der letzen drei Jahre verdoppelt hat – mit verheerenden Konsequenzen. In den USA hat sich die Zahl der Drogentoten verdreifacht. In Mexiko setzt die Drogenmafia die Bauern aus den Bergregionen extrem unter Druck. Wer sich weigert für sie zu arbeiten, wird umgebracht oder verhungert aus Armut. Nachdem die Regierung und der Präsident kaum etwas dagegen unternehmen, hat sich bereits eine Bürgerwehr aus verschiedenen Arbeitern entwickelt. Sie stellen sich gegen die leitende Politik und versuchen die Lage selbst zu kontrollieren.3

Carlos Flores, Soziologe vom Zentrum für Sozialanthropologische Studien, gibt auch den Politikern die Schuld an der aktuellen Lage. „Die großen Kartelle kontrollieren den Drogenhandel, die Kleinkriminellen widmen sich der Entführung und Schutzgelderpressung. Polizei und Politiker werden von beiden finanziert und halten ihre schützende Hand über die Kriminellen.“4
Anhand dieser Aussage wird deutlich, dass der Staat dringend die Korruption in den Griff bekommen muss.  Solange allerdings die enorme Nachfrage nach Heroin in den USA nicht sinkt, wird auch der Drogenkrieg zwischen den Kartellen, die Morde und Erpressungen in Mexiko nicht enden!

  1. ZDF Mediathek: Drogenkrieg in Acapulco; nicht mehr verfügbar []
  2. Badische Zeitung: Drogenkrieg vertreibt die Touristen aus Acapulco; 12.08.16 []
  3. Die Welt: Drogen für Amerika, hier gibt es nur ein Gesetz – das Gesetz des Opiums; 30.05.16 []
  4. DerStandard.at: Drogenkrieg in Acapulco vertreibt die Touristen; 30.08.16 []

Über Alex / earthlink

Ich studiere seit einem Jahr Wirtschaftswissenschaften an der Universität Passau. Seit dem Studium und meinem halbjährigen Auslandsaufenthalt in Nepal interessiere ich mich sehr für entwicklungspolitische Themen und bin froh nun für sechs Wochen das Earthlink-Team unterstützen zu können :)
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