Peru: Der „Leuchtende Pfad“ breitet sich wieder aus – Forderungen nach neuen Anti-Drogen-Maßnahmen werden laut

Bild: © Miguel Vera León [CC BY 2.0] - Flickr

Forderungen nach einer neuen Anti-Drogen-Offensive in Peru werden laut. Carlos Tubino, Abgeordneter der Region Ucayali und Vizepräsident der Verteidigungs- und Anti-Drogen-Kommission im Kongress, forderte vom Parlament, eine stärkere Präsenz des Militärs und der Polizei in nur unzureichend kontrollierten Bereichen des Landes auszubauen. Der Apell folgt einer vermutlichen Ausbreitung der Rebellenorganisation „Leuchtender Pfad“ (Sendero Luminoso) aus ihrer Hochburg im VRAEM in den Distrikt Masisea in Tubinos Wahlkreis Ucayali. Die neue Fraktion soll zwischen 130 und 150 Kämpfer umfassen und vom obersten Kommandeur Víctor Quispe Palomino, alias „Comrade José“, persönlich angeführt werden.1

Der „Leuchtende Pfad“, eine ursprünglich kommunistisch-maoistische Guerilla, spaltete sich 1970 von der Kommunistischen Partei Perus ab und kämpft seither selbstständig gegen die Zentralregierung. Dieser Krieg kostete nach Ergebnissen einer Untersuchungskommission geschätzte 31.000 Menschenleben. Den Höhepunkt ihrer Macht erreichte die Organisation allerdings bereits in den 1980er Jahren, in denen sie zwischenzeitlich in über der Hälfte Perus aktiv war.  Seither wurde der „Leuchtende Pfad“ allerdings durch das harte Durchgreifen der Regierung und ein Amnestiegesetz für ehemalige Kämpfer zu lediglich 100 Kämpfer am Tiefpunkt Ende der 1990er Jahre zusammengeschrumpft.2

Trotzdem scheint die Ankündigung Präsident Ollanta Humala’s im Juli 2015, die „Parallelgewalt“ der Organisation und weiterer Drogenproduzenten gebrochen zu haben, sich erneut zu diskreditieren. Ging der Anbau von insbesondere Coca in anderen Regionen des Landes auch um bis zu 64 Prozent zurück, gelang dies im angesprochenen VRAEM nicht. Lediglich ein Rückgang um 1,7 Prozent konnte hier in einem Bericht der UNDOC festgestellt werden. Besonders durch die starke Produktion in dieser Region ist Peru auch heute noch der zweitgrößte Produzent von Kokain nach dem unangefochtenen Spitzenreiter Kolumbien. Von einem „Sieg“ kann also kaum die Rede sein. Vielmehr scheint eine weitere Ausbreitung des „Leuchtenden Pfades“ in andere Regionen eine logische Konsequenz aus der mangelnden Kontrolle des VRAEM zu sein.3

Carlos Turbinos Forderung scheint also eine gerechtfertigte Grundlage zu besitzen. Doch sollten die Anstrengungen der Regierung sich nicht nur auf eine Bekämpfung der Symptome in Regionen wie Ucayali beschränken. Vielmehr ist es Zeit, die Hochburg des „Leuchtenden Pfades“ im VRAEM zu zerschlagen und die Förderprogramme für Aussteiger und Umstellung der Bauern auf Getreide vorangetrieben werden. Nur dann könnte der seit fast 60 Jahren herrschende Konflikt zwischen Regierung und Rebellen enden, der so viel Tod und Leid über das Land und Drogen und Instabilität über den amerikanischen Kontinent gebracht hat.

  1. InsightCrime: Peru’s Shining Path is Making a Comeback, Analyst, Says; Artikel vom 25.08.2016 []
  2. InsightCrime: Shining Path; Stand 29.08.2016 []
  3. InsightCrime: Peru Declares Premature Victory in Major Coca Producing Region; Artikel vom 30.06.2015 []

Über Domenick / earthlink

Ich studiere Politik und Soziologie an der LMU München. Globale und gesellschaftliche Ungleichheiten sind die Hauptgründe für Kriminalität, Kriege und Flüchtlingsbewegungen. Ich bin Praktikant bei earthlink e.V., um die Menschen weiter über diese Zusammenhänge aufzuklären.
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