Mexiko und Myanmar: Drogenanbau verdrängt heimische landwirtschaftliche Produkte

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Bild: © MarihuanayMedicina [CC BY-SA 2.0] - flickr

In vielen Ländern, in denen Drogen angebaut werden, lag früher der Schwerpunkt auf der Kultivierung anderer landwirtschaftlicher Produkte. Da der Anbau von Opium oder Cannabis aber deutlich lukrativer ist, steigen viele Bauern in den Handel ein. Dabei sind zum größten Teil die Industriestaaten Schuld daran, dass den Landwirten keine Alternative zum Drogenanbau bleibt.

Das „Goldenen Dreieck“ in Asien liegt zwischen Laos, Thailand und Myanmar. Es ist nach Afghanistan das zweitgrößte Anbaugebiet von Schlafmohn. Das daraus gewonnene Opium hat zwar eine alte Tradition in diesen Ländern, doch während des Vietnamkrieges 1965 und 1975 wurde es kommerziell. Die US-Soldaten konsumierten Opium, um die traumatischen Erlebnisse ertragen zu können. Doch auch nach Ende des Krieges stieg der Schlafmohnanbau und -handel an, denn im Westen wird die Droge immer populärer.1 Die Bauern in Myanmars Bergregionen dürfen nicht, wie früher, den Urwald brandroden um Reis anzubauen. Da ihnen so die Lebensgrundlage genommen wird, steigen viele in den Drogenhandel oder Anbau ein, zumal dies deutlich ertragsfähiger als der Reisanbau ist.2 So können Farmer mit Opium 19-mal mehr als mit dem Reisanbau verdienen. Das meiste Opium aus Myanmar wird zu Heroin weiterverarbeitet, dabei stellt China den größten Importeur dar.3

Nicht nur in Myanmar lässt sich die Umstrukturierung der Wirtschaft auf einen illegalen Markt beobachten. Mexiko unterschrieb im Jahr 1994 einen Freihandelsvertrag mit Kanada und den USA. Seitdem sank der Preis für Mais und andere landwirtschaftliche Produkte enorm. Dadurch gelangten viele Bauern in die Abhängigkeit der Drogenkartelle und bauen nun Schlafmohn und Cannabis an. Mexiko produziert jährlich 22 Millionen Tonnen Mais. Zusätzlich müssen weitere zehn Millionen Tonnen importiert werden, um den Binnenbedarf zu decken. Im Zuge der Nahrungsmittelkrise 2007 stiegen die Maispreise weiterhin deutlich und auch die Zahl der Verbrechen im Zusammenhang mit Drogenhandel nahm zu. In Mexiko wurde der Maisanbau in viele Bundesstaaten im Süden und Westen durch die Drogenkultivierung ersetzt.4

Omar García Ponce vom Institut für politische Wissenschaften der Universität von New York sieht einen direkten Zusammenhang zwischen dem sinkenden Maispreis und dem Drogenanbau.

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© Glenn Simmons [ CC BY-NC 2.0 ] – flickr

Er sammelte jahrelang Zahlen über die Produktion und Einkünfte der mexikanischen Bauern. Zwischen 1990 und 2005 fiel der Maispreis um 59 Prozent. Morde und Drogenhandel stiegen parallel dazu um ein Vielfaches an.5 Gleichzeitig musste  in den letzten Jahren deutlich mehr Mais importiert werden, da Mexiko den Eigenbedarf nicht mehr selbst decken konnte.6

Durch den Drogenanbau werden folglich die einheimischen Produkte verdrängt, sei es Reis in Myanmar oder Mais in Mexiko. Deswegen muss das Land wiederum die landwirtschaftlichen Erzeugnisse importieren, um den lokalen Bedarf zu decken. Die Wirtschaft wird somit immer weiter geschwächt durch den Drogenanbau, da das Land von den illegalen Rauschmitteln abhängig ist und gleichzeitig teuer importieren muss. Daran tragen vor allem Europa, die USA, aber auch China mitschuld.

  1. Wikipedia: Goldenes Dreieck; aufgerufen am 27.10.2016 []
  2. Deutschlandradio Kultur: Tee, Designerdrogen und ein Hauch von Heroin; Laos, Myanmar, Thailand; Leben im „Goldenen Dreieck“; Artikel vom 25.06.2014 []
  3. LA Times: Myanmar, Laos see large increase in opium cultivation; U.N. says; Artikel vom 31.10.2012 []
  4. neopresse: Mexiko; Drogen verdrängen Mais – Preisverfall zweingt Bauern zu Umstieg; Artikel vom 24.01.2014 []
  5. Politikon: Maíz, drogas y violencia en México; Artikel vom 25.02.2014 []
  6. econ-jobs: El efecto del procampo en las importaciones de maíz en México; Pedro Farid Quintanilla Dieck; aufgerufen am 27.10.2016 []

Über Lorina / earthlink

Ich habe letztes Jahr mein Abi gemacht und interessiere mich für internationale Zusammenhänge und soziales Engagement. Ich möchte in verschiedene Berufe Einblick erhalten und deswegen freue ich mich EarthLink das nächste halbe Jahr als Bundesfreiwillige unterstützen zu können!
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