Mali, Kap Verde und der Senegal etablieren sich als Kokainumschlagplätze

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Highway Nr. 10: Nach UN-Schätzungen werden jährlich über 50 Tonnen Kokain im Wert von zwei Milliarden Euro von Südamerika über Afrika nach Europa geschmuggelt. Der Handelsweg über den Ozean wird Highway Nr. 10 genannt, da er am zehnten nördlichen Breitengrad liegt und die direkte Verbindung zwischen Südamerika und Afrika darstellt.1 In den Ländern Peru, Bolivien und Kolumbien wird die Kokapflanze angebaut, welche dann zu Kokain verarbeitet wird und anschließend meist über Brasilien oder Venezuela über Afrika nach Europa gebracht wird. Als wesentliche Transitländer erwiesen sich dabei Staaten in Westafrika, wie der Senegal, Mali sowie der Inselstaat Kap Verde. In diesen Ländern können die Drogenflugzeuge landen, die Drogenkuriere die sogenannten BodyPacks abliefern oder Schifffrachter anlegen, in denene Kokain neben Zucker oder anderen Gütern versteckt wird. Dabei machte im Jahr 2013, bei den Sicherstellungen des Kokains, der Containerschmuggel 75 Prozent aus.2

Für Drogenbarone aus Kolumbien oder Brasilien ist es ein Leichtes, westafrikanische Parlamente und Justizen zu unterwandern und große Schmuggelnetzwerke aufzubauen. Dabei sollen ganze afrikanische Gemeinden am illegalen Geschäft beteiligt sein, als Folge wird aber die Entwicklung der Staaten dort stark gefährdet.3 Die Wertsteigerung des Kokains ist immens: Während ein Kilogramm in Bolivien noch 1.500 bis 2.000 Euro kostet, kann es in Europa für über 400.000 verkauft werden, wobei das Kokain noch bis zu vier Kilogramm gestreckt wird.4 Nach der Ankunft des Kokains in Westafrika, wird es neu verpackt und per Luftweg im Gepäck, der Kleidung oder im Körper nach Europa gebracht. Das Kokain wird durch Spanien oder die Niederlande transportiert, aber auch Portugal stellt eine wichtige Verbindung dar, da die Kapverdischen Inseln ehemalige portugiesische Kolonien waren.5

Allgemein erweisen sich Westafrikas Staaten als geeignet für den Drogenhandel, da die Länder noch relativ jung sind und meist noch keine funktionierenden staatlichen Institutionen haben sowie oft korrupt sind. Der Senegal etablierte sich daneben aus weiteren Gründen für den Drogenschmuggel. Zum einen ist die Hauptstadt Dakar zentraler Umschlagplatz für Waren aller Art, weswegen das Land auch gute Beziehungen zu Europa und den USA pflegt. Zudem wurden Handelsbarrieren abgebaut und der Senegal verfügt nur über wenig Mitarbeiter in der Anti-Drogenkommission, weswegen immer mehr Kokain durchgeschmuggelt werden konnte.6

Der Norden Malis ist seit Jahren politisch äußerst instabil, da große Flächen von Islamisten besetzt werden, welche gewaltsam versuchen, die Scharia durchzusetzen. Dabei arbeiten die Terroristen mit den Drogenschmugglern zusammen, verlangen Steuergelder und können sich dadurch ihre Waffen finanzieren. Aufgrund der instabilen Lage, kann der Norden Malis nur schlecht kontrolliert werden. In der Wüste landen oft Flugzeuge, beladen mit Kokain, meist kleine Maschinen, die nicht ins Radar fallen. In Afrika werden die Päckchen dann aufgeteilt, da die Einführung nach Europa über stärker kontrollierte Grenzen geht.

Die Kap Verden sind eine Inselgruppe vor Afrika, die sehr nah zum Highway Nr. 10 liegen. Es gibt wenige Polizisten, die den Drogenschmuggel verfolgen können und viele abgelegene Strände, die kaum erreichbar sind. So konnte ein Drogenring jahrelang Kokain über die Kap Verden nach Europa schmuggeln. Es wird davon ausgegangen, dass die Drogen teilweise auch mittels U-Booten auf die Kap Verden gebracht wurden. Inzwischen konnten neun Personen festgenommen werden, unter ihnen auch der Chef der ehemaligen Börse der Kap Verden, welcher ebenfalls am Drogenschmuggel beteiligt war. Auch die eigentliche Anti-Drogenkommission steht im Verdacht, selbst mit Kokain zu handeln. Dennoch versucht die Regierung, Maßnahmen zu ergreifen: Es dürfen Immobilien konfisziert werden, wenn der Ursprung des Geldes nicht nachweisbar ist.1

  1. youtube: Arte; Im Visier der Kartelle; Drogenschmuggel in Afrika; Doku 2016 Drogenschmuggel in Afrika; Video vom 15.06.2015; auf Youtube veröffentlicht am 20.11.2016 [] []
  2. emcdda: EU-Drogen-Marktbericht; Ein strategischer Überblick 2016; Seite 8; aufgerufen am 25.11.2016 []
  3. SZ: Leichtes Spiel mit schwachen Staaten; Kampf gegen Drogenhandel; Artiekl vom 17.05.2010 []
  4. dw: Drogenumschlagplatz Westafrika; Artikel vom 29.02.2012 []
  5. swissinfo: Westafrikaner „dominieren“ den Kokainhandel; Artikel vom 11.03.2009 []
  6. dw: Drogenumschlafplatz Westafrika; Artikel vom 29.02.2012 []

Über Lorina / earthlink

Ich habe letztes Jahr mein Abi gemacht und interessiere mich für internationale Zusammenhänge und soziales Engagement. Ich möchte in verschiedene Berufe Einblick erhalten und deswegen freue ich mich EarthLink das nächste halbe Jahr als Bundesfreiwillige unterstützen zu können!
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