Pakistan: Großbritanniens Unterstützung im Drogenkrieg fördert Anwendung der Todesstrafe

Galgen

Bild: © Jaime Pérez [CC BY-NC 2.0] - Flickr

Pakistan ist eines der wichtigsten Transitländer im Drogenhandel. Trotz der strengen Gesetze bezüglich Besitz und Verkauf ist der Rauschgiftmarkt kombiniert mit Korruption und Gewalt ein zentrales Problem. Durch Pakistans günstige geographische Lage können Drogen aus Afghanistan, dem weltweit größten Herstellungsland von Opium, erst an die Küste und dann über Seewege beispielsweise nach Saudi Arabien gebracht werden. Nach Pakistan gelangen ungefähr 40 Prozent der in Afghanistan produzierten Opiate. Dadurch steigt auch der Konsum von Opiaten. Geschätzte 20 Tonnen an purem Heroin werden in Pakistan jährlich konsumiert.1

Pakistans durchlässige Grenzen sind nicht nur für das Land selbst ein Problem, sondern könnten sich auf den gesamten Welthandel negativ auswirken. Deshalb hat die britische Premierministerin Theresa May dem Menschen- und Drogenhandel den Kampf angesagt. Großbritannien unterstützte im Rahmen der UN-Initiative „Container Control Programme“ (CCP) die Arbeit gegen Drogen mit bislang 200 000 Dollar.2

Das „Container Control Programme“ (CCP) ist ein von den Vereinten Nationen aufgezogenes Konzept für eine besser Kontrolle des maritimen Handels. Mit mehr als 500 Millionen Containern laufen jährlich ca. 90 Prozent des weltweiten Warenverkehrs über Schiffe. Von diesen Gütern werden allerdings weniger als zwei Prozent von Behörden inspiziert. Das macht den Schiffshandel für Drogenhändler attraktiv. Da der Missbrauch des maritimen Handels laut den Vereinten Nationen eine Gefährdung für die internationale Wirtschaft darstellt, soll nun das CCP für mehr Kontrolle sorgen. Durch die Zusammenarbeit mit einzelnen Staaten wie Pakistan werden an Häfen Behörden für das Datenerhebung und Kontrolle von Schiffen errichtet, lokale Beamte trainiert und Informationen zwischen verschiedenen Ländern ausgetauscht.3

Großbritanniens Unterstützung des CCPs wurde jedoch nicht nur positiv aufgenommen. Die Menschenrechtsgruppe Reprieve sieht die Initiative der Vereinten Nationen als problematisch an. Das Programm führte bereits zu ersten Beschlagnahmungen von Drogen in Pakistan, die nach Saudi Arabien geschmuggelt werden sollten. Drei Männer wurden dabei festgenommen.4 Ihnen droht nun die Todesstrafe, die nach pakistanischem Recht auf das Schmuggeln von gefährlichen Drogen verhängt wird.5 Zwischen Dezember 2014 bis Ende 2015 wurden in Pakistan mindestens 326 Menschen hingerichtet.6 Diese Straflage ist mit dem internationalen Menschenrecht nicht vereinbar. Dazu kommt, dass laut Reprieve viele Menschen in Pakistan zum Rauschgifthandel genötigt werden, um Schulden zu begleichen oder entführte Verwandte zurück zu bringen. Laut der UN-Berichterstattung über arbeitende Migranten sind Drogenschmuggler selbst oft Opfer des Menschenhandels.4

Momentan sitzen ungefähr 8 000 Pakistaner im Todestrakt. Viele von ihnen wurden wegen Drogendelikten verurteilt. Wer von ihnen tatsächlich ein Drahtzieher im Drogengeschäft ist, bleibt unbeantwortet. Maya Foa, die Direktorin von Reprieve, warnte vor immensen Menschenrechtsverletzungen, die Großbritannien durch die Förderung von Anti-Drogen-Kampagnen in Pakistan unterstützt. Das Innenministerium bestreitet die Vorwürfe und bekräftigt, alle von Großbritannien unterstützten Programme würden vorher auf Eingriffe in das humanitäre Völkerrecht geprüft werden.4

  1. UNODC: Country Profile – Stand 02.11.2016 []
  2. theguardian: Britain’s overseas anti-drugs policy ‚putting people on death row‘ – veröffentlicht am 23.10.2016 []
  3. UNODC: UNODC-WCO Global Container Control Programme – Stand 02.11.2016 []
  4. theguardian: Britain’s overseas anti-drug policy ‚putting people on death row‘ – veröffentlicht am 23.10.2016 [] [] []
  5. Human Rights Commission of Pakistan: Death Penalty Offences – Stand 02.11.2016 []
  6. Initiative gegen die Todesstrafe: Pakistan – nicht mehr verfügbar []

Über Elena / earthlink

Ich habe gerade meinen Bachelor in Ethnologie mit Nebenfach Rechtswissenschaften abgeschlossen. Mein Studium habe ich gewählt, weil mich völkerrechtliche Probleme in unserer globalen Welt interessieren. Ich freue mich, bei EarthLink die nächsten zwei Monate jede Menge über aktuelle Themen zu lernen.
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