Thailand und Myanmar: Synthetische Rauschmittel verdrängen pflanzliche Drogen

Bild: © Labib Ittihadul [CC BY 2.0] - flickr

Das Goldene Dreieck war in der Vergangenheit für den Anbau von Schlafmohn bekannt. Da die Vereinten Nationen in Zusammenarbeit mit den nationalen Regierungen  jedoch seit Jahren sehr aktiv im Kampf gegen die daraus produzierten Drogen sind, ist der Anbau besonders im Norden von Thailand stark zurück gegangen.1 Stattdessen beschränken Landwirte sich auf legale Produkte wie beispielsweise Tee, für den in dieser Region optimale Anbaubedingungen herrschen.2

Diesen vergleichweise frühen Ausstieg aus der Opiumkultivierung im wirtschaftlich  relevanten Umfang verdankt Thailand dem Monarchen König Bhumibol Adulyadej Rama IX. Dieser erkannte früh, dass es sinnlos war, den Opiumanbau und -Handel, der eine Lebensgrundlage der ortsansässigen Bevölkerung darstellte, nur durch den Erlass von Gesetzen und deren polizeilich-militärischer Durchsetzung zu bekämpfen. Ihm war klar, den Menschen diese wirtschaftliche Grundlage nicht ohne Alternative entziehen zu können. Er regte deshalb Ende der 1990er Jahre die im ethnischen Schmelztiegel Nordthailand ansässigen Völker dazu an, sich auf  ihre eigene Tee-Kultur und Traditionen zu stützen.3 Dieses Konzept ging tatsächlich auf und die Arbeiter konnten durch die Verdienste ihre Familien ernähren und sogar der Tourismus wurde durch diese einzigartigen Teesorten gefördert. 4

Aus diesem Grund ging man vor allem in internationalen Kreisen davon aus, in Thailand bei der Bekämpfung von Drogen auf einem guten Weg zu sein. Der Rückgang des Schlafmohnanbaus bedeutet jedoch nicht, dass Drogen nun komplett aus dieser Region verschwunden sind.  Sie tauchen nur in veränderter Form auf. Ganz besonders relevant ist hierbei die in dieser Region als „Yaba“ bezeichnete synthetische Droge. Sie hat viele Namen und ist in den Industrieländern vor allem als „crystal meth“ bekannt. Synthetische Drogen lassen sich in Zeiten modernster Techniken deutlich einfacher produzieren. Denn durch Satellitenüberwachungen können Behörden Felder noch leichter als früher entdecken und gezielt und großräumig mit zerstörenden Substanzen besprühen.5

Die synthetischen Drogen können in unterirdisch angelegten und  hochmobilen Laboren nur sehr schwer entdeckt und zudem witterungsunabhängig produziert werden. Da die Labore häufig in Myanmar liegen, wird die Abstimmung der Behörden noch erschwert. Außerdem können verschiedenste Substanzen in kürzester Zeit hergestellt werden, die häufig noch nicht auf internationalen Wachlisten stehen. Die Inhaltsstoffe sind häufig nicht definiert  und  deshalb rechtlich nicht als illegal bewertbar.6 So können sie sehr lange ohne Beobachtung auf dem Schwarzmarkt verkauft werden.7

Der Absatzmarkt für diese Drogen ist sowohl international als auch in den produzierenden Ländern groß. Ganz besonders in Thailand aber auch in Europa und den USA sind diese Drogen bei den jüngeren Generationen sehr beliebt. Dies liegt zum einen daran, dass man den synthetischen Drogen Geschmacksstoffe zusetzen kann.8 Zum anderen aber speziell bei „Yaba“ an der Wirkung. Denn sie kann einen tagelang wach halten, was ganz besonders bei jüngeren Menschen Anklang findet, die sich über die drastischen Nebenwirkungen kaum im Klaren sind.9

Der Konsum dieser Drogen hat Auswirkung auf komplette Volkswirtschaften. In Thailand wird die Wirtschaft beispielsweise dadurch geschwächt, dass die jungen Drogenkonsumenten häufig als qualifizierte Arbeitskräfte fehlen werden. Außerdem ist die Drogenwirtschaft eine Schattenwirtschaft, durch die den Staaten wichtige Steuereinnahmen zur Versorgung der Bevölkerung fehlen.10 Der Kampf gegen die Drogen in Thailand muss also weiter gehen und darf nicht, auf Grund des Erfolges gegen den Schlafmohnanbau, aus dem internationalen Blickfeld verschwinden.

 

  1. shabka: Magic, Mohn und Macht –  Das goldene Dreieck ist wieder Drogendorado; Veröffetlicht im 03.2012 []
  2. ThaiTee: Teeanbau in Thailand; Stand vom 03.11.2016 []
  3. ThaiTee: Teeanbau in Thailand; Stand vom 03.11.2016 []
  4. ZeitOnline: Opium ist out; Veröffentlicht am 12.06.2015 []
  5. shakba: Magic, Mohn und Macht: Das goldene Dreieck ist wieder Drogendorado; Veröffentlicht im 03.2012 []
  6. shakba: Magic, Macht und Mohn: Das goldene Dreieck ist wieder Drogendorado; Veröffentlicht im 03.2012 []
  7. thema-drogen: synthetische Drogen; Stand vom 03.11.2016 []
  8. ThaiTee: Teeanbau in Thailand; Stand vom 03.11.2016 []
  9. ZeitOnline: Opium ist out; Veröffetlicht am 12.06.2016 []
  10. Wikipedia: Schattenwirtschaft; Aktualisiert am 10.08.2016 []

Über Marie / earthlink

Ich studiere im vierten Semester Geographie in Bochum. Momentan mache ich für zwei Monate ein Praktikum bei earthlink, weil ich mich sehr für entwicklungspolitische Zusammenhänge interessiere und dabei mitwirken möchte, Menschen über die Probleme zu informieren.
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