Venezuela: Bald ein Failed State?

Das vergangene Jahr hat Venezuela wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich stark geschädigt. Präsident Nicolàs Maduro hat demokratische Mechanismen ausgesetzt, es mangelt an Nahrung und medizinischer Versorgung für die Zivilbevölkerung. Die Kriminalität im Land ist eskaliert, der Staat hat in vielen Bereichen die Kontrolle an kriminelle Banden verloren, doch nicht ohne eigenes Zutun. Staatliche Initiativen und andere Umstände haben den Anstieg befördert.

Das Programm der „Zonas de Paz“ (Friedenszonen) sollte einige Regionen stabilisieren, indem sich Sicherheitskräfte aus diesen zurückzogen.1 Deren Arbeit sollte durch die Wachsamkeit der Zivilbevölkerung ersetzt werden. Die Initiative wurde als Reaktion auf das große Misstrauen der Bevölkerung in die Polizei gestartet.2 Doch im Zuge dessen konnten kriminelle Banden ihre Macht erheblich ausweiten und übernahmen die Kontrolle in den betroffenen Regionen.

Große Teile des Landes werden von sogenannten „Megabandas“ geführt und unterdrückt, die Drogenhandel betreiben und der Erpressung und des Kidnappens bezichtigt werden. Im Jahr 2016 hat sich die Anzahl der Entführungen verdoppelt.

Aber auch bewaffnete Pro-Regierungsgruppen, die „Colectivos“, setzen venezolanische Gemeinden unter Druck, die sie ursprünglich unterstützen sollten. Sie haben sich im letzten Jahr stark kriminalisiert und werden trotzdem von der Regierung eingesetzt, um zum Beispiel zivile Proteste niederzuschlagen. Präsident Maduro kooperiert demnach faktisch mit kriminellen Gruppierungen, um seine Herrschaft zu sichern.

Auch über die Gefängnisse scheint der venezolanische Staatsapparat die Kontrolle immer mehr zu verlieren. In letzter Zeit wurden immer wieder Angestellte von Gefängnisinsassen als Geiseln genommen, um bessere Bedingungen zu erpressen. Aus den Gefängnissen heraus haben sich auch die „Bandas“ organisiert.

Der Fall des Bolívar, der Währung Venezuelas, hat staatliche Gehälter getroffen und verursachte so mehr Korruption, vor allem innerhalb des Militärs. Das Militär kontrolliert Häfen, Flughäfen und unter anderem die Grenze zu Kolumbien. Hier spielt es mittlerweile eine große Rolle beim illegalen transnationalen Schmuggel. Durch die Schließung der Grenze nach Kolumbien wurde der offizielle Handelsweg geschlossen. Diese Regelung begünstigte den illegalen Handel von Drogen und Co.

Weiterhin stärkt der Friedensprozess in Kolumbien die Rolle Venezuelas als Standort für die FARC. Die Gruppierung ist in Venezuela stark präsent und wird in Zukunft wahrscheinlich mehr Geschäfte ins Nachbarland verlagern.

Sogar der Regierung nahestehende Personen sind in die kriminellen Machenschaften involviert. Zwei Neffen der Ehefrau Maduros, Cilia Flores, wurden 2015 des Handels von 800 Kilo Kokain bezichtigt. Die Drogen sollten über sie von der FARC in die USA transportiert werden.

Venezuela wird mittlerweile als eines der gefährlichsten Länder der Welt eingestuft. Die nächsten Präsidentschaftswahlen finden erst im Dezember 2018 statt, die weitere Entwicklung Venezuelas bis dahin ist ungewiss. Venezuela wird als Failing State beschrieben, als scheiternder Staat.1 Je höher dabei der Indexwert ist, desto näher ist der Staat der Definition eines Failed State. Der Indexwert Venezuelas liegt derzeit bei 81,6.3 Im Jahr 2014 lag er noch bei 76,7, der höchste Wert aller Länder liegt bei 114.4

  1. InSight Crime: Game Changers 2016: Criminality and Organized Crime Thrives in Venezuela; veröffentlicht am 02.01.2017 [] []
  2. InSight Crime: Despite Rampant Crime, Venezuela’s ‚Peace Zones‘ Remain; veröffentlicht am 28.01.2015 []
  3. The Fund for Peace: Fragile States Index 2016; zuletzt geprüft am 09.01.2017 []
  4. The Fund for Peace: Fragile States Index 2014; zuletzt geprüft am 09.01.2017 []

Über Inken / earthlink

Ich studiere Staatswissenschaften mit den Schwerpunkten Politikwissenschaft und Öffentliches Recht und engagiere mich in den Bereichen Integration und Politische Bildung. Meine Zeit bei earthlink ist mit den aufrüttelnden Kampagnen Fluchtgrund, Drogen Macht Welt Schmerz und Aktiv gegen Kinderarbeit gefüllt.
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