Mexiko: Korruption und Gewalt soweit das Auge reicht

Veracruz

Bild: © Даниил Кристань [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

„Veracruz is emblematic of the challenges facing the country as a whole”1

Veracruz, im Osten Mexikos, sei der korrupteste Staat im korruptesten Mitglied der OECD, so die International Crisis Group (ICG) in einem Ende Februar veröffentlichten Bericht. Zwischen Anfang Dezember und Ende Januar wurden über 230 Personen umgebracht und Stand Februar verschwanden in Veracruz 20.000 Personen, deren Verbleib ungewiss bleibt. Veracruz ist somit für 72 Prozent aller Fälle, in der Personen verschwanden, verantwortlich.2 Der neue Gouverneur des Bundesstaats Miguel Ángel Yunes konnte entgegen seinem Versprechen, den Frieden in einem der bevölkerungsreichsten Staaten Mexikos wiederherzustellen, die Gewalt der Kartelle nicht stoppen. Im Gegenteil, zu Beginn seiner Amtszeit gab es eine neue Welle der Gewalt.3

Die Verantwortung für die hohe Kriminalitätsrate in Veracruz ist vor allem bei den Vorgängern Yunes zu suchen. Fidel Herrera, Gouverneur von 2004 bis 2010, erschien 2013 in der Liste der zehn korruptesten Mexikaner des Magazins Forbes. Während seiner Amtszeit erstarkte das Zeta-Kartell, das als gewaltbereiteste Gruppierung Mexikos gilt. Zudem werden ihm direkte Kontakte zum Kartell nachgesagt.4 Der Regierung seines Nachfolgers Javier Duarte de Ochoa, der zwischen 2010 und 2016 im Amt war, wird massive Korruption und enge Zusammenarbeit mit den kriminellen Netzwerken vorgeworfen. Duarte selbst ist derzeit auf der Flucht. Der Interimsgouverneur Flacino Rios wurde kurz nach Amtsübernahme festgenommen, da er Duarte geholfen hatte, zu entkommen.5

Durch seine geographische Lage ist Veracruz ideal für die Drogenkartelle und die weiterhin starke Drogenökonomie Mexikos. Der Bundestaat liegt zwischen der Hauptstadt Mexiko-Stadt und dem Golf von Mexiko. Zudem ist der Hafen von Veracruz der größte in Mexiko und somit auch der wichtigste Atlantikhafen des Landes. Dementsprechend gibt es zwischen den Kartellen brutale Machtkämpfe um die Vorherrschaft über Veracruz. Mitte März berichtete The Guardian über den Fund von 250 Totenköpfen, die in einem Massengrab gefunden wurden, in dem Opfer der Drogenkartelle begraben lagen.6

Aber die Korruption und die (All)Macht der Drogenkartelle sind nicht nur ein Problem, das spezifisch Veracruz betrifft. In ihrem Bericht schreibt die International Crisis Group, Veracruz sei symbolisch für das gesamtmexikanische Problem. Langfristig ist in Mexiko eine transparente Analyse der Beteiligung von Offiziellen in kriminelle Aktivitäten der Drogenkartelle und eine Reform der staatlichen Institutionen, besonders der Polizei, nötig.7

  1. International Crisis Group: Veracruz: Fixing Mexico’s State of Terror; Bericht vom 28.02.17 []
  2. InSight Crime: Veracruz: Report Unveils Mexico’s ‚State of Terror‘; Artikel vom 15.03.17 []
  3. InSight Crime: Violence in Veracruz as Cartels Adapt to New Political Dynamic; Artikel vom 16.03.17 []
  4. Forbes: The 10 Most Corrupt Mexicans Of 2013; Artikel vom 16.12.16 []
  5. InSight Crime: Violence in Veracruz as Cartels Adapt to New Political Dynamic; Artikel vom 16.03.17 []
  6. The Guardian: More than 250 skulls found in ‚enormous mass grave‘ in Mexico; Artikel vom 14.03.17 []
  7. International Crisis Group: Veracruz: Fixing Mexico’s State of Terror; Bericht vom 28.02.17 []

Über Johannes / earthlink

Ich studiere derzeit Politikwissenschaft und Soziologie an der LMU in München. Bei Earthlink möchte ich Informationen zu Themen verbreiten, die sonst kaum oder nicht beachtet werden.

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