Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? Rassismus und der War on Drugs in den USA

Jeff Sessions

Bild: © Gage Skidmore [CC BY-SA 2.0] - Flickr

In den USA ist es 12-mal so wahrscheinlich, dass ein unschuldiger Afro-Amerikaner in Zusammenhang mit Drogendelikten verurteilt wird, als ein „weißer“ Amerikaner. Zu diesem Ergebnis kam eine am letzten Dienstag veröffentlichte Studie, die im Auftrag der National Registry of Exonerations durchgeführt wurde. Obwohl Afro-Amerikaner und „weiße“ Amerikaner die gleichen Mengen an illegalen Drogen konsumieren, werden erstere fünfmal häufiger wegen Drogenbesitzes inhaftiert. Zudem sind in 47 Prozent der nachträglichen Freisprechungen die Unschuldigen Afro-Amerikaner. Und dies obwohl diese nur 13 Prozent der amerikanischen Bevölkerung ausmachen.1

Die Studie wurde vier Wochen nach der Vereidigung von Jeff Sessions, dem neuen Justizministers unter Präsident Trump, veröffentlicht. Ein passender Zeitpunkt, denn dessen doktrinäres Festhalten an einem veralteten „War on Drugs“ könnte die Situation in den USA nur noch verschärfen. Die Richtung der Politik der Trump-Regierung spiegelt die von Rassismus durchsetzte amerikanische Politik und Gesellschaft wieder. Sessions wurde in seiner Karriere des Öfteren des Rassismus bezichtigt. So soll er rassistisches Vokabular verwendet und gescherzt haben, der Ku Klux Klan sei für ihn unproblematisch gewesen, bis er erfuhr, dass sie Gras rauchten. Auch ging er in den 1980ern gegen drei Bürgerrechtler vor, die sich für die Registrierung von afro-amerikanischen Wählern einsetzten. Er warf ihnen Wahlbetrug vor. Gegen „weiße“ Gruppen ermittelte er jedoch nicht. Zudem verhinderte er in seiner Zeit als Attorney General die Ernennung von afro-amerikanischen Richtern. Vorwürfe, er sei ein Rassist, wies Sessions jedoch zurück und bezeichnete sie als „verletzend“.23

Das Zusammenspiel von aggressiver Anti-Drogen Politik und Rassismus ist in den USA nichts Neues. Schon unter Präsident Nixon – dessen „War on Drugs“ Sessions wiederbeleben möchte – war diese Verbindung offensichtlich vorhanden. So soll laut John Ehrlichmann, einem Berater unter Nixon, der damalige „War on Drugs“ speziell dazu konstruiert worden sein, um linke „Hippies“ und die afro-amerikanische Bevölkerung zu treffen und zu diskreditieren.4

“We knew we couldn’t make it illegal to be either against the war or black, but by getting the public to associate the hippies with marijuana and blacks with heroin, and then criminalizing both heavily, we could disrupt those communities.” (Wir wussten, dass wir es nicht verbieten konnten, gegen den Krieg oder Schwarz zu sein. Aber indem wir eine Assoziation zwischen Hippies und Marijuana und zwischen Schwarzen und Heroin in der Bevölkerung schafften und beides streng kriminalisierten, konnten wir diese Gruppen destabilisieren.) – John Ehrlichman, Berater unter Nixon5

Auch wenn es in hauptsächlich afro-amerikanischen Vierteln tatsächlich mehr Gewalt gibt, kann dies auf die Unterdrückung dieser Gruppe zurückgeführt werden. Strukturelle Benachteiligung, sowie Perspektiv- und Aussichtslosigkeit vor allem in der Zeit der Rassentrennung, aber in Teilen auch noch heute führen dazu, dass oft Drogenkriminalität der einzige Ausweg war bzw. ist. Mit einem zweiten „War on Drugs“ wird sich die Situation der afro-amerikanischen Bevölkerung in den USA nicht verbessern, sondern verschlechtern. Nötig sind Maßnahmen zur Dekriminalisierung und Aufklärung. Bei der durch die Trump-Regierung kommunizierte Richtung ist diese Politik allerdings nicht zu erwarten.

  1. Vox: Study: black people are 7 times more likely than white people to be wrongly convicted of murder; Artikel vom 07.03.17 []
  2. The Washington Post: 10 things to know about Sen. Jeff Sessions, Donald Trump’s pick for attorney general; Artikel vom 10.01.17 []
  3. Slate: Jeff Sessions Fights for Racist Outcomes. Who Cares What’s in His Heart?; Artikel vom 11.01.17 []
  4. CNN: Report: Aide says Nixon’s war on drugs targeted blacks, hippies; Artikel vom 24.03.16 []
  5. Harpers: Legalize It All. How to win the war on drugs; Stand vom 13.03.17 []

Über Johannes / earthlink

Ich studiere derzeit Politikwissenschaft und Soziologie an der LMU in München. Bei Earthlink möchte ich Informationen zu Themen verbreiten, die sonst kaum oder nicht beachtet werden.

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