Chile entwickelt sich vom Transitstaat zum Produktionsland für Kokain

Kokainkonsum

Chile ist eines der Länder Lateinamerikas mit dem höchsten Kokainkonsum Bild: © Cheeese - Dreamstime

Dem Anschein nach wächst Chiles Rolle im Drogenhandel an. Bislang diente es hauptsächlich nur als Transitstaat und Umschlagsplatz für Kokain. Das Kokain wird aus Peru und Bolivien importiert, um es weiter nach Afrika und Europa zu exportieren. Vor allem die geografische Lage Chiles, die ausgedehnten Grenzen und die breite Küstenlinie machen es zu einem attraktiven Ort für den Transport und Export von Drogen.1

In Chile, Argentinien und Kolumbien ist der Kokainkonsum am größten innerhalb Lateinamerikas. In Bezug auf den Kokainkonsum der Allgemeinbevölkerung ist er ähnlich wie in Nordamerika, mit dem Unterschied, dass in Lateinamerika mehr die Basispaste von Kokain verwendet wird, eine Form des Kokains, die stark verunreinigt und giftiger, aber auch günstiger, als das reine Kokainpulver ist.2

In letzter Zeit wurden von den chilenischen Behörden viele Kokain-Labore ausfindig gemacht und aufgelöst. Offensichtlich wurden die Labore von Chilenen und auch Bolivianern dafür genutzt, die aus Bolivien und Peru importierte Kokainpaste weiterzuverarbeiten. Die Tatsache, dass fast 20 solcher Einrichtungen im vergangenen Jahr entdeckt wurden, deutet darauf hin, dass sich Chiles Rolle im Drogenhandel über die als Transitstaat hinaus entwickeln könnte. Anstatt direkt das Kokainpulver zu importieren und anschließend zu verkaufen, werden die Drogen von kriminellen Gruppen in Chile zum Einen in eine flüssige Form umgewandelt. Im flüssigen Zustand ist es leichter, die Droge über die Grenzen zu schmuggeln und zu exportieren, da es viel schwerer für die Sicherheitsbehörden ist, diese Flüssigkeit als Kokain zu erfassen. Zum Anderen wird in den Laboren Kokain direkt zum inländischen Verkauf verfeinert, um die hohe heimische Nachfrage nach der Droge zu decken. Chile nimmt also nicht nur an Bedeutung als Transitstaat, sondern auch als Herstellerland zu.3

Bislang wurden Vorprodukte für die Kokainherstellung aus Chile nach Bolivien oder Peru überführt, um dort das Kokain zu Kokainpulver zu verarbeiten. Die große und wachsende Chemieindustrie Chiles besticht durch seine Zugänglichkeit der benötigten Vorprodukte für den Prozess der Kokainproduktion, sodass das Kokain auch in Chile hergestellt wird. Höchstwahrscheinlich wird sich dieser Trend weiterentwickeln und Chile könnte zu einem wichtigen Produktionsland im Drogenhandel werden.4

Chile zeichnet sich durch eine stabile und wachsende Wirtschaft aus und zusammen mit Uruguay zählt es zu den am wenigsten korrupten Nationen in Lateinamerika nach dem Transparency International’s Corruption Perception Index.5 Doch mit der wachsenden Rolle des Landes im transnationalen Drogenhandel besteht die Möglichkeit, dass die Korruption ansteigt und dadurch die wirtschaftliche Entwicklung gehemmt wird.6 Des Weiteren können die wichtigere Rolle im Drogenhandel und Korruption zu einem höheren Risiko von Geldwäsche und einer stärkeren Verbreitung von Kriminalität und Gewalt führen.7

  1. InSight Crime: Report Finds Drug Trafficking Through Chile is on the Rise; Artikel vom 19.12.16 []
  2. El Comercio: Crece la producción de coca y el consumo de cocaína en Sudamérica; Artikel vom 02.03.17 []
  3. InSight Crime: Dismantled Chile Cocaine Lab with Bolivia Ties Hits At Evolving Crime Dynamics; Artikel vom 29.03.17 []
  4. InSight Crime: Dismantled Chile Cocaine Lab with Bolivia Ties Hits At Evolving Crime Dynamics; Artikel vom 29.03.17 []
  5. InSight Crime: Chile Takes Hard Line Against Corruption After Police Drugs Scandal; Artikel vom 28.11.13 []
  6. BMZ: Korruption hemmt Entwicklung; Stand vom 13.04.17 []
  7. La Tercera: Narcotráfico y corrupción son los delitos de lavado de activos de mayor riesgo para Chile; Stand vom 13.04.17 []
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