Paraguay: In Pedro Juan Caballero lebt Hälfte der Bevölkerung vom Drogenhandel

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Die Stadt Pedro Juan Caballero liegt im Nordosten von Paraguay in der Region Amambay und gilt als neuer Hauptumschlagplatz für Drogen in Lateinamerika. Mindestens die Hälfte der  Bevölkerung lebt vom Drogenhandel, was durch den aktuellen Präsidenten des Paraguayan Congress, Roberto Acevedo, bestätigt wurde.1 Paraguay gilt als größter Marihuana-Produzent Südamerikas mit einer Produktion von schätzungsweise 50 000 Tonnen im Jahr. Dabei werden allerdings nur ungefähr fünf Prozent im eigenen Land konsumiert, der Rest wird aus dem Land geschmuggelt.2

Argentinien gilt mit Brasilien und Chile als Hauptabnehmer des Marihuanas, das dort angebaut wird.  Es stellt sich die Frage, weshalb die Nachfrage Argentiniens nach genau diesem Marihuana so groß ist und in wie weit Pedro Juan Caballero ein geeigneter Ort für den Anbau des Rauschmittels ist.

Die Wirkung von Marihuana ist grundsätzlich von der Dosierung und dem Wirkstoffgehalt Tetrahydrocannabinol (THC) abhängig. Die Höhe des THC-Gehalts einer Marihuanapflanze ist dementsprechend ausschlaggebend für die Qualität des Rauschgifts.3

Nachforschungen eines argentinischen Nachrichtensenders ergaben, dass der THC- Wert des Marihuanas  aus der Region Amambay, verglichen mit dem Marihuana, das in Argentinien angebaut wird, um 25 Prozent höher ist. Demnach gilt die in Paraguay produzierte Droge als sehr hochwertig, was die extreme Nachfrage begründet.

Des Weiteren berichtete das argentinische Journalistenteam, dass die Marihuana-Plantagen eine Fläche von insgesamt 70.000 Hektar einnehmen und eine strafrechtliche Verfolgung ist vor Ort kaum existent. Die wachsende Nachfrage und die zentrale Rolle der Stadt Pedro Juan Caballero im Anbau und Vertrieb von Marihuana führte in den letzen Jahren zu einer steigenden Kriminalitätsrate. Die beiden größten verfeindeten brasilianischen Banden, die sich auf den Handel mit Kokain und Marihuana spezialisiert haben, stehen sich dort gegenüber. Sie sind unter den Namen Primer Comando de la Capital (PCC) und Comando Vermelho (CV) bekannt.

Ein Teenager äußerte, dass es am besten sei, sich nicht einzumischen und still zu sein, ansonsten würde es böse enden. Er gab die Worte des Kommandanten Hugo Vera wieder, Minister des Anti- Drogen- Sekretariat von Paraguay, der erklärte, dass die Fläche nicht nur für den Anbau von Marihuana verwendet werde. Über den Luftverkehr fungiert die Region zusätzlich als Handelszweig für Kokain. Die ständige Präsenz von Waffen, egal ob in Hotels, Supermärkten oder auch in privaten Haushalten ist demnach nicht überraschend. Diese sind in Pedro Juan Caballero ein wesentlicher Bestandteil des täglichen Lebens.

Auf Fragen der Journalisten reagierte die Bevölkerung mit Drohungen. Dies liegt vermutlich daran, dass vor kurzem die argentinische Bundespolizei einen Schmuggelring in der argentinischen Provinz Itatí auflöste, bei dem unter anderem der örtliche Bürgermeister und der Polizeichef verhaftet wurden.

Für die Bauern ist der Anbau von Marihuana sehr viel rentabler als der von zulässigen bzw. legalen Produkten. Auf dem Feld bzw. in der Region bekommt man für ein Kilo Marihuana zwar nur 20 US-Dollar, an Sammelstellen bis zu 70 US-Dollar. Solange keine strafrechtlichen Folgen drohen, wird sich an der Situation in Pedro Juan Caballero nichts ändern und die Bevölkerung weiterhin hauptsächlich vom Handel mit Drogen leben. Die Plantagen werden von Generation zu Generation weitergegeben und Kinder unterstützen ihre Eltern schon im frühen Alter.4

  1. ABC color: Periodistas argentinos de Telefé huyen amenazados de Pedro Juan; Artikel vom 20.04.17 []
  2. InSightCrime: Mapping Paraguay’s Marijuana Trail; Artikel vom 03.11.2016 []
  3. CannabisLegal: Wirkstoffgehalt (THC); Artikel vom 20.04.17 []
  4. TN: Cómo es Pedro Juan Caballero, la capital narco de Latinoamérica; Artikel vom 18.04.14 []
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