Uruguayische Fußball-Fanclubs entwickeln sich zu Kartellen

Barras Bravas

Tribüne von Barra Amsterdam im Stadion Cenetario in Montevideo. Uruguay | Bild: © Jimmy Baikovicius [CC BY-SA 2.0] - Flickr

Die Fußball-Fanclubs in Uruguay agieren wie kriminelle Organisationen. Diese Entwicklung der ‚Barras Bravas‘ spiegelt sich ebenfalls wieder im benachbarten Argentinien. Auch entspricht die Entstehung der uruguayischen Barras Bravas stark den argentinischen. In den 1970er-Jahren zeichneten sich die argentinischen Barras Bravas durch extreme Fans aus, die ihre Loyalität zu ihrem Lieblingsteam mit einheitlicher Fan-Kleidung und Singen im Einklang zeigen wollten. Aber in den 1980er Jahren kennzeichneten sie sich durch Gewalt, bis sie zu einer unabdingbaren Charaktereigenschaft wurde. Schließlich verwickelten sie sich in Aktivitäten zum Erwirtschaften von Profiten. Einige Barras Bravas in Argentinien stehen in Verbindung mit dem Drogenhandel und sind unter dem politischen Deckmantel sicher, welcher sie vor der Strafverfolgung beschützt.1

Die Barras Bravas in Uruguay „haben sich in echte Kartelle verwandelt, die sogar über die Kontrolle des Territoriums kämpfen und an kriminellen Tätigkeiten beteiligt sind.“, sagt Rafael Peña, Leiter der Sicherheit für die  Uruguayische Fußballvereinigung (Asociación Uruguaya de Fútbol – AUF). Zudem treten sie wie ein typisches, organisiertes Kriminalnetzwerk mit einem „Wettbewerb, um Straftaten zu begehen“ auf, da sie sowohl Logistik, Verhaltenskodizes als auch eine Hierarchie zur Entscheidungsfindung beibehalten. Das ultimative Ziel der organisierten Kriminalität ist wirtschaftlicher Natur. Die Fußball-Fanclubs haben sich zu hochkarätigen Kartellen entwickelt, welche sich durch angewandte Kriminalität auszeichnen.  Auch zeigt sich, dass es Menschen gibt, die in Barras Bravas arbeiten, da sie sie als legitime Quelle für Arbeit ansehen und bereits in ihren gesunden Menschenverstand adaptiert haben.1

Der Verkauf von Parkplätzen bildet derzeit eine enorme Einnahmequelle für die Barras Bravas.1 Die Erlöse werden zudem mit dem Weiterverkauf von Tickets, Feuerwerkskörpern und Getränken im Stadion angekurbelt und der Handel mit Drogen und Waffen ist ebenfalls keine Seltenheit.2 Auf Erpressung sind die Barras Bravas häufig angewiesen.  Der AUF Vizepräsident Edgar Welker bestätigt, dass die Verhandlungen mit ihnen „ohne Ausnahme immer in Erpressung enden“. Auch werden die nationalen Fußballvereine erpresst, unter der Prämisse, dass sie ihnen Eintrittskarten für die Spiele geben, die Spiele manipulieren oder sogar auch das Spiel beenden.1 Hauptsächlich wird mit der Spielmanipulation versucht, das Fairplay des Spiels zu beeinträchtigen, um so Geld in legalen oder illegalen Wettmärkten zu verdienen. Die häufigste Form der Spielmanipulation nennt man „Tanking“. Unterdurchschnittliche Spieler der Gegenmannschaft verlieren bewusst das Spiel und erhalten folglich oft einen Teil der Einnahmen aus den Wetten, die für einen Sieg ihrer Gegner gesetzt wurden. Die Spielmanipulation ist für kriminelle Organisationen ein einfacher Weg, mit geringem Risiko und hohem Potential viel Geld zu erwirtschaften. Zudem können mithilfe von Investitionen in  die Fußballmannschaften nicht nur Steuern hinterzogen werden, sondern auch die Erlöse von illegalen Aktivitäten gewaschen werden. Aufgrund dessen konnten einige Verbindungen zu kriminellen Organisationen und vielen Fußball-Chefs in Lateinamerika nachgewiesen werden.3

Der AUF arbeitet mit den Behörden in Montevideo zusammen, um die Umsätze der Barras Bravas zu unterbinden. Jedoch kann das Problem der organisierten Kriminalität nicht vollständig von der AUF gelöst werden. Schließlich fällt die meiste Verantwortung für Konfrontation und Unterbindung der kriminellen Aktivitäten der Barras Bravas auf die Justiz.1 Zumindest in Bezug auf den Drogenverkauf sollte man auch die Verantwortung der Konsumenten nicht außer Acht lassen. Schlussendlich bedingen sich Nachfrage und Angebot immer gegenseitig.

Als Reaktion auf die wachsende Bedrohung der steigenden Macht der Barras Bravas in Argentinien befahl Präsident Mauricio Macri 2015 die Gründung einer Elite-Kraft, welche für ihre Verfolgung zuständig ist. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die Behörden Uruguays dazu gezwungen sind, ähnliche Maßnahmen zu ergreifen, um den Barras Bravas des Landes entgegenzuwirken.4

  1. El País: La AUF advirtió que las „barras“ operan como los „cárteles“; Artikel vom 17.02.2017 [] [] [] [] []
  2. El País: Investigación policial constató que hay 200 barrabravas en Uruguay; Stand vom 25.04.2017  -Artikel nicht mehr verfügbar []
  3. InSight Crime: Organized Crime a Player When it Comes to Match Fixing; Artikel vom 29.08.16 []
  4. InSight Crime: Uruguay’s „Barras Bravas“ Have Become Cartels: Soccer Official; Artikel vom 24.04.17 []

Über Jennifer / earthlink

Studentin der Wirtschaftswissenschaften. Ambitioniert und engagiert. Große Optimistin die Welt verbessern zu können. Bei Earthlink möchte ich Informationen zu entwicklungspolitischen Themen verbreiten, die sonst eher vernachlässigt werden.
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